Movado gibt EBEL ab: Die Zukunft liegt bei F.P. Journe und Chanel

Neustart für EBEL: Chanel und F.P. Journe steigen ein. © EBEL

Bei EBEL beginnt ein neues Kapitel. Die Movado Group verkauft 95 Prozent der traditionsreichen Schweizer Uhrenmarke für 66,5 Millionen US-Dollar an eine Investorengruppe unter Führung von Montres Journe SA. Mit an Bord sind Chanel und Pierre Jacques, der nach Abschluss der Transaktion CEO von EBEL werden soll. Für die Branche ist das mehr als nur ein Eigentümerwechsel: Die Marke bekommt neue Führung, neues Kapital und vor allem ein Umfeld mit erheblicher Uhrmacherkompetenz.



Die Schweizer Uhrenlandschaft bekommt eine der spannendsten Eigentümergeschichten des Jahres. Die Movado Group hat eine verbindliche Vereinbarung zum Verkauf von 95 Prozent an EBEL geschlossen. Der Kaufpreis liegt bei 66,5 Millionen US-Dollar. Movado selbst behält einen Minderheitsanteil von 5 Prozent. Der Abschluss der Transaktion wird in den kommenden Monaten erwartet und steht noch unter den üblichen Abschlussbedingungen.

Angeführt wird die Käufergruppe von Montres Journe SA, der Genfer Manufaktur hinter F.P. Journe. Ebenfalls beteiligt sind Chanel und Pierre Jacques.

PIERRE JACQUES ÜBERNIMMT DIE FÜHRUNG

Besonders bemerkenswert ist die Personalie Pierre Jacques.

Der frühere CEO von De Bethune bringt nicht nur operative Erfahrung im Bereich hochwertiger unabhängiger Uhrmacherei mit, sondern kennt auch Eigentümerwechsel aus eigener Perspektive. Bereits 2017 war er Teil eines Investorenkonsortiums, das die Mehrheit an De Bethune übernahm. Dort war Jacques über viele Jahre als CEO tätig.

Nach Vollzug des EBEL-Deals soll er nun die Geschäftsführung der Marke übernehmen. Für die 1911 in La Chaux-de-Fonds gegründete Manufaktur bedeutet das einen Neustart unter einem Manager, der sowohl Produkt als auch Positionierung im oberen Uhrensegment kennt.

F.P. JOURNE UND CHANEL SIND KEINE FREMDEN PARTNER

Auch die Verbindung zwischen F.P. Journe und Chanel ist nicht neu.

Chanel hält bereits seit 2018 eine Minderheitsbeteiligung von 20 Prozent an Montres Journe SA. Damit handelt es sich bei der neuen EBEL-Konstellation nicht um ein zufällig zusammengesetztes Investorenbündnis, sondern um Partner, die bereits seit Jahren miteinander verbunden sind.

Für EBEL könnte genau diese Konstellation interessant werden. F.P. Journe steht für kompromisslose Produktorientierung und unabhängige Haute Horlogerie, Chanel wiederum hat sein Engagement in der Schweizer Uhrenindustrie in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut.

François-Paul Journe betont laut Mitteilung vor allem die Bedeutung des Produkts für die Zukunft der Marke. Chanel wiederum sieht langfristiges Potenzial in EBEL und will die Weiterentwicklung unter Wahrung der handwerklichen Tradition unterstützen.

MOVADO KONZENTRIERT SICH KÜNFTIG ANDERS

Der Verkauf sagt gleichzeitig viel über die Strategie der bisherigen Eigentümerin aus.

Die Movado Group will sich künftig stärker auf ihr Portfolio in den Bereichen Accessible Luxury, Fashion Watches und Jewellery konzentrieren. EBEL passt mit seiner historischen Positionierung als Schweizer Luxusuhrenmarke offenbar weniger in diese strategische Ausrichtung.

Für EBEL könnte genau darin eine Chance liegen: Unter den neuen Eigentümern soll die Marke wieder stärker aus einer klassischen Uhrmacherlogik heraus entwickelt werden.

EBEL BRINGT GESCHICHTE UND DESIGNCODES MIT

EBEL wurde 1911 in La Chaux-de-Fonds gegründet und hat sich über Jahrzehnte mit einer eigenen Designsprache positioniert. Ein prägendes Merkmal ist unter anderem das charakteristische Wellenarmband.

Die Marke bringt damit etwas mit, das sich nicht einfach neu erschaffen lässt: Historie, Wiedererkennung und bestehende Designcodes.

Genau darin liegt auch die große Chance für die neuen Eigentümer. EBEL muss nicht bei null beginnen. Entscheidend wird vielmehr sein, welche Elemente der Vergangenheit wieder stärker herausgearbeitet und wie sie in eine zeitgemäße Produktstrategie überführt werden.

AUCH DIE VILLA TURQUE WECHSELT DEN BESITZER

Zum geplanten Verkauf gehört nicht nur die Marke selbst.

Auch Markenrechte, Lagerbestände und weitere EBEL zugeordnete Vermögenswerte sollen in die neue Eigentümerstruktur übergehen. Dazu zählt die Villa Turque, das historische Gebäude von Le Corbusier in La Chaux-de-Fonds.

Damit erhält die neue Eigentümergruppe nicht nur den Markennamen, sondern auch einen Teil der kulturellen und architektonischen Geschichte von EBEL.

WAS KOMMT JETZT FÜR EBEL?

Die entscheidende Frage bleibt: Wie stark lässt sich EBEL wieder im internationalen Uhrenmarkt positionieren?

Mit F.P. Journe, Chanel und Pierre Jacques stehen künftig Akteure hinter der Marke, die sowohl Kapital als auch Uhrenkompetenz und Erfahrung mit Luxuspositionierung mitbringen.

EBEL bekommt damit genau das, was eine Traditionsmarke für einen Neustart braucht: neue Eigentümer, neue Führung und ein Umfeld, das die Uhrmacherei wieder ins Zentrum rücken könnte. Jetzt muss sich zeigen, ob daraus tatsächlich ein Comeback entsteht.

Markenprofil

Ebel

Ebel

Ebel ist eine renommierte Schweizer Uhrenmarke, die 1911 von Eugène und Alice Blum in La Chaux-de-Fonds gegründet wurde. Bekannt für ihre elegante Designs und präzise Handwerkskunst, kombiniert Ebel Tradition mit...

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