Wertkauf 2026: Rohstoffpreise und ihre Folgen (Teil 2)

Wertkauf Juwelier Rohstoff Preis

Initiative Wertkauf. Die Tür-Etikette der Initiative „Wertkauf – Kurs steigt, Wert bleibt“ macht Kompetenz sichtbar: Sie kennzeichnet Fachgeschäfte als Ansprechpartner für wertbeständige Materialien und schafft Vertrauen bereits beim Eintritt. © BPJ/ Meister

Die aktuellen Preisentwicklungen bei Gold, Silber, Platin und Rhodium sind kein vorübergehendes Marktphänomen. Für den Schmuckhandel bedeutet das eine neue Ausgangslage. Steigende Einkaufspreise lassen sich nicht mehr allein mit kurzfristigen Schwankungen erklären, sondern erfordern eine klare betriebswirtschaftliche Einordnung. Gleichzeitig wächst auf Kundenseite das Verständnis dafür, dass Materialpreise nicht beliebig stabil bleiben können. Viele Verbraucher fragen gezielt nach Edelmetallgehalt, Herkunft und Wertbeständigkeit. Damit verändert sich auch das Beratungsgespräch. Der Juwelier wird stärker zum Vermittler von Zusammenhängen zwischen Rohstoffmarkt, Produkt und Preis. Wer diese Entwicklungen nachvollziehbar erklären kann, schafft Transparenz und stärkt Vertrauen. In einem Umfeld dauerhaft höherer Rohstoffpreise wird Materialkompetenz damit zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor im Fachhandel. Mehr dazu: Wertkauf 2026: Warum Juweliere wichtiger werden (Teil 1)



Schmuckmetall und Industriemetall zugleich

Silber nimmt unter den Edelmetallen eine Sonderrolle ein. Es ist zugleich klassisches Schmuckmetall und unverzichtbarer Industriestoff. Diese Doppelrolle unterscheidet Silber grundlegend von Gold und erklärt, warum der Markt besonders sensibel auf wirtschaftliche, technologische und geopolitische Veränderungen reagiert. Während Gold primär monetär und als Wertspeicher genutzt wird, ist Silber tief in industrielle Wertschöpfungsketten eingebunden.

Ein wesentlicher Teil der weltweiten Silbernachfrage stammt aus industriellen Anwendungen. Branchenanalysen gehen davon aus, dass rund 60 Prozent des jährlich geförderten Silbers industriell verwendet werden. Besonders stark ist der Einsatz in der Elektronik, wo Silber aufgrund seiner hervorragenden Leitfähigkeit in Leiterplatten, Kontakten und Halbleiterbauteilen verbaut wird. Hinzu kommen Anwendungen in der Photovoltaik. Silber ist ein zentraler Bestandteil von Solarzellen und spielt damit eine Schlüsselrolle in der Energiewende. Auch in der Medizintechnik, bei Legierungen, in der Chemie sowie in der Automobilindustrie wird Silber in relevanten Mengen eingesetzt.

Diese industrielle Abhängigkeit macht den Silbermarkt anfällig für strukturelle Engpässe. Steigt die Nachfrage aus Technologie und Energie, trifft sie auf ein begrenztes Angebot. Neue Förderprojekte sind kostenintensiv und geologisch begrenzt. Gleichzeitig fällt ein Großteil des Silbers als Nebenprodukt anderer Metalle an, was die Fördermenge nur bedingt steuerbar macht. Diese Faktoren verstärken den Preisdruck unabhängig von spekulativen Einflüssen. Parallel bleibt Silber ein bedeutendes Schmuckmetall. Gerade im deutschsprachigen Markt ist Silberschmuck fest verankert und spricht preisbewusste wie designorientierte Zielgruppen an. Steigende Silberpreise wirken sich daher direkt auf Sortimente, Kalkulationen und Endpreise aus. Für den Schmuckhandel entsteht eine komplexe Situation. Silberpreise spiegeln nicht nur Schmucknachfrage wider, sondern zunehmend auch industrielle Entwicklungen.

Silber steht damit exemplarisch für die neue Rohstoffrealität. Es verbindet Industrie, Technologie und Schmuck in einem Markt und macht sichtbar, wie eng globale Strukturen und lokaler Fachhandel miteinander verflochten sind.

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Wofür Silber noch gebraucht wird

Silber spielt eine zentrale Rolle weit über den Schmuckmarkt hinaus. Rund zwei Drittel der weltweiten Silbernachfrage entfallen heute auf industrielle Anwendungen. Diese Nachfrage ist strukturell geprägt und wächst unabhängig von modischen Zyklen oder Konsumtrends. Besonders relevant ist der Einsatz von Silber in der Photovoltaik. In Solarmodulen wird Silber als hochleitfähige Kontaktpaste verwendet, um elektrische Ströme effizient abzuleiten. Mit dem weltweiten Ausbau erneuerbarer Energien steigt auch der Bedarf an diesem Metall kontinuierlich.

Hinzu kommt die Elektronikindustrie. Silber wird in Leiterplatten, Halbleitern, Kontakten und Schaltern eingesetzt, da es die höchste elektrische Leitfähigkeit aller Metalle besitzt. Auch in Lötlegierungen und Spezialbeschichtungen ist Silber unverzichtbar. In der Elektromobilität findet es Verwendung in Batteriekontakten, Leistungselektronik und Steuerungssystemen. Jede neue Generation elektrischer Fahrzeuge erhöht damit die strukturelle Nachfrage nach Silber.

Ein weiteres Anwendungsfeld ist die Medizintechnik. Silber wird wegen seiner antibakteriellen Eigenschaften in medizinischen Instrumenten, Implantaten, Beschichtungen und Wundauflagen eingesetzt. Diese Nutzung ist konjunkturunabhängig und wächst mit dem medizinischen Fortschritt und dem demografischen Wandel.

Diese breite industrielle Verwendung führt dazu, dass ein erheblicher Teil des geförderten Silbers dauerhaft gebunden wird und nicht kurzfristig in den Markt zurückkehrt. Für den Rohstoffmarkt bedeutet das eine anhaltende Angebotsverknappung. Für den Schmuckhandel ist dieser Zusammenhang relevant, weil der Silberpreis nicht allein durch Schmucknachfrage bestimmt wird, sondern zunehmend durch technologische und energiepolitische Entwicklungen. Das erklärt, warum Silberpreise auch dann steigen können, wenn der klassische Schmuckabsatz stabil bleibt.

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Silber erreicht neue Preisniveaus und wird zunehmend als Substanzwert diskutiert. © Pexels.com

Platin und Rhodium: Extreme Knappheit als Preistreiber

Platin und Rhodium zählen zu den seltensten Edelmetallen weltweit und zeichnen sich durch eine außergewöhnlich begrenzte Verfügbarkeit aus. Die Förderung dieser Metalle ist geografisch stark konzentriert. Ein Großteil der weltweiten Produktion stammt aus wenigen Ländern, insbesondere aus Südafrika und Russland. Diese Konzentration macht die Märkte anfällig für politische Spannungen, Arbeitskonflikte, Energieprobleme oder logistische Störungen. Schon geringe Ausfälle in der Förderung können das verfügbare Angebot deutlich reduzieren.

Beide Metalle sind für industrielle Anwendungen unverzichtbar. Platin wird unter anderem in der Automobilindustrie für Katalysatoren, in der chemischen Industrie sowie in der Wasserstofftechnologie eingesetzt. Rhodium spielt eine Schlüsselrolle bei der Abgasreinigung von Fahrzeugen und ist dort kaum ersetzbar. Die Nachfrage ist daher eng an regulatorische Vorgaben und technologische Entwicklungen gekoppelt und reagiert weniger flexibel als bei anderen Metallen.

Diese Kombination aus hoher Abhängigkeit von wenigen Förderregionen und begrenzten Substitutionsmöglichkeiten führt zu ausgeprägten Preisschwankungen. In der Vergangenheit haben bereits einzelne Förderausfälle oder politische Ereignisse extreme Preisbewegungen ausgelöst. Für den Schmuckmarkt bedeutet das eine besondere Dynamik. Platin und Rhodium sind nicht nur hochwertige Materialien, sondern Rohstoffe mit starkem geopolitischem und industriellem Einfluss. Ihre Preisentwicklung folgt weniger modischen Trends als strukturellen Angebots- und Nachfragefaktoren, die langfristig wirksam bleiben.

Geopolitische Abhängigkeiten bei Platinmetallen

Platin und Rhodium unterliegen in besonderem Maß geopolitischen Abhängigkeiten. Ein erheblicher Teil der weltweiten Förderung stammt aus Südafrika und Russland. Diese starke regionale Konzentration macht die Versorgung anfällig für politische Spannungen, wirtschaftliche Sanktionen und strukturelle Probleme in den Förderländern. Veränderungen in diesen Regionen wirken sich unmittelbar auf das globale Angebot aus.

In Südafrika beeinflussen Faktoren wie Energieknappheit, Arbeitskonflikte und infrastrukturelle Schwächen regelmäßig die Fördermengen. In Russland spielen geopolitische Entwicklungen, Handelsbeschränkungen und Sanktionen eine zentrale Rolle. Schon geringe Einschränkungen im Export oder in der Produktion können zu spürbaren Angebotsverknappungen führen. Da Platin und Rhodium kaum substituierbar sind, reagiert der Markt besonders sensibel auf solche Störungen.

Diese Abhängigkeiten erklären die ausgeprägte Volatilität der Preise. Anders als bei Gold oder Silber existieren nur begrenzte Lagerbestände, die kurzfristige Engpässe ausgleichen könnten. Für den Schmuckhandel bedeutet das eine schwer kalkulierbare Kostenbasis. Gleichzeitig unterstreicht die geopolitische Dimension den Wertcharakter dieser Metalle. Ihre Preisentwicklung wird weniger durch Nachfragezyklen bestimmt als durch politische und strukturelle Rahmenbedingungen, die langfristig bestehen bleiben.

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Rohstoffe bestimmen zunehmend den Wert von Schmuck. Gold, Silber und Roségold vereinen sich in diesen Ringen zu einer sichtbaren Materialkomposition, bei der nicht Design allein zählt, sondern die Substanz der eingesetzten Edelmetalle im Mittelpunkt steht. © Pexels.com

China und Russland als Rohstoffstrategen

China und Russland verfolgen seit Jahren gezielte Rohstoffstrategien, die den globalen Markt nachhaltig beeinflussen. China sichert sich systematisch Zugänge zu Rohstoffen und baut strategische Reserven auf. Neben Gold, Silber, Platin und Rhodium investiert das Land weltweit in Minenbeteiligungen, Förderrechte und langfristige Lieferverträge. Ziel ist es, die eigene Industrie unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen zu machen und die Versorgung mit strategisch wichtigen Metallen dauerhaft abzusichern.

Russland nutzt Edelmetalle ebenfalls als festen Bestandteil seiner Finanz- und Rohstoffpolitik. Der Aufbau von Goldreserven dient der Reduzierung von Abhängigkeiten gegenüber westlichen Währungen und Finanzsystemen. Gleichzeitig spielt Russland als Förderland bei Platinmetallen eine zentrale Rolle. Politische Entscheidungen und wirtschaftliche Maßnahmen wirken sich daher direkt auf das weltweite Angebot aus. Diese staatlichen Strategien verändern die Marktmechanismen spürbar. Wenn große Volkswirtschaften Rohstoffe langfristig binden, verringert sich das frei verfügbare Angebot. Die Folge sind strukturelle Verschiebungen bei Angebot und Nachfrage, die Preise stützen und Schwankungen verstärken. Für den Schmuckmarkt entsteht dadurch ein Umfeld, in dem Edelmetalle nicht nur vom Konsum, sondern zunehmend von geopolitischen Interessen geprägt werden.

Geologie schlägt Marktlogik

Unabhängig von Nachfrage, Marktstimmung oder wirtschaftlicher Entwicklung stößt die Rohstoffversorgung an geologische Grenzen. Viele der heute genutzten Lagerstätten für Gold, Silber, Platin und Rhodium befinden sich seit Jahrzehnten in Förderung und sind teilweise weitgehend erschöpft. Neue Vorkommen werden seltener entdeckt, zudem liegen sie häufig in schwer zugänglichen Regionen oder erfordern einen deutlich höheren technischen und finanziellen Aufwand. Sinkende Erzgehalte und steigende Förderkosten prägen zunehmend die Realität im Bergbau.

Diese geologische Ausgangslage lässt sich nicht kurzfristig verändern. Selbst bei steigenden Preisen kann das Angebot nur begrenzt ausgeweitet werden, da die Erschließung neuer Minen Jahre oder sogar Jahrzehnte benötigt. Umweltauflagen, Genehmigungsverfahren und politische Rahmenbedingungen verstärken diese Verzögerungen zusätzlich. Der Markt reagiert damit weniger flexibel, als es klassische Angebot Nachfrage Modelle vermuten lassen.

Für die Preisentwicklung bedeutet das eine strukturelle Unterstützung. Wenn das Angebot geologisch begrenzt ist und die Nachfrage aus Industrie, Technologie und Schmuck wächst, entsteht ein dauerhaftes Spannungsfeld. Die Geologie setzt damit eine harte Grenze, die Marktlogik überlagert und Rohstoffe langfristig als knappe und wertstabile Ressourcen positioniert.

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass steigende Rohstoffpreise kein kurzfristiger Effekt sind, sondern das Ergebnis langfristiger wirtschaftlicher, geopolitischer und geologischer Faktoren. Gold, Silber, Platin und Rhodium stehen dabei exemplarisch für eine neue Phase, in der Verfügbarkeit, strategische Interessen und industrielle Nachfrage den Markt prägen. Für den Schmuckhandel entsteht daraus die Notwendigkeit, Preisentwicklungen einzuordnen und Materialwerte verständlich zu erklären. Rohstoffe werden damit zum zentralen Bezugspunkt für Wert, Kalkulation und Beratung.                     

Wertkauf-Etikette als Zeichen für Wertekompetenz im Fachhandel

Mit der Wertkauf-Etikette schafft Blickpunkt·Juwelier ein Instrument, das den Wertegedanken konsequent in den Verkaufsraum überträgt. Ziel der Aktion ist es, Materialien wie Gold, Silber oder weitere wertrelevante Rohstoffe klar zu kennzeichnen und ihre Einordnung für den Endkunden nachvollziehbar zu machen. Die Etikette fungiert dabei nicht als Verkaufsargument, sondern als Orientierungshilfe. Sie unterstützt die Beratung, indem sie den Dialog über Material, Herkunft und Wert strukturiert begleitet.

Gerade in einem Umfeld steigender Preise und hoher Unsicherheit gewinnt diese Form der Transparenz an Bedeutung. Einheitliche Kennzeichnungen sorgen für Wiedererkennbarkeit und schaffen Vertrauen, weil Aussagen am Produkt sichtbar werden. Für den Fachhandel bietet die Wertkauf-Etikette die Möglichkeit, Kompetenz nicht nur im Gespräch zu vermitteln, sondern auch visuell zu unterstreichen. Werte werden damit erklärbar und vergleichbar, ohne sie zu vereinfachen.

Als Initiative von Blickpunkt·Juwelier ist die Wertkauf-Etikette bewusst auf langfristige Wirkung ausgelegt. Sie unterstützt Juweliere dabei, ihre Rolle als Wertevermittler klar zu positionieren und den Anspruch auf fachliche Einordnung konsequent umzusetzen. Damit schließt sich der Kreis vom Rohstoff über die Beratung bis hin zur sichtbaren Positionierung am Point of Sale und macht Werte im Fachhandel nachvollziehbar erlebbar

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