Die Außenhandelszahlen der deutschen Schmuckbranche erreichen Rekordwerte, doch der Edelmetallpreiseffekt verzerrt das Bild. © KI generiert
Die Außenhandelszahlen der deutschen Schmuck und Uhrenindustrie für das erste Quartal 2026 wirken auf den ersten Blick außerordentlich stark. Der Export von Schmuck, Gold und Silberwaren erreichte rund 2,42 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einem Plus von knapp 50 Prozent, gegenüber dem ersten Quartal 2024 sogar einem Anstieg von mehr als 85 Prozent. Auch die Importe legten deutlich zu und erreichten 2,04 Milliarden Euro.
Rekordwerte mit erklärungsbedürftigem Hintergrund
Für Juweliere und Fachhändler ist jedoch entscheidend, diese Zahlen richtig einzuordnen. Der starke Anstieg zeigt nicht automatisch eine entsprechend gestiegene Nachfrage. Ein wesentlicher Treiber ist das hohe Preisniveau bei Edelmetallen. Gold, Silber und Platin befinden sich seit 2022 in einem ausgeprägten Aufwärtstrend. Ende 2025 erreichte Gold neue Rekordstände, Silber und Platin legten ebenfalls stark zu. J.P. Morgan erwartet für 2026 weiterhin ein hohes Goldpreisniveau.
Besonders deutlich wird der Preiseffekt bei Edelmetallen und Halbzeugen. Der Exportwert stieg im ersten Quartal 2026 auf 1,34 Milliarden Euro. Das liegt mehr als 60 Prozent über dem Vorjahreszeitraum und fast doppelt so hoch wie im ersten Quartal 2024. Dieser Bereich bildet damit vor allem den gestiegenen Materialwert ab, weniger eine echte Ausweitung der industriellen Dynamik.

Auch vollendeter Schmuck legte zu. Der Export stieg auf 823,5 Millionen Euro, nach 697,1 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das entspricht rund 18 Prozent Plus. Gleichzeitig erhöhten sich die Importwerte für Fertigschmuck auf 639,5 Millionen Euro. Daraus lässt sich eine gewisse Stabilisierung ableiten, aber keine verlässliche Aussage über Stückzahlen oder reale Nachfrage.
Auffällig ist zudem der Bereich Edelsteine, Diamanten, synthetische Diamanten und Perlen. Hier stieg der Exportwert auf 264,2 Millionen Euro und lag damit mehr als doppelt so hoch wie in den Vorjahresquartalen. Diese Entwicklung deutet auf eine eigene Marktdynamik hin, die über den reinen Edelmetalleffekt hinausgeht.

Ruhiger zeigt sich die Uhrenindustrie. Der Export von Uhren, Großuhren und Teilen erreichte 470,1 Millionen Euro. Das sind rund 2,3 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Kleinuhren entwickelten sich mit 428,4 Millionen Euro nahezu stabil. Die Importe von Uhren und Uhrenteilen stiegen dagegen auf 650,9 Millionen Euro. Das Plus von 13,8 Prozent kann auf eine Normalisierung der Lagerbestände hindeuten.
Die geopolitische Lage verschärft den Druck zusätzlich. Krieg in der Ukraine, Handelskonflikte, Währungsrisiken, hohe Staatsschulden und der eskalierte Konflikt mit Iran erhöhen die Nachfrage nach Edelmetallen als Sicherheitsanlage. Seit 2022 haben Zentralbanken ihre Goldkäufe deutlich ausgeweitet. Für die Branche bedeutet das: höhere Kapitalbindung, schwierigere Kalkulation und mehr Unsicherheit in der Preisführung.

Was hohe Rohstoffpreise für Juweliere bedeuten
Für Juweliere bleibt die zentrale Frage, wie steigende Materialkosten an Endkunden weitergegeben werden können, ohne Absatz zu verlieren. Die Statistik zeigt Rekordwerte. Die betriebliche Realität bleibt aber deutlich anspruchsvoller. Entscheidend werden eine präzise Sortimentssteuerung, klare Preisarchitektur und eine Beratung, die den Wert von Schmuck nachvollziehbar erklärt. Die Zahlen des zweiten Quartals werden zeigen, ob sich hinter den hohen Werten echte Nachfrage oder vor allem der Rohstoffpreiseffekt verbirgt.














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