Nachfolge bei Richemont: Jetzt kommt Anton Rupert stärker ins Spiel

Nächste Generation bei Cartier & Co.: Anton Rupert rückt in die Führung. © Richemont

Bei Richemont wird die nächste Generation sichtbarer: Anton Rupert, Sohn von Verwaltungsratschef Johann Rupert, ist zum Non-executive Co-Deputy Chairman ernannt worden. Der 39-Jährige soll sich künftig vor allem um strategische Produkt- und Kommunikationsthemen der Maisons kümmern. Die Personalentscheidung fällt in eine Phase starken Wachstums, insbesondere bei den Jewellery Maisons rund um Cartier und Van Cleef & Arpels.



Richemont treibt seine langfristige Nachfolgeplanung voran. Der Verwaltungsrat des Schweizer Luxuskonzerns hat Anton Rupert mit sofortiger Wirkung zum Non-executive Co-Deputy Chairman ernannt. Er übernimmt die Funktion gemeinsam mit Bram Schot, der seit 2024 Deputy Chairman ist.

Die Ernennung ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil Anton Rupert der Sohn von Richemont-Chairman Johann Rupert ist. Der 39-Jährige gehört dem Verwaltungsrat bereits seit 2017 an und sammelte unter anderem Erfahrung als Director beim Pre-Owned-Uhrenhändler Watchfinder.

ANTON RUPERT ÜBERNIMMT STRATEGISCHE AUFGABEN

Die Aufgaben der beiden stellvertretenden Vorsitzenden werden klar voneinander getrennt. Anton Rupert soll Themen rund um das Strategic Product and Communications Committee der Maisons verantworten. Dabei geht es laut Richemont darum, Kontinuität in einem für die kreative und kommerzielle Ausrichtung der Gruppe zentralen Bereich zu sichern.

Bram Schot bleibt dagegen stärker für Governance, Ausschüsse und die Arbeit des Verwaltungsrats zuständig.

Damit rückt Anton Rupert näher an zentrale strategische Fragen der Marken heran. Zum Richemont-Portfolio gehören unter anderem Cartier, Van Cleef & Arpels, Buccellati, Vhernier, Montblanc, IWC, Jaeger-LeCoultre und Vacheron Constantin.

SCHMUCK BLEIBT DER WACHSTUMSMOTOR

Die Personalentscheidung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem gerade die Jewellery Maisons besonders stark wachsen.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, das am 30. Juni 2026 endete, erzielte Richemont einen Gruppenumsatz von 6,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 20 Prozent zu konstanten Wechselkursen. Die Jewellery Maisons steigerten ihren Umsatz sogar um 24 Prozent und verzeichneten damit bereits das siebte Quartal in Folge zweistelliges Wachstum.

Zu dieser Sparte gehören heute Cartier, Van Cleef & Arpels, Buccellati und Vhernier. Gemeinsam erwirtschafteten sie im Quartal rund 4,7 Milliarden Euro Umsatz.

Regional entwickelte sich das Geschäft ebenfalls dynamisch: Japan legte zu konstanten Wechselkursen um 36 Prozent zu, die Americas um 27 Prozent, Asia Pacific um 21 Prozent und Europa um 11 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich auf den Richemont-Konzern insgesamt, nicht ausschließlich auf die Schmuckdivision.

NACHFOLGE WIRD SCHRITTWEISE VORBEREITET

Johann Rupert bezeichnete die Ernennung seines Sohnes als Teil der langfristigen Nachfolgeplanung des Konzerns. Richemont betont dabei ausdrücklich, dass die familiäre Kontinuität mit klaren Governance-Strukturen verbunden bleiben soll.

Anton Rupert hält sich öffentlich bislang eher im Hintergrund. Seine neue Rolle macht ihn nun deutlich sichtbarer innerhalb der Konzernführung.

Für die Branche ist vor allem interessant, dass seine Zuständigkeit nicht ausschließlich auf Finanz- oder Verwaltungsthemen ausgerichtet ist. Mit Produkt- und Kommunikationsstrategie übernimmt er einen Bereich, der unmittelbar mit der Positionierung und Weiterentwicklung der Maisons verbunden ist.

FAMILIENEINFLUSS BLEIBT BEDEUTEND

Dass die Nachfolgefrage bei Richemont besondere Bedeutung hat, liegt auch an der Eigentümerstruktur des Konzerns. Richemont verfügt über zwei Aktienklassen. Die nicht börsennotierten B-Aktien der Rupert-Familie repräsentieren zwar nur einen vergleichsweise kleinen Teil des Kapitals, sichern ihr aber rund die Hälfte der Stimmrechte. Diese Struktur gibt der Familie seit Jahrzehnten erheblichen Einfluss auf die strategische Entwicklung des Unternehmens. Bereits 2022 wurde die besondere Governance-Struktur im Zuge eines öffentlich ausgetragenen Konflikts mit dem aktivistischen Investor Bluebell Capital intensiv diskutiert.

Mit der Ernennung von Anton Rupert setzt Richemont nun ein weiteres sichtbares Zeichen dafür, wie die nächste Generation schrittweise stärker in die Führung des Konzerns eingebunden wird.

Und sie übernimmt diese Verantwortung in einer Phase, in der vor allem das Schmuckgeschäft rund um Cartier, Van Cleef & Arpels, Buccellati und Vhernier so stark wächst wie seit mehreren Quartalen nicht.

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