The Watch Keepers: Audemars Piguet holt gebrauchte Uhren ins eigene Haus

Royal Oak aus zweiter Hand: Audemars Piguet wird selbst zur Plattform. © KI-generiert

Audemars Piguet steigt offiziell in den Handel mit gebrauchten Uhren ein. Mit „The Watch Keepers“ startet die Manufaktur eine eigene digitale Plattform, über die zertifizierte AP-Uhren aus Vorbesitz gekauft und verkauft werden können. Die Marke übernimmt dabei Authentifizierung, Abwicklung, Lagerung und Garantie – und erhält damit zugleich einen deutlich direkteren Zugang zum eigenen Zweitmarkt.



Der Schritt war lange erwartet worden. Nun ist The Watch Keepers zunächst in der Schweiz und in Teilen Europas gestartet. Audemars Piguet beschreibt das Angebot selbst als digitales Erlebnis, das den Kauf und Verkauf zertifizierter Uhren aus Vorbesitz erleichtern und für mehr Transparenz und Sicherheit sorgen soll.

DER VERKÄUFER BESTIMMT DEN PREIS

Anders als bei einem klassischen Ankauf bleibt die Uhr zunächst Eigentum des Verkäufers. Nach der Einlieferung wird sie bei Audemars Piguet geprüft, fotografiert und bis zum erfolgreichen Verkauf sicher verwahrt.

Den Angebotspreis legt der Verkäufer grundsätzlich selbst fest. Angeboten werden können geeignete Audemars-Piguet-Uhren, wobei das neue Programm zunächst auf bereits länger im Markt befindliche Modelle ausgerichtet ist.

Nach dem Verkauf erhält der Käufer die Uhr mit Echtheitszertifikat und zweijähriger Garantie. Damit bringt Audemars Piguet einen entscheidenden Vorteil der Marke selbst in den Zweitmarkt ein: die direkte Bestätigung von Authentizität und Zustand.

BIS ZU 20 PROZENT PROVISION

Interessant ist das Geschäftsmodell hinter der Plattform.

Für Verkäufer gilt eine gestaffelte Provision. Auf die ersten 25.000 Euro beziehungsweise Schweizer Franken des Verkaufspreises entfallen 20 Prozent, auf den Anteil zwischen 25.001 und 50.000 sind es 15 Prozent und auf den darüberliegenden Betrag zehn Prozent.

Bei einem Verkaufspreis von 52.000 entspricht dies laut WatchPro einer Provision von 8.950 beziehungsweise rund 17,2 Prozent.

Die Gebühren decken nach Angaben der Plattform unter anderem Prüfung, Abwicklung, Fotografie, Logistik, Versicherung und weitere Dienstleistungen ab. Eine umfangreiche Revision kann abhängig vom Zustand zusätzlich notwendig werden.

NICHT NUR UMSATZ, SONDERN KUNDENZUGANG

Strategisch ist The Watch Keepers allerdings weit mehr als ein zusätzliches Provisionsgeschäft.

Wer eine gebrauchte Audemars Piguet über die Plattform kauft oder verkauft, tritt direkt mit der Manufaktur in Kontakt. Die Marke kann damit erstmals einen größeren Teil jener Transaktionen begleiten, die bislang über Händler, Auktionshäuser und unabhängige Plattformen liefen.

Audemars Piguet erfasst im Rahmen des Programms entsprechend auch Kauf- und Verkaufshistorien sowie weitere Kundendaten. Die eigene Datenschutzerklärung führt Transaktionen über The Watch Keepers ausdrücklich als Bestandteil der Kundenbeziehung auf.

Gerade für eine Luxusmarke ist dieser direkte Kontakt wertvoll: Ein Käufer einer gebrauchten Royal Oak kann dadurch erstmals als Kunde in das Markenökosystem eintreten.

CEO Ilaria Resta betont allerdings, dass die Plattform nicht primär zur Maximierung des Transaktionsgewinns geschaffen worden sei. Im Mittelpunkt sollen Vertrauen, Service und die Verlängerung des Lebenszyklus der Uhren stehen.

AUDEMARS PIGUET HOLT DEN ZWEITMARKT NÄHER AN DIE MARKE

Für den Fachhandel ist der Schritt von großer Bedeutung. Der internationale Markt für gebrauchte Luxusuhren ist längst zu einem eigenständigen Geschäftsfeld geworden. Marken überlassen dieses Geschäft zunehmend nicht mehr ausschließlich unabhängigen Händlern und Plattformen.

Audemars Piguet geht dabei einen konsequenten Weg: Die Uhr bleibt gebraucht, die Transaktion erhält jedoch die Absicherung und Autorität der Manufaktur.

Damit geht es nicht nur um zusätzliche Erlöse. AP gewinnt mehr Kontrolle über Authentizität, Kundenerlebnis, Daten und die Wahrnehmung der eigenen Uhren im Zweitmarkt.

Für die Branche ist The Watch Keepers deshalb vor allem ein Signal: Der Pre-Owned-Markt wird immer stärker Teil der offiziellen Markenstrategie.

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