Jetzt kommt AP CPO: Audemars Piguet vor dem offiziellen Launch. © KI-generiert
Audemars Piguet steht offenbar kurz vor dem offiziellen Start eines globalen Certified-Pre-Owned-Programms. Nach Informationen von WatchPro soll der Roll-out noch vor Ende Oktober beginnen. Die Marke selbst hat Termin und Details bislang allerdings nicht bestätigt. Sicher ist: AP beschäftigt sich seit Jahren mit Trade-ins und gebrauchten Uhren – und der Zweitmarkt ist inzwischen zu groß, um ihn zu ignorieren.
Bereits 2018 kündigte Audemars Piguet an, gebrauchte Uhren stärker in das eigene Geschäftsmodell einzubeziehen. Seitdem liefen Pilotprojekte unter anderem in Japan, der Schweiz und den USA. Hinter den Kulissen wurde zudem ein eigenes CPO-Team aufgebaut; Marc Montagne ist seit Oktober 2024 Director Certified Pre-Owned bei AP.
NOCH NICHT OFFIZIELL BESTÄTIGT
Wichtig für die Einordnung: WatchPro berichtet exklusiv, dass Audemars Piguet sein CPO-Programm in der kommenden Woche vorstellen will. Unternehmensvertreter wollten gegenüber WatchPro weder den genauen Termin noch konkrete Details bestätigen.
Damit sollte derzeit noch nicht als gesichert dargestellt werden, dass AP CPO-Uhren zwingend online, in allen Boutiquen oder in allen AP Houses anbieten wird. WatchPro hält einen Online-Vertrieb allerdings für wahrscheinlich.
ROYAL OAK MACHT DEN ZWEITMARKT BESONDERS ATTRAKTIV
Dass AP jetzt stärker auf den Gebrauchtmarkt blickt, überrascht kaum. Die Royal Oak gehört zu den wertstabilsten und begehrtesten Luxusuhren überhaupt.
WatchCharts weist für die Royal Oak aktuell eine durchschnittliche Value Retention von rund 34,7 Prozent über Listenpreis aus. Der Royal-Oak-Marktindex liegt gegenüber dem Vorjahr rund 9,7 Prozent höher. Für Audemars Piguet insgesamt beträgt der Jahresanstieg aktuell rund 8,9 Prozent.
Die häufig genannte Zahl von 37 Prozent über Listenpreis ist damit in der Größenordnung nachvollziehbar, aktuell aber etwas zu hoch. Für eine saubere Darstellung sollte mit den derzeitigen WatchCharts-Werten gearbeitet werden.
ROLEX ZEIGT, WIE GROSS CPO WERDEN KANN
Der wichtigste Vergleich ist Rolex. Dessen Certified-Pre-Owned-Programm startete Ende 2022 und wächst inzwischen rasant.
Laut Morgan Stanley und WatchCharts erzielte Rolex CPO im dritten Quartal 2026 geschätzte 229 Millionen US-Dollar Umsatz. Für die ersten neun Monate summierte sich der Umsatz auf rund 550 Millionen Dollar. Sollte sich das Tempo fortsetzen, könnte das Programm 2027 die Marke von einer Milliarde Dollar erreichen.
Diese Milliarde ist also noch kein heutiger Jahresumsatz, sondern eine Hochrechnung für die weitere Entwicklung.

AP KÖNNTE DIREKTER PROFITIEREN ALS ROLEX
Bei Audemars Piguet wäre die Struktur anders als bei Rolex.
AP betreibt ein eigenes internationales Netzwerk aus Boutiquen und AP Houses. Dadurch könnte die Marke selbst direkter an Handelsspannen und Kundendaten aus dem CPO-Geschäft partizipieren. Gleichzeitig müsste sie aber auch die Kosten für Ankauf, Authentifizierung, Service, Aufarbeitung und Wiederverkauf tragen.
Gerade bei hochwertigen Royal-Oak-Modellen könnte das interessant werden: Statt den gesamten Zweitmarkt unabhängigen Händlern und Plattformen zu überlassen, würde AP einen Teil des Geschäfts selbst kontrollieren.
MEHR ALS NUR ZUSÄTZLICHER UMSATZ
Ein offizielles CPO-Programm hat noch eine zweite Funktion: Es stärkt Vertrauen.
Rolex argumentiert, dass zertifizierte Gebrauchtuhren Käufer vor Fälschungen und manipulierten sogenannten „Frankenstein“-Uhren schützen sollen. Genau diese Logik dürfte auch für AP interessant sein.
Für Sammler bedeutet CPO vor allem drei Dinge: bestätigte Echtheit, professionellen Service und eine Garantie direkt aus dem offiziellen Markenumfeld.
WAS BEDEUTET DAS FÜR DEN FACHHANDEL?
Für unabhängige Händler und Pre-Owned-Spezialisten könnte ein AP-CPO-Programm den Wettbewerb verschärfen.
Je stärker Hersteller selbst in den Zweitmarkt einsteigen, desto wichtiger werden für freie Händler Preis, Verfügbarkeit, Expertise und Schnelligkeit. Gleichzeitig legitimiert ein Hersteller-CPO den Gebrauchtmarkt zusätzlich und kann damit auch die allgemeine Nachfrage nach Pre-Owned-Uhren stärken.
Sollte Audemars Piguet den weltweiten Roll-out wie berichtet tatsächlich starten, wäre das deshalb mehr als nur ein neues Serviceangebot. Es wäre der nächste Schritt großer Luxusuhrenmarken, den Zweitmarkt stärker selbst zu kontrollieren.














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