Kommentar zum ETA-Lieferstopp

Die ETA soll nun daran gehindert werden, mechanische Werke an Mitbewerber zu liefern. Dies kommentiert Ulrich Voß, Chefredakteur „Blickpunkt Juwelier“.


Der eigentliche Skandal ist nicht Nick Hayek, der keine Werke mehr liefern soll und sich nun beschwert, sondern die Schweizerische Uhrenbranche, die es trotz heftigster Vorwarnung nicht geschafft hat, auf eigene Beine zu kommen. Was hat sich eigentlich verändert seit 2003? Damals ging zu Recht ein Aufschrei durch die Schweizer Uhrenbranche. Auch aufgrund der besonderen Geburtsstunde der Swatch-Group 1983 war man davon ausgegangen, dass der „Retter der Schweizer Uhrenindustrie“, Nicolas Hayek, für immerdar die gesamte eidgenössische Uhrenindustrie beliefern und den Bedarf der Branche decken würde. Bereits Hayek Senior zeigte Zähne und entschied, wie ein Unternehmer eben entscheidet. Sein Sohn Nick führt diesen Weg fort. Warum sollte die Swatch Group ihren eigenen Marken Nachteile verschaffen, indem sie die Mitbewerber mit Uhrwerken versorgt und diese dann eventuell sogar günstiger angeboten werden? (Interessantes Detail in diesem Zusammenhang: Wie Nick Hayek mittlerweile bestätigt hat, habe die ETA wegen des ausstehenden Weko-Entscheids die Bestellungen der Drittfirmen nicht bestätigen können und deshalb noch gar nicht mit der Produktion angefangen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.)

Dem Aufschrei 2003 folgte nicht viel, zumindest zu wenig, wie man nun weiß. Die Probleme sind noch immer vorhanden. Der Mitbewerb hat es nicht geschafft, eigene Uhrwerke zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen, beziehungsweise einen Mitbewerber zur ETA aufzubauen. Selbstverständlich hat die ETA dieser Situation nicht tatenlos zugesehen und weiter daran gearbeitet, Marktführer zu bleiben. Trotzdem aber ist die Verwunderung der Branche überraschend. Warum hätte sich die Situation in den vergangenen Jahren entspannt haben sollen, nur weil wieder mehr Werke auf dem Markt waren?

Nun soll erneut die Weko helfen. Sie hat ihre Argumentation um 100 % gedreht (hier). Nun soll nicht ein Lieferzwang, sondern ein Lieferstopp für die ETA dafür sorgen, dass der Wettbewerb gestärkt wird und die Mitbewerber mehr Marktanteile erhalten sollen. Dies könnte eventuell größere Unternehmen wie Breitling oder IWC motivieren, die ohnehin schon in die Manufakturfertigung eingestiegen und ihre Kollektion darauf ausgerichtet haben. Doch alle die anderen kleineren Unternehmen ohne Plan B wären mit einem Lieferstopp aufgeschmissen. Und zwar ab Januar, also in zwei Wochen. Hier kann Sellita nicht helfen. Es wird interessant sein, wie die Wettbewerbskommission den im Raum stehenden Lieferstopp begründet. Im Laufe der Woche wird sich dies herausstellen.