Neue Initiative für die Zukunft des Fachhandels: #GEMEINSAMSTAERKER

#gemeinsamstaerker Initiative Juweliere

Zeit durch Unterstützung und gemeinsame Vorgehensweise den Fachhandel zu sichern. © BPJ

Die Rahmenbedingungen im Uhren- und Schmuckhandel haben sich spürbar verändert. Strukturen, die über Jahre funktioniert haben, geraten unter Druck, während neue Vertriebsmodelle an Einfluss gewinnen. Für den stationären Fachhandel stellt sich damit weniger die Frage nach Anpassung, sondern nach gemeinsamer Positionierung. #gemeinsamstaerker setzt genau an diesem Punkt an. Die Initiative bündelt Interessen, stärkt die Wahrnehmung des Fachhandels als Kollektiv und schafft einen Rahmen, in dem Kooperation, Fairness im Wettbewerb und wirtschaftliche Planbarkeit neu gedacht werden.



Der stationäre Fachhandel steht nicht deshalb unter Druck, weil seine Leistungen an Bedeutung verloren hätten, sondern weil er zunehmend vereinzelt agiert. Während Filialisten und Marken mit gebündelter Marktmacht auftreten, verhandeln viele inhabergeführte Betriebe weiterhin als Einzeladressen. Die Folgen sind sichtbar: sinkende Berücksichtigung bei Lieferanten, eingeschränkter Zugang zu Werbeunterstützung und eine wachsende Distanz zwischen Marktanforderungen und realen Möglichkeiten im Geschäft. Diese Entwicklung ist kein individuelles Versagen, sondern das Ergebnis fehlender kollektiver Struktur.

#gemeinsamstaerker setzt genau an diesem Punkt an. Die Initiative von Blickpunkt·Juwelier verfolgt das Ziel, den Fachhandel wieder als relevantes Kollektiv sichtbar zu machen. Nicht als anonyme Masse, sondern als Zusammenschluss eigenständiger Betriebe mit gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen. Kollektive Wahrnehmung bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Fachhandel wieder als ernstzunehmender Partner wahrgenommen wird – bei Sortimentsentscheidungen, bei Kooperationsmodellen und bei der Frage fairer Rahmenbedingungen.

Der Ansatz ist bewusst sachlich und langfristig angelegt. #gemeinsamstaerker ist keine Kampagne, sondern ein struktureller Rahmen, unter dem der Fachhandel seine Kräfte bündelt, ohne seine Individualität aufzugeben. Nur wenn Sichtbarkeit, Verhandlung und Kommunikation gemeinsam gedacht werden, entsteht die notwendige Stärke, um im Markt wieder auf Augenhöhe zu agieren.

Der Juwelier

Der Juwelier agiert im Markt mit klar begrenzten Mitteln. Werbekostenzuschüsse werden nur eingeschränkt oder gar nicht gewährt, Kommissionsmodelle sind unüblich. Die Sortimentsgestaltung ist häufig nicht frei, sondern durch Vorgaben, Mindestabnahmen oder eingeschränkte Lieferfähigkeit limitiert. Gleichzeitig trägt der Juwelier die volle Verantwortung für Lagerhaltung, Personal, Service und Aftersales. Er erklärt Herkunft, Qualität und Preis, übernimmt Reparaturen, Batteriewechsel und ist erster Ansprechpartner bei Reklamationen. Digitale Sichtbarkeit entsteht meist auf eigene Kosten, nationale Kampagnen bleiben die Ausnahme. Trotz regionaler Kompetenz und Kundennähe wird der Fachhandel oft als nachgelagerter Absatzkanal behandelt, obwohl er Marken vor Ort aufbaut, pflegt und dauerhaft sichtbar hält.

Der Filialist

Galeria dient hier als Beispiel für filialistische Handelsstrukturen. Als Filialist agiert das Unternehmen unter anderen Voraussetzungen als der inhabergeführte Fachhandel. Kommissionsmodelle, höhere Werbekostenzuschüsse und bevorzugte Platzierungen gehören zum etablierten Instrumentarium. Sortimente werden gezielt nach Wunsch zusammengestellt, Markenpräsenz wird zentral geplant und national ausgespielt. Lagerhaltung, Marketing und Flächenstrategie sind Teil eines skalierbaren Systems, das auf Volumen ausgelegt ist. Marken profitieren von Reichweite und Frequenz, während Risiken verteilt werden. Was beim Filialisten selbstverständlich ist, bleibt dem stationären Fachhandel oft verwehrt. Das Resultat ist keine Marktausweitung, sondern eine Umverteilung zulasten inhabergeführter Betriebe.

Kollektive Wahrnehmung statt Einzelkampf im Markt

Der stationäre Fachhandel wird im Markt häufig nicht als geschlossene Größe wahrgenommen, sondern als Vielzahl einzelner Adressen mit begrenzter Reichweite. Für Lieferanten, Marken und Industriepartner entsteht dadurch ein verzerrtes Bild. Entscheidungen zu Sortimenten, Kooperationen oder Marketingmaßnahmen orientieren sich zunehmend an Strukturen, die Volumen, Skalierung und zentrale Steuerung versprechen. Der einzelne Fachhändler kann diese Parameter allein kaum erfüllen, selbst wenn er wirtschaftlich solide arbeitet und über hohe Beratungskompetenz verfügt.

Kollektive Wahrnehmung bedeutet daher nicht Gleichmacherei, sondern Bündelung von Interessen. #gemeinsamstaerker setzt genau hier an und schafft einen Rahmen, in dem der Fachhandel wieder als relevantes Marktsegment sichtbar wird. Wenn viele Betriebe unter einer gemeinsamen Struktur auftreten, entsteht Gewicht. Dieses Gewicht ist Voraussetzung dafür, von Lieferanten wieder ernsthaft berücksichtigt zu werden – sei es bei Werbeunterstützung, bei exklusiven Aktionen oder bei der frühzeitigen Einbindung in strategische Entscheidungen.

Der Einzelkampf hingegen bindet Ressourcen und verstärkt Abhängigkeiten. Jeder Betrieb verhandelt separat, investiert isoliert in Sichtbarkeit und bleibt im Zweifel austauschbar. Kollektive Strukturen reduzieren diese Fragmentierung. Sie ermöglichen abgestimmte Kommunikation, vergleichbare Rahmenbedingungen und eine stärkere Position gegenüber zentral organisierten Vertriebsmodellen. Für den Fachhandel ist das kein ideologischer Schritt, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit, um im Markt wieder als gestaltende Kraft wahrgenommen zu werden.

Ohne Fachhandel gibt es keine Auswahl, keinen Vergleich und kein Vertrauen.

Alexander Meth, Geschäftsführer Meth Media Verlag (Blickpunkt ·Juwelier)

Kooperation, WKZ und Margenfrage neu denken

Kooperation zwischen Fachhandel und Industrie ist in vielen Bereichen zur Ausnahme geworden, obwohl sie lange ein zentrales Fundament funktionierender Marktstrukturen war. Werbekostenzuschüsse, gemeinsame Aktionen oder abgestimmte Kommunikationsmaßnahmen werden heute häufig selektiv vergeben. Während zentral organisierte Handelsformen regelmäßig eingebunden werden, bleibt der inhabergeführte Fachhandel vielfach auf sich gestellt. Diese Entwicklung verschiebt Budgets und Entscheidungsräume einseitig und verstärkt bestehende Ungleichgewichte.

Die Margenfrage ist dabei untrennbar mit dem Thema Kooperation verbunden. Wenn Einkaufsbedingungen, WKZ und Vermarktungsunterstützung unterschiedlich verteilt werden, entstehen strukturelle Vorteile, die sich im Verkauf fortsetzen. Der Fachhandel trägt Lagerhaltung, Personal, Beratung und Service eigenständig, ohne über vergleichbare Instrumente zu verfügen. Partnerschaft wird damit zur einseitigen Erwartung, nicht zu einem gegenseitigen Leistungsversprechen.

Kooperation neu zu denken bedeutet nicht, bestehende Modelle pauschal infrage zu stellen, sondern sie transparent und fair auszurichten. Verlässliche WKZ, nachvollziehbare Konditionen und eine Einbindung des Fachhandels in Kommunikationsstrategien sind Voraussetzung für Augenhöhe. Nur wenn wirtschaftliche Rahmenbedingungen ausgewogen gestaltet sind, kann der Fachhandel seine Rolle als stabiler Vertriebspartner dauerhaft erfüllen.

Strukturelle Fairness im Wettbewerb

Fairer Wettbewerb setzt voraus, dass unterschiedliche Handelsformen unter nachvollziehbaren und ausgewogenen Rahmenbedingungen agieren. Filialisten und inhabergeführte Fachhändler arbeiten in verschiedenen Systemen, mit jeweils eigenen Stärken und Voraussetzungen. Entscheidend ist jedoch, dass diese Unterschiede nicht zu dauerhaften strukturellen Nachteilen führen. Wettbewerb funktioniert nur dann, wenn vergleichbare Leistungen auch unter vergleichbaren Bedingungen erbracht werden können.

Der stationäre Fachhandel übernimmt zentrale Aufgaben in der Wertschöpfung. Er hält Ware vor, investiert in Personal, übernimmt Beratung, Service und Aftersales und ist dauerhaft regional präsent. Diese Leistungen schaffen Vertrauen und Stabilität im Markt. Werden Konditionen, Werbeunterstützung oder Verfügbarkeit systematisch unterschiedlich verteilt, entsteht ein Ungleichgewicht, das nicht leistungsbezogen ist, sondern strukturell bedingt.

Strukturelle Fairness schafft Verlässlichkeit für alle Beteiligten. Sie ermöglicht es Marken, ihre Vertriebsstrategie breiter und nachhaltiger aufzustellen, ohne einzelne Kanäle zu bevorzugen oder auszuschließen. Für den Fachhandel entsteht Planungssicherheit, die Investitionen rechtfertigt und langfristige Markenarbeit ermöglicht. Wettbewerb wird dadurch nicht eingeschränkt, sondern gestärkt. Denn nur ein Markt, der auf fairen und nachvollziehbaren Strukturen basiert, bleibt vielfältig, leistungsfähig und wirtschaftlich stabil. Strukturelle Fairness ist damit kein Anspruch, sondern eine Voraussetzung. Damit rückt die Frage nach gemeinsamer Organisation in den Fokus.

#gemeinsamstaerker bündelt Initiativen

#gemeinsamstaerker ist als übergeordneter Rahmen konzipiert, unter dem mehrere Initiativen von Blickpunkt·Juwelier zusammengeführt werden. Ziel ist es, dem stationären Fachhandel keine Einzelmaßnahmen anzubieten, sondern ein System, das unterschiedliche wirtschaftliche Hebel miteinander verbindet. Juwelier des Lebens, Wertkauf und YES!-FOREVER sind dabei keine isolierten Projekte, sondern aufeinander abgestimmte Bausteine mit klarer Funktion.

Juwelier des Lebens stärkt die langfristige Kundenbindung und positioniert den Fachhandel als dauerhaften Ansprechpartner über einzelne Kaufanlässe hinaus. Wertkauf unterstützt die Argumentation im Verkauf, indem wirtschaftliche Aspekte verständlich kommuniziert und Preisfragen sachlich eingeordnet werden. YES!-FOREVER wiederum greift planbare Nachfrage im Trauringgeschäft auf und verschiebt Beratung und Abschluss gezielt in einen wirtschaftlich relevanten Zeitraum.

Erst im Zusammenspiel entfalten diese Initiativen ihre volle Wirkung. #gemeinsamstaerker sorgt dafür, dass Kommunikation, Timing und Inhalte ineinandergreifen und nicht nebeneinanderstehen. Für Abonnenten von Blickpunkt·Juwelier entsteht dadurch ein konsistenter Werkzeugkasten, der ohne zusätzlichen organisatorischen Aufwand nutzbar ist. Der Fachhandel bleibt individuell, tritt aber strukturell gemeinsam auf. Genau darin liegt die Stärke dieses Rahmens.

Jetzt ist der Zeitpunkt, sich zu informieren, die bestehenden Werkzeuge zu nutzen und den Fachhandel im Rahmen von #gemeinsamstaerker aktiv mitzugestalten. Alle Informationen finden Sie in der nächsten Ausgabe von Blickpunkt·Juwelier und online.

#gemeinsamstaerker stationäre gemeinsame Zukunft
#gemeinsamstaerker Initiative Fachhandel
Teilen
Keine Kommentare

Hinterlassen Sie uns einen Kommentar

Verwandte Themen

Ähnliche Themen

Derzeit keine Inhalte
VORTEILSCLUB IST MEHR

Profitieren Sie jetzt von neuen Benefits: Aktionsplan für das ganze Jahr, BPJ-Zeitungsbezug, Reader’s Lounge, B2B-Kommunikation und noch viel MEHR!

SIND SIE SCHON REGISTRIERT ?

Registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie von allen Inhalten in voller Länge, exklusiven News und Insights, die es NUR im geschützten Bereich für Branchen-TeilnehmerInnen gibt.