Zwei Welten und eine Chance für den Fachhandel

Verlobungsring Experte Naturdiamant Labordiamant

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Kaum ein Thema sorgt derzeit in der Schmuckbranche für so viel Spannung wie die Diskussion um Labor- und Naturdiamanten. Zwischen Tradition, Transparenz und Technologie steht die Branche vor einer Richtungsfrage. Beim Verlobungsring, dem emotionalsten Kaufmoment des Fachhandels, entscheidet sich, wie Zukunft und Vertrauen zusammenfinden.



Der Verlobungsring ist mehr als ein Schmuckstück. Er ist ein Symbol für den Beginn einer Geschichte und zugleich ein Marktsegment, das zunehmend unter Druck steht. Denn die Frage, ob der Diamant aus der Erde oder aus dem Labor stammt, spaltet derzeit die Branche wie kaum ein anderes Thema. Während Naturdiamanten für Tradition, Emotion und Beständigkeit stehen, versprechen Labordiamanten Transparenz, Nachhaltigkeit und Preisvorteile.

Ein Markt im Wandel

Was in den USA längst Normalität ist, erreicht nun auch Europa: Laut MVI Marketing (2024) enthalten bereits rund 40 Prozent der Verlobungsringe in den Vereinigten Staaten Labordiamanten. In Deutschland liegt der Anteil derzeit bei etwa 10 Prozent. Mit steigender Tendenz. Besonders jüngere Käufer, die mit Umwelt- und Ethikthemen vertraut sind, zeigen wachsendes Interesse. Für sie zählt nicht allein die Herkunft, sondern die Geschichte hinter dem Stein.

Diese Entwicklung zwingt den Fachhandel zum Umdenken. Jahrzehntelang galt der natürliche Diamant als Inbegriff von Wert und Authentizität. Heute fordern Konsumenten Offenheit und Wahlfreiheit. Wer einen Verlobungsring sucht, informiert sich im Netz über Unterschiede, Nachhaltigkeit und Preisrelationen. Viele Paare erwarten, dass ihr Juwelier beides anbietet – den Stein der Natur und den der Technik – und transparent erklärt, worin sich die Varianten unterscheiden.

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Zwischen Technologie und Vertrauen

Der Labordiamant hat sich in kurzer Zeit zu einer ernstzunehmenden Größe entwickelt. Er entsteht unter kontrollierten Bedingungen, ist chemisch und optisch identisch mit dem Naturstein und oft günstiger. Dennoch bleibt die emotionale Aufladung beim Kauf entscheidend. Hier liegt die Herausforderung: Wie vermittelt man einem Kunden den Wert eines Steins, der nicht in Jahrmillionen gewachsen ist, sondern in wenigen Wochen entstand?

Sarina Haniffa, Gründerin der Marke Nayhera, bringt diese Spannung auf den Punkt. In einem Beitrag für Blickpunkt·Juwelier Online (Februar 2025) sagt sie: „Es liegt an uns, als Fachleute und Branchenvertreter, zu differenzieren, was wir intern besprechen und was wir nach außen kommunizieren. Wenn wir nach außen auftreten, müssen wir geschlossen und selbstbewusst die Faszination für Schmuck transportieren – unabhängig davon, ob es sich um Wunder der Natur oder der Technik handelt.“ Ihr Appell richtet sich an eine Branche, die sich nicht spalten, sondern neu aufstellen sollte. Denn die Generation Z interessiert weniger, wie alt ein Stein ist, sondern welche Werte er verkörpert. Nachhaltigkeit, Transparenz und Innovationsgeist sind zu Kaufargumenten geworden.

Sarina Haniffa Nayhera
Sarina Haniffa, Gründerin @ Nayhera

Nach außen müssen wir geschlossen die Faszination für Schmuck vermitteln. Egal ob Natur oder Technik.

Sarina Haniffa, Gründerin, Nayhera

Chancen für den Fachhandel

Für den stationären Handel liegt in dieser Entwicklung eine echte Chance. Der Verlobungsring bleibt ein emotionaler Kauf, bei dem Vertrauen und Beratung zählen. Wer beide Steinarten anbietet und kompetent erklärt, kann Glaubwürdigkeit aufbauen und neue Kundengruppen erreichen. Entscheidend ist, dass der Fachhändler die Fragen seiner Kunden vorwegnimmt. Woher stammt der Stein? Wie entsteht er? Gibt es Zertifikate? Und welche Unterschiede bestehen langfristig in Preis und Wertbeständigkeit?

Ein weiterer Erfolgsfaktor liegt in der Präsentation. Labordiamanten sollten nicht versteckt oder als „Alternative“ dargestellt werden, sondern als gleichwertige Option mit eigener Ästhetik. Ein klar gestalteter Beratungsbereich oder eine separate Vitrine mit Informationsmaterial kann helfen, Transparenz zu schaffen und Vorurteile abzubauen.

Wirtschaftliche Perspektive

Ökonomisch betrachtet eröffnet der Labordiamant eine neue Preisschicht im Verlobungsringsegment. Während der klassische Solitär aus Naturdiamant preislich in der oberen Mittelklasse bleibt, ermöglicht der Laborstein eine ähnliche Optik bei geringerem Einstiegspreis. Das erweitert die Zielgruppe. Insbesondere jüngere Käufer, die erstmals in hochwertigen Schmuck investieren, fühlen sich dann angesprochen. Laut einer Analyse von Tenoris Consulting (2024) erzielen Händler, die Labordiamanten aktiv führen, bis zu 15 Prozent mehr Erstkäufer im Alterssegment 25 bis 35 Jahre.

Für den Fachhandel kann der Labordiamant somit nicht nur Umsatzpotenzial, sondern auch Kundenbindung bedeuten. Wer den Erstkontakt beim Verlobungsring gewinnt, begleitet das Paar oft weiter: zu Trauringen, Jubiläen und Geschenkanlässen.

Zwei Welten, ein Ziel

Die Branche steht vor einer Richtungsentscheidung, die keine einfache ist. Naturdiamanten werden immer ihren Platz behalten als Symbol für Seltenheit, Geschichte und Tradition. Labordiamanten dagegen stehen für Innovation, Nachhaltigkeit und den Wunsch nach Individualität. Der Wettbewerb zwischen beiden sollte nicht als Bedrohung verstanden werden, sondern als Erweiterung des Marktes. Sarina Haniffa bringt es in ihrem Appell an die Branche auf den Punkt: „Wir verkaufen Illusionen, Träume und Emotionen. Dabei dürfen wir nicht zulassen, dass uns veraltete Vorurteile und polemische Rhetorik in ihrer Wirkung einschränken.“

Ein moderner Juwelier muss diese Vielfalt kommunizieren, ohne sie zu bewerten. Denn am Ende entscheidet der Kunde. Und der Kunde will wählen dürfen. Der Verlobungsring ist das emotionalste Produkt des Fachhandels. Der Diamant darin – ob aus der Erde oder dem Labor – steht für das Gleiche: ein Versprechen. Für den Juwelier ist es daher nicht entscheidend, auf welcher Seite er steht, sondern wie offen und kompetent er berät. Wer Transparenz mit Emotion verbindet, wird beide Welten vereinen können und bleibt damit glaubwürdig, unabhängig von der Herkunft des Steins.

Sarina Haniffa Nayhera
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