Insolvenzgeld für Galeria bewilligt: Doch was kommt nach Weihnachten?

Galeria betreibt rund 83 Warenhäuser in etwa 70 Städten. © Galeria I BPJ_generiert

Für Galeria gibt es zumindest kurzfristig Entlastung: Die Bundesagentur für Arbeit hat Insolvenzgeld für 9.650 Beschäftigte bewilligt. Damit sind die Löhne und Gehälter für Oktober, November und Dezember gesichert. Das wichtige Weihnachtsgeschäft kann vorerst weiterlaufen. Die entscheidende Frage bleibt jedoch offen: Wie viele der 83 Filialen haben tatsächlich eine Zukunft?



Nach Tagen der Unsicherheit steht fest: Die Beschäftigten von Galeria erhalten Insolvenzgeld. Die Zahlungen sollen über eine Bank vorfinanziert werden, damit das Geld möglichst schnell zur Verfügung steht. Für den Geschäftsbetrieb bedeutet das zunächst Stabilität bis zum Jahresende.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus bezeichnet die Bewilligung als wichtige Voraussetzung, um das operative Geschäft in den kommenden Monaten fortzuführen und parallel die strategischen Optionen für Galeria zu prüfen.

WEIHNACHTSGESCHÄFT VORERST GESICHERT

Für Galeria kommt die Entscheidung zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Die Monate Oktober bis Dezember gehören für den Handel zu den wichtigsten Umsatzphasen des Jahres.

Nach Unternehmensangaben sind die Gehälter für diese drei Monate nun abgesichert. Damit können die 83 Filialen vorerst weiterbetrieben werden. Gerade für die zahlreichen Marken und Lieferanten, die über Galeria verkaufen, ist das zunächst ein wichtiges Signal.

Für Schmuck- und Uhrenanbieter bleibt die Situation dennoch angespannt. Denn die Sicherung der Personalkosten bedeutet noch nicht, dass auch die langfristige Zukunft einzelner Standorte geklärt ist.

WARUM GALERIA TROTZ DER VIERTEN INSOLVENZ ZAHLUNGEN ERHÄLT

Besonders bemerkenswert ist die juristische Konstruktion hinter der Entscheidung.

Für Galeria ist es zwar bereits der vierte Insolvenzantrag seit 2020. Formal handelt es sich jedoch um die erste Insolvenz des heutigen Rechtsträgers, der Galeria S.à r.l. & Co. KG. Der Geschäftsbetrieb war nach dem Verfahren 2024 auf diese neue Gesellschaft übertragen worden. Genau dieser Umstand dürfte für die Bewilligung des Insolvenzgeldes entscheidend gewesen sein.

Die Entscheidung ist nicht unumstritten. Insolvenzexperten hatten zuvor Zweifel geäußert, ob eine erneute Zahlung möglich sei, solange das frühere Verfahren noch unter Planüberwachung steht. Christian Gerloff spricht nun von einem möglichen Präzedenzfall.

25 MILLIONEN EURO GEHALTSKOSTEN PRO MONAT

Die Dimension ist erheblich. Galeria zahlt dem Bericht zufolge monatlich knapp 25 Millionen Euro an Gehältern.

Das Insolvenzgeld soll für 9.650 Beschäftigte gezahlt werden. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen derzeit rund 11.250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für einzelne Bereiche wie Gastronomie und Lebensmittel laufen separate Verfahren.

Die Finanzierung erfolgt über die Insolvenzgeldumlage, in die Arbeitgeber einzahlen. Für 2026 liegt dieser Beitrag bei 0,15 Prozent des rentenversicherungspflichtigen Arbeitsentgelts.

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Damit blieben bei Galeria weitere Arbeitsplätze erhalten. © Shutterstock.com

WAS PASSIERT NACH DEZEMBER?

Die wesentlich schwierigere Frage beginnt nach dem Weihnachtsgeschäft.

Der vorläufige Insolvenzverwalter muss nun prüfen, welche Teile des Unternehmens langfristig fortgeführt werden können und ob sich ein neuer Investor findet. Bereits im Sommer hatte Galeria angekündigt, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen. Branchenkreise halten inzwischen auch deutlich stärkere Einschnitte für möglich.

Nach Informationen der TextilWirtschaft könnten nur etwa 40 Häuser gute Chancen auf einen Weiterbetrieb haben. Weitere Standorte könnten hinzukommen, wenn Vermieter günstigere Konditionen anbieten. Offizielle Entscheidungen über konkrete Schließungen gibt es bislang jedoch nicht.

FÜR JUWELIERE UND MARKEN BLEIBT DIE UNSICHERHEIT

Für die Schmuck- und Uhrenbranche bleibt Galeria relevant. Die Häuser bringen Frequenz in zahlreiche Innenstadtlagen und sind gleichzeitig Vertriebskanal für unterschiedliche Marken und Sortimente.

Die Bewilligung des Insolvenzgeldes verschafft deshalb zunächst Zeit, löst aber die strukturellen Probleme nicht.

Auch Lieferanten bleiben vorsichtig. In einzelnen Bereichen ist Ware derzeit abgesperrt, weil sie weiterhin den Lieferanten gehört und diese verhindern wollen, dass Produkte verkauft werden, ohne dass die Bezahlung gesichert ist. Gutscheine werden aktuell ebenfalls nicht angenommen.

Damit lautet die entscheidende Frage nicht mehr, ob Galeria das Weihnachtsgeschäft erreicht. Entscheidend ist, was danach übrig bleibt.

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