Richemont vor De-Beers-Einstieg: Was würde das für den Diamantmarkt bedeuten?

Vom Rohstein bis Cartier: Richemont könnte näher an De Beers rücken. © KI-generiert

Richemont erwägt laut Reuters den Einstieg in ein von Ex-De-Beers-CEO Gareth Penny geführtes Konsortium, das um De Beers bietet. Ein Abschluss ist bislang nicht bestätigt. Sollte der Konzern hinter Cartier und Van Cleef & Arpels tatsächlich einsteigen, würde Richemont näher an die Rohstoffseite des Naturdiamantgeschäfts rücken – ohne damit automatisch Kontrolle über De Beers oder dessen Lieferkette zu erhalten.



Aus dem bisherigen „Was wäre, wenn?“ könnte damit tatsächlich ein strategischer Schritt werden. Richemont prüft nach Reuters-Angaben den Beitritt zu einem Bieterkonsortium für De Beers. Ebenfalls genannt werden der US-Juwelier Signet sowie der Antwerpener Diamantenhersteller Pluczenik. Das Konsortium wird von Gareth Penny geführt, der De Beers früher selbst als CEO geleitet hat.

Noch ist allerdings nichts beschlossen. Richemont hat einen Einstieg nicht offiziell bestätigt, und auch die endgültige Zusammensetzung des Käuferkreises steht noch nicht fest.

RICHEMONT WÜRDE NÄHER AN EINEN ZENTRALEN ROHSTOFF RÜCKEN

Für Richemont wäre eine Beteiligung strategisch bemerkenswert. Die Jewellery Maisons des Konzerns – Cartier, Van Cleef & Arpels, Buccellati und Vhernier – erzielten im ersten Quartal 2026/27 4,732 Milliarden Euro Umsatz und wuchsen zu konstanten Wechselkursen um 24 Prozent. Schmuck ist damit einer der klaren Wachstumstreiber des Konzerns.

De Beers sitzt dagegen deutlich weiter vorne in der Wertschöpfungskette: Exploration, Förderung, Sortierung und Handel mit Rohdiamanten gehören zum Kerngeschäft. Der Konzern ist damit einer der wichtigsten Akteure im Naturdiamantmarkt.

Ein Richemont-Einstieg würde also nicht bedeuten, dass Cartier plötzlich „eigene Minen“ kontrolliert. Er würde den Konzern aber näher an einen zentralen Rohstoff seines Schmuckgeschäfts bringen.

KEINE AUTOMATISCHE KONTROLLE ÜBER DIE LIEFERKETTE

Genau hier ist eine saubere Einordnung wichtig. Selbst wenn Richemont beteiligt wäre, dürfte der Anteil nach derzeitiger Informationslage eher begrenzt bleiben. Botswana hält heute bereits 15 Prozent an De Beers und verhandelt laut Bloomberg-Bericht über eine Aufstockung auf rund 25 Prozent. Reuters weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass diese Details bislang nicht unabhängig bestätigt wurden.

Anglo American besitzt aktuell die restlichen 85 Prozent und will sich von De Beers trennen.

Für Richemont würde eine Minderheitsbeteiligung deshalb nicht automatisch bedeuten, dass Cartier oder Van Cleef & Arpels bevorzugt mit De-Beers-Steinen versorgt werden. Auch eine direkte Kontrolle über Preise oder Verteilung von Rohdiamanten lässt sich daraus nicht ableiten.

Strategisch interessant wäre die Beteiligung trotzdem.

NATURDIAMANTEN WÜRDEN SICHTBAR AUFGEWERTET

Der Zeitpunkt ist auffällig. Der Naturdiamantmarkt kämpft mit schwächerer Nachfrage, Preisrückgängen und dem Wettbewerb durch Lab-Grown Diamonds. Reuters berichtet, dass De Beers seit 2023 finanziell unter Druck steht und 2025 einen Verlust von 787 Millionen US-Dollar bei knapp 3,5 Milliarden US-Dollar Umsatz verbuchte.

Gleichzeitig bleibt Richemonts Schmuckgeschäft stark. Sollte sich ein Luxuskonzern dieser Größenordnung an De Beers beteiligen, wäre das daher zumindest ein deutliches Signal: Der Naturdiamant bleibt für das obere Schmucksegment strategisch relevant.

Es wäre allerdings zu weitgehend, darin bereits eine offiziell bestätigte Gegenstrategie zu Lab-Grown Diamonds zu sehen. Richemont hat eine solche Motivation bislang nicht öffentlich genannt.

VERSORGUNG, HERKUNFT UND BESONDERE STEINE

Für Richemont könnten theoretisch mehrere Aspekte interessant sein. Eine Beteiligung könnte langfristig mehr Einblick in die Rohstoffseite, stärkere Beziehungen zu Produzenten und zusätzliche Möglichkeiten bei Themen wie Herkunft und Rückverfolgbarkeit bringen. Gerade für Cartier und Van Cleef & Arpels sind außergewöhnliche natürliche Diamanten ein wichtiger Bestandteil von High-Jewellery-Kollektionen.

De Beers wiederum investiert selbst stark in Rückverfolgbarkeit und die Positionierung natürlicher Diamanten. Das Unternehmen verweist etwa auf seine Tracr-Plattform und seine langfristige Strategie rund um verantwortungsvolle Beschaffung.

Ob Richemont aus einer Beteiligung tatsächlich konkrete Beschaffungsvorteile ziehen würde, ist derzeit allerdings reine strategische Möglichkeit und nicht bestätigt.

EIN MÖGLICHER DEAL UM RUND EINE MILLIARDE DOLLAR

Auch beim Kaufpreis ist Vorsicht angebracht. Reuters berichtet, dass De Beers im aktuellen Verkaufsprozess mit rund einer Milliarde US-Dollar bewertet wird. Das ist eine Verhandlungsgröße – kein offiziell festgestellter Unternehmenswert.

Für Richemont wäre ein Minderheitsanteil finanziell grundsätzlich darstellbar. Der Konzern verfügte Ende Juni 2026 über eine Netto-Cash-Position von 9,1 Milliarden Euro.

Die entscheidende Frage wäre daher weniger, ob Richemont investieren kann, sondern ob die strategischen Vorteile die Risiken eines zyklischen Rohstoffgeschäfts rechtfertigen.

Richemont denkt vertikal: De Beers könnte zum Rohstoffhebel werden. © KI-generiert

DE BEERS KÖNNTE VOM LUXUSWISSEN PROFITIEREN

Auch für De Beers könnte Richemont interessant sein. De Beers kennt Förderung, Sortierung und Rohdiamanten. Richemont kennt Luxusmarken, Produktinszenierung und vermögende Endkunden.

Gerade in einem Markt, in dem Naturdiamanten stärker über Herkunft, Seltenheit und emotionale Bedeutung positioniert werden müssen, könnte die Erfahrung eines Luxuskonzerns hilfreich sein.

Das gilt insbesondere dann, wenn De Beers künftig stärker als Marke und weniger nur als Rohstoffproduzent gedacht werden soll.

WAS BEDEUTET DAS FÜR DEN FACHHANDEL?

Für Juweliere wäre ein Einstieg Richemonts nicht nur eine Konzernmeldung. Er könnte die Wahrnehmung des Naturdiamanten im oberen Luxussegment stärken. Gleichzeitig wäre es ein weiteres Beispiel dafür, dass große Luxusgruppen versuchen, mehr Teile der Wertschöpfung und des Kundenzugangs enger an sich zu binden.

Für unabhängige Juweliere macht das die eigene Diamantkompetenz umso wichtiger: Herkunft erklären, Unterschiede zwischen Natur- und Labordiamanten sauber vermitteln und Beratung sichtbar als eigene Leistung positionieren.

Denn selbst wenn Richemont bei De Beers einsteigt, bleibt der Erfolg im Fachhandel davon abhängig, wie überzeugend der Juwelier selbst den Naturdiamanten verkauft.

DER DEAL WÄRE VOR ALLEM EIN STRATEGISCHES SIGNAL

Noch ist nichts unterschrieben. Richemont erwägt den Einstieg – mehr lässt sich derzeit seriös nicht sagen. Sollte die Beteiligung zustande kommen, wäre ihre Bedeutung dennoch größer als der mögliche Anteil vermuten lässt.

Richemont würde damit nicht De Beers kontrollieren, aber näher an die Rohstoffbasis seines Schmuckgeschäfts rücken. Für den Diamantmarkt wäre das ein starkes Signal dafür, dass Naturdiamanten für die großen Schmuckhäuser strategisch relevant bleiben.

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