Kann AP auch Schmuck? Audemars Piguet wagt den Schritt in die Haute Joaillerie

AP verlässt die Komfortzone: Royal Oak wird zur Schmuckkollektion © KI-generiert

Audemars Piguet verlässt mit der Royal Oak Joaillerie erstmals konsequent das klassische Terrain der Uhr und macht aus den Designcodes seiner Ikone eine eigenständige Schmuckkollektion. 19 Colliers, Armbänder und Ohrringe starten bei 48.000 Schweizer Franken und reichen bis in den Millionenbereich. Für AP ist der Schritt strategisch spannend: Die Marke will neue Kaufanlässe schaffen und vor allem mehr weibliche Kundschaft erreichen. Gleichzeitig birgt die Expansion ein Risiko: Kann eine der begehrtesten Uhrenmarken der Welt ihre Strahlkraft erfolgreich auf Schmuck übertragen, ohne ihre Identität zu verwässern?



Audemars Piguet gehört zu jenen Marken, bei denen Begehrlichkeit längst weit über das Produkt hinausgeht. Die Royal Oak ist nicht einfach eine Uhr, sondern ein Statussymbol mit enormer Strahlkraft bei Sammlern.

Nun versucht die Manufaktur, genau diese Kraft auf ein neues Geschäftsfeld zu übertragen. Mit Royal Oak Joaillerie präsentiert AP eine Kollektion aus insgesamt 19 Schmuckstücken. Zum Sortiment gehören Colliers, Choker, Armbänder, Manschetten und Ohrringe. Verarbeitet werden unter anderem Diamanten, Smaragde und rosa Saphire. Die Preise beginnen bei 48.000 Schweizer Franken und reichen bei besonders aufwendigen Kreationen bis in den Millionenbereich.

DIE ROYAL OAK OHNE UHR

Der entscheidende Schritt liegt weniger im Material als in der Gestaltung. Audemars Piguet überträgt die bekannten ästhetischen Codes der Royal Oak auf eigenständigen Schmuck. Geometrische Formen, Oberflächenstrukturen und die Architektur des berühmten integrierten Armbands werden weitergedacht, obwohl die Uhr selbst verschwindet.

Damit beginnt AP nicht bei null. Die Royal Oak liefert bereits eine weltweit erkennbare Designsprache. Auch das Unternehmen selbst verweist darauf, dass Schmuck historisch durchaus Teil der eigenen Geschichte war und das neue Projekt parallel zum uhrmacherischen Kerngeschäft entwickelt werden soll.

AP WILL MEHR FRAUEN ERREICHEN

Hinter dem Launch steht aber auch eine klare wirtschaftliche Überlegung. Rund 70 Prozent der AP-Kundschaft sind Männer. Schmuck eröffnet damit Zugang zu einer Zielgruppe, die im klassischen Uhrengeschäft bislang deutlich schwächer vertreten ist. Die neue Kollektion soll sowohl bestehende Kundenbeziehungen vertiefen als auch Menschen ansprechen, die möglicherweise zunächst über Schmuck und nicht über eine Uhr zu Audemars Piguet finden.

Das ist aus Markensicht attraktiv: Ein bestehender AP-Kunde bekommt zusätzliche Kaufanlässe, während gleichzeitig ein neuer Einstieg in die Marke entsteht.

48.000 Franken Einstieg: Audemars Piguet macht Ernst mit Schmuck. © KI-generiert

PRIVATE EVENTS STATT KLASSISCHE BOUTIQUE

Bemerkenswert ist auch der Vertrieb. Die neue Kollektion soll zunächst nicht breit über das bestehende Netzwerk der AP Houses ausgespielt werden. Stattdessen setzt Audemars Piguet auf private Kundenveranstaltungen und eine globale Verkaufstour. Die Stücke werden in kleinen Mengen produziert.

Das passt zur Positionierung. Bei Preisen ab 48.000 Franken geht es nicht um Frequenz, sondern um Exklusivität, persönliche Beratung und ein kontrolliertes Markenerlebnis.

Für AP ist das zugleich ein Weg, die neue Kategorie vorsichtig aufzubauen, ohne sie sofort neben das bestehende Uhrengeschäft zu stellen.

EINE CHANCE MIT RISIKO

Genau darin liegt aber auch die spannende Frage für die Branche: Kann AP auch Schmuck?

Die Voraussetzungen könnten kaum besser sein. Die Royal Oak besitzt einen der stärksten Designcodes der Luxusuhrenbranche. Audemars Piguet verfügt über eine extrem loyale Kundschaft und eine Positionierung, die hohe Preise problemlos trägt.

Trotzdem ist Haute Joaillerie ein eigenes Geschäft. Kunden vergleichen AP hier nicht nur mit anderen Uhrenmanufakturen, sondern mit etablierten Schmuckhäusern, deren gesamte Markenidentität auf Edelsteinen, Gold und High Jewellery aufgebaut ist.

Der Name allein reicht deshalb nicht. Wenn die Kollektion lediglich als Verlängerung des Uhrenhypes wahrgenommen wird, könnte das den Eindruck erzeugen, AP wolle seine Begehrlichkeit möglichst weit monetarisieren. Gelingt es dagegen, eine eigenständige Schmuckkompetenz glaubwürdig aufzubauen, eröffnet sich ein zusätzliches Geschäft mit erheblichem Potenzial.

SCHMUCK ALS ZWEITES STANDBEIN?

Der Zeitpunkt ist zumindest interessant. Während die Schweizer Uhrenexporte 2025 rückläufig waren, erwartet Bain für den Schmuckmarkt 2026 weiteres Wachstum. AP selbst betont gleichzeitig, dass das eigene Uhrengeschäft weiterhin äußerst stark sei.

Die Royal Oak Joaillerie ist damit weniger eine Flucht aus der Uhr als vielmehr der Versuch, die Marke breiter aufzustellen.

AP setzt dabei bewusst auf seine stärkste Ikone. Das reduziert das Risiko, eine völlig neue Designsprache etablieren zu müssen. Die Royal Oak bleibt der gemeinsame Nenner zwischen Uhrmacherei und Schmuck.

Die eigentliche Wette lautet deshalb nicht, ob Audemars Piguet teuren Schmuck verkaufen kann. Sondern ob aus der Royal Oak tatsächlich eine Luxuswelt werden kann, die auch ohne Uhr begehrlich genug bleibt.

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