BVSU Wirtschaftsbericht 2025: Starke Zahlen, wachsender Anpassungsdruck

BVSU Wirtschaftsbericht 2025

Der Wirtschaftsbericht 2025 zeigt eine Branche mit starken Außenhandelswerten, die gleichzeitig vor strukturellen Herausforderungen durch Rohstoffpreise, Konsumzurückhaltung und steigende Anforderungen steht. © Freepik

Die deutsche Schmuck und Uhrenindustrie verzeichnet 2025 solide Außenhandelszahlen. Gleichzeitig steigen der strukturelle Druck, die Rohstoffkosten und die Anforderungen an Transparenz deutlich. Daraus ergibt sich ein klarer Handlungsbedarf.



Glänzende Statistik trifft auf komplexe Realität

Der aktuelle Wirtschaftsbericht des Bundesverbands Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien zeigt ein widersprüchliches Bild für das Jahr 2025. Während die Exportwerte in vielen Segmenten deutlich gestiegen sind, berichten zahlreiche Unternehmen von anhaltendem Anpassungsdruck.

Mehrere Faktoren wirkten gleichzeitig auf die Branche ein. Dazu zählen ein fragiles geopolitisches Umfeld, Unsicherheiten im Welthandel, ein anspruchsvolles Zinsumfeld sowie strukturelle Veränderungen im Konsumverhalten. Hinzu kommen branchenspezifische Herausforderungen wie volatile Rohstoffpreise, steigende regulatorische Anforderungen und Verschiebungen in Technologie und Vertrieb. Viele dieser Einflüsse gelten inzwischen als strukturell und nicht mehr nur als temporäre Marktphase.

Außenhandel 2025: Wachstum mit Einschränkungen

Auf den ersten Blick zeigen die Zahlen ein positives Bild. Die deutschen Uhrenexporte stiegen laut Hochrechnung um 5,9 Prozent auf rund 1,995 Milliarden Euro. Die Importe legten moderat um 0,8 Prozent auf 2,561 Milliarden Euro zu. Noch deutlicher fiel der Anstieg im Schmucksegment aus. Die Exporte von Schmuck sowie Gold und Silberschmiedewaren erhöhten sich um 21,1 Prozent auf 6,913 Milliarden Euro. Gleichzeitig stiegen die Importe um 29,4 Prozent auf 6,659 Milliarden Euro.

Bei fertigen Schmuckwaren zeigt sich ein differenzierteres Bild. Hier wuchsen die Exporte um 13,3 Prozent auf 3,128 Milliarden Euro, die Importe um 10,9 Prozent auf 2,646 Milliarden Euro. Der Verband weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die hohen Edelmetallpreise einen erheblichen Teil dieses Wachstums erklären.

BVSU Exporte Schmuck 2025
Exporte Schmuck nach Quartal, Jahre 2016 bis 2025 © Quelle: Statistisches Bundesamt/ BVSU

Rohstoffpreise verändern die Spielregeln

Gold ist seit Beginn der Covid Krise um nahezu 80 Prozent gestiegen, Silber um mehr als 40 Prozent. Diese Entwicklung beeinflusst Kalkulation, Lagerhaltung, Finanzierungskosten und Preisstrategie nachhaltig. Für viele Unternehmen hat sich 2025 bestätigt, dass Metallvolatilität nicht mehr als kurzfristige Störung betrachtet werden kann. Vielmehr wird sie zur dauerhaften Managementaufgabe. Für den Fachhandel bedeutet das steigende Lagerwerte, höhere Versicherungsprämien und wachsenden Druck auf die Preiskommunikation gegenüber Endkunden.

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Konsum bleibt selektiv und emotional geprägt

Auf Verbraucherseite zeigt sich ein differenziertes Bild. Konsum findet weiterhin statt, wird jedoch bewusster und selektiver. Käufer unterscheiden stärker zwischen notwendigen und bedeutsamen Ausgaben. Schmuck und Uhren profitieren weiterhin von ihrer emotionalen Funktion als Ausdruck von Beziehung, Erinnerung oder Selbstbelohnung. Gleichzeitig reagieren Kunden sensibler auf Preis, Herkunft und Vertrauen, besonders im höherpreisigen Segment. Soziale Medien beschleunigen zudem Geschmack und Markenbildung. Kulturelle Relevanz entsteht zunehmend in digitalen und visuellen Räumen.

BVSU Exporte Uhren 2025
Exporte Uhren nach Quartal, Jahre 2016 bis 2025 @ Quelle: Statistisches Bundesamt/ BVSU

Labordiamanten gewinnen an Bedeutung

Der Edelsteinmarkt hat sich 2025 weiter ausdifferenziert. Labordiamanten gewinnen vor allem im Einstiegs und Mittelpreissegment an Volumen. Sie werden zunehmend als betriebswirtschaftliches Instrument eingesetzt, um attraktive Preisniveaus zu ermöglichen. Parallel dazu behalten natürliche Diamanten ihre starke Position im hochwertigen Schmucksegment. Sie werden weiterhin als seltene und wertstabile Güter wahrgenommen.

Der Verband sieht eine funktionale Arbeitsteilung: natürliche Steine im emotional aufgeladenen Premiumbereich, Labordiamanten im volumengetriebenen Segment. Entscheidend bleibt eine klare und transparente Kommunikation gegenüber dem Kunden.

Transparenz wird zum Marktzugangsfaktor

Regulatorische Anforderungen und Erwartungen an Nachhaltigkeit und Herkunft steigen weiter. Themen wie Full Disclosure und Sorgfaltspflichten entwickeln sich vom Marketingargument zur Voraussetzung für Marktzugang und Risikomanagement. Transparenz ist laut Verband selten der unmittelbare Kaufimpuls, wirkt jedoch als zentraler Vertrauensfaktor und Reputationsschutz.

BVSU Präsident Uwe Staib
Uwe Staib, Präsident des Bundesverbands Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien e.V., ordnet die aktuellen Branchenzahlen im Spannungsfeld zwischen Statistik und Marktrealität ein. © BVSU

Nüchternheit statt Entwarnung

Der BVSU bewertet das Jahr 2025 als Realitätscheck für die Branche. Trotz wertseitig starker Außenhandelszahlen bleibt die operative Lage vieler Unternehmen angespannt. Hauptgeschäftsführer Guido Grohmann betont, dass die Branche dauerhaft mit Volatilität, Preisdruck und steigenden Anforderungen umgehen müsse. Präsident Uwe Staib weist darauf hin, dass die hohen Exportwerte vor allem das gestiegene Edelmetallpreisniveau widerspiegeln und nicht automatisch eine entsprechend starke Nachfrage.

Für Juweliere und Fachhändler ergibt sich daraus eine klare Aufgabe. Wer künftig erfolgreich sein will, braucht belastbare Preis und Bestandsstrategien, eine klare Positionierung sowie überzeugende Argumente jenseits des reinen Materialwerts.

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