Corona-Krise: Christoph Paukner appelliert an die Branche

Christoph Paukner will der Branche mit seinem Appell Mut machen.

Christoph Paukner will der Branche mit seinem Appell Mut machen.

Schmucklieferant Christoph Paukner (Palido, elements) appelliert in einem 6-seitigen Brief an den Zusammenhalt der Branche. “Blickpunkt Juwelier” veröffentlicht das Schreiben in Auszügen.


“Sehr geehrte Damen und Herren,

Von heute auf morgen befinden wir uns in einer Situation, die wahrscheinlich niemand von uns in diesem Ausmaß erahnt hat. Die Umstände in China haben wir wohl betrachtet, in weiter Ferne

gewähnt und uns im besten Fall Sorge um unsere „Supply Chain“ gemacht. Letztlich müssen wir in Zeiten regen internationalen Handels und Reiseverkehrs unsere eigene Naivität eingestehen, hier

nicht frühzeitig Schritte gesetzt zu haben. Die Umstände sind so, wie sie sind und es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns dieser Situation zu stellen.

Es geht mir um einen Appell zum Zusammenhalt in dieser problematischen Zeit und darum, das Überleben unserer Branche vollumfänglich zu sichern. Dabei geht es weder um Panik noch Angstmache; entscheidend ist, der Situation mit ruhigem aber klarem Blick zu begegnen und intensive Schritte zu setzen, um das Beste daraus zu machen.

Gestatten Sie mir daher, einige Dinge aufzuzeigen, die Ihnen entweder ohnedies bekannt sind, oder die vielleicht in dieser Form eintreten könnten aber nicht müssten. Überdies verbinde ich

damit Ideen zur Hilfestellung, die nicht für jeden richtig sind, nicht vollständig sein müssen oder gar fehlerhaft sein könnten. Dennoch hoffe ich, dass diese manche Blickwinkel erweitern oder

unterstützen können.

Als Resultat dieser Situation werden wir uns alle – sofern wir nicht als Ein‐Personen‐Unternehmen im eigenen Betriebsobjekt arbeiten können – den Fragen „Fixkosten“ und „Liquidität“ stellen

müssen – möglichst noch in dieser Woche.

Miete: Sofern nicht ohnedies auf Grund der behördlich angeordneten Schließung der Geschäftslokale eine Reduktion oder ein Aussetzen der Mietzahlungen möglich ist, empfehlen wir den direkten Kontakt mit dem Vermieter. Auch dieser könnte sich in einer prekären Liquiditätssituation befinden. Dennoch empfehlen wir das Verhandeln einer Mietreduktion für die nächsten 3 Monate (April – Juni). Als Verhandlungsziel sehe ich eine Reduktion von 50 – 75 % + Betriebskosten zur Gänze. Auch die Vermieter wollen grundsätzlich gute Mieter behalten.

Personal: Für die Personalsituation gilt es mehrere Punkte zu betrachten. Der eine Punkt ist klarerweise unsere betriebswirtschaftliche Sicht der Dinge und die bedeutet Kostenreduktion. Der andere Punkt jedoch, den ich für mindestens genauso wichtig sehe, ist soziale Verantwortung und der Umstand, dass wir alle nach dieser schwierigen Situation händeringend qualifiziertes Personal benötigen werden.

Liquidität: Wir alle stecken in der Situation, dass regelmäßige Rückflüsse durch Verkäufe und Zahlungen ins Stocken bzw. praktisch zum Erliegen gekommen sind. Genau hier bedarf es eines partnerschaftlichen Schulterschlusses unserer Branche. Die erste Möglichkeit ist, Rechnungen nicht oder später zu zahlen. Ergebnis wird aber sein, dass je nach Unternehmen, diese Firmen wirtschaftlich noch mehr unter Druck kommen, als sie ohnedies wie wahrscheinlich auch Ihr Unternehmen schon stehen. Beläuft sich dieser Zeitraum auf max. 1 Monat, dann werden wir das wechselseitig schon bewältigen können. Erstreckt sich die Frist länger, dann kann es sein, dass Lieferanten ins Wanken geraten und sich die Branchenlandschaft auch für den Fachhandel negativ  entwickelt. Gerade in der heutigen Zeit, in unserer kleinen Branche mit mehr und mehr schwindenden leistungsfähigen, freundlichen und serviceorientierten Partnern, halte ich es für strategisch ungünstig wenn nicht sogar gefährlich, Probleme dieser Art ausschließlich auf Lieferpartner über zu wälzen. Das gefährdet Ihre Lieferkette.

Weitere Überlegungen: …für die Zeit nach der Krise wird ein sehr starker Nachfrageüberhang erwartet, der auch in unserer Branche seine positiven Spuren hinterlassen wird. Ebenso besteht eine nicht ganz unrealistische Hoffnung, dass es in den nächsten 3‐4 Monaten entsprechende Behandlungsmöglichkeiten gibt, die alleine schon auf Grund der Tatsache ihrer Existenz zu einem wesentlichen, positiven Stimmungsumschwung führen werden. Aus diesem Grund möchte ich anregen, nicht den Kopf der Verzweiflung in den Sand zu stecken, sondern trotz aller Schwierigkeiten die Potenziale zu erkennen und zu nutzen.

Beispiele: 

• Überprüfung der eigenen Online‐Aktivitäten.

• Aufbau oder Weiterentwicklung der Social Media-Aktivitäten.

• Bieten Sie Hauszustellung/Postversand Ihrer Schmuckstücke an (Kommunikation via E‐Mail, Social Media, eventuell soar Postwurf bzw. Inserat).

• Überlegen Sie einen „Corona“‐Abverkauf im Online‐Handel (dieser ist derzeit nicht limitiert) auf abverkaufswürdige Produkte.

• Aktivierung und Pflege persönlicher Kontakte durch kommunikativen Austausch welcher Art auch immer.

• Online-Bewerbung von Schmuckstücken, die Symbole der Zusammengehörigkeit sind (Verlobungsringe, Symbole der Dankbarkeit, etc.)

• Bewerbung Ihres Online‐Sortiments bzw. Ihrer Versandmöglichkeiten via WhatsApp.

• Gold ist wertbeständig – es hat alle Krisen überwunden.

Schlussbemerkung: 

Entscheidend ist der partnerschaftliche Schulterschluss in unserer Branche. Dieser gilt vom Lieferanten zum Kunden und vom Kunden zu Lieferanten. Selbstverständlich werden wir alles  Erdenkliche und Machbare unternehmen, um diese Zeit gemeinsam zu meistern. Eines sollten wir aber nicht vergessen: auch wenn die Bedeutung des Weihnachtsgeschäftes nicht mehr die ist, wie sie noch vor 30 Jahren war, so werden immer noch rund 40-45 % des Umsatzes in der Zeit von November bis Anfang Jänner erzielt. Das Jahr wird kein hervorragendes, aber es kann noch ein relativ gutes werden, wenn wir uns für die zu erwartende Nachfrage nach der Sperre mit positiver Einstellung rüsten.”

 

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