Juweliere, die ihre Kundendaten strukturiert nutzen und digitale Tools mit dem stationären Verkauf verbinden, können ihre Marketingmaßnahmen gezielter steuern und neue Umsatzpotenziale erschließen. © Freepik/ KI
Auf der Retailmesse EuroShop 2026 wurde deutlich: Der stationäre Handel steht vor einer neuen Phase datengetriebener Kundenkommunikation. Retail Media und First-Party-Daten entwickeln sich zu zentralen Instrumenten, um Kundinnen und Kunden gezielt anzusprechen und Marketingbudgets effizient einzusetzen.
Retail Media wird zum smarten Instrument im Handel
Der stationäre Handel steht unter wachsendem Druck. Während der Onlinehandel weiterhin wächst, müssen klassische Händler neue Wege finden, um Kundinnen und Kunden langfristig an sich zu binden. Ein zentrales Thema auf der internationalen Handelsmesse EuroShop 2026 war deshalb die zunehmende Bedeutung von Retail Media. Gemeint ist damit die gezielte Nutzung von Kundendaten aus dem eigenen Geschäftsumfeld, um Werbung und Angebote präziser auszuspielen. Für Händler entsteht daraus ein zusätzlicher Werbekanal, der direkt am Point of Sale ansetzt und sich mit digitalen Touchpoints verbinden lässt.
Gerade im stationären Handel gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung, weil klassische Trackingmethoden im Internet an Wirksamkeit verlieren. Der Rückgang von Drittanbieter-Cookies und strengere Datenschutzregeln verschieben den Fokus zunehmend auf First-Party-Daten, also Daten, die Händler selbst im direkten Kontakt mit ihren Kundinnen und Kunden erheben.
First-Party-Daten als Grundlage für Personalisierung
First-Party-Daten gelten inzwischen als Schlüssel für personalisierte Marketingstrategien im Handel. Sie entstehen etwa durch Kundenkarten, Apps oder digitale Belege und ermöglichen es Unternehmen, das Verhalten ihrer Kundschaft besser zu verstehen. „Damit Händler das Potenzial von Retail Media auch nutzen können, sind First-Party-Daten essenziell“, erklärt Lea Frank, Co-Gründerin und CEO des Technologieanbieters anybill. „Dadurch können sie ihre Marketingkampagnen noch zielgerichteter ausspielen und sofort auswerten. Der digitale Beleg schafft hier die perfekte Brücke zwischen Einkauf und gezielter Kundenansprache.“
Gerade für stationäre Händler entsteht dadurch eine neue Möglichkeit, offline generierte Kundendaten direkt in digitale Marketingmaßnahmen zu überführen.

Digitale Kassenbons verbinden Einkauf und Marketing
Ein besonders wichtiges Werkzeug in diesem Zusammenhang sind digitale Kassenbons. Sie ersetzen nicht nur den klassischen Papierbeleg, sondern schaffen auch eine Verbindung zwischen dem stationären Einkauf und digitalen Kanälen wie Apps, Newsletter oder personalisierten Angeboten.
Ein Beispiel aus der Praxis sind die Globus Markthallen. Nach der Integration digitaler Kassenbons in die eigene App stiegen die App-Downloads um rund 20 Prozent, während die täglich aktiven Nutzer um 60 Prozent zunahmen. Das zeigt, dass Kundinnen und Kunden digitale Services aktiv nutzen, wenn sie einen konkreten Mehrwert bieten.
Retail Media verknüpft Online-Information und stationären Kauf
Retail Media beschränkt sich dabei nicht mehr auf den Onlinehandel. Auch im stationären Umfeld lassen sich Werbeflächen und Daten gezielt einsetzen, etwa über Apps, Displays oder personalisierte Angebote nach dem Einkauf.
Studien zeigen zudem, wie stark Online und Offline bereits miteinander verbunden sind. Rund 47 Prozent der Internetnutzer informieren sich online über Produkte, bevor sie ein Geschäft aufsuchen. Für Händler entsteht daraus die Möglichkeit, digitale Information und stationären Verkauf stärker miteinander zu verzahnen.

Relevanz für Juweliere
Digitale Belege, Kundenapps oder personalisierte Angebote können daher helfen, den Kontakt zum Kunden auch nach dem Geschäftstermin aufrechtzuerhalten. Gerade bei beratungsintensiven Produkten wie Schmuck oder Uhren entsteht so eine langfristige Kundenbeziehung, die über den einmaligen Kauf hinausgeht. Retail Media und First-Party-Daten entwickeln sich damit zu einem Instrument, mit dem auch stationäre Fachhändler ihre Marketingmaßnahmen präziser steuern können.














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