Grossmann: Corona hat uns gezeigt, wer die wahren Freunde unter den Lieferanten sind”

Eva Grossmann - Premium Juwelier

Als einer der führenden Schmuck-Galerien Deutschlands gelingt der Galerie Voigt in Nürnberg seit Jahren der Spagat zwischen Design-Anspruch und kommerziellem Erfolg.
Wie hat sich Corona hier ausgewirkt? Wir sprachen mit Inhaberin Eva Grossmann.

BLICKPUNKT JUWELIER: Verkaufen Sie hochwertiger seit Corona?


EVA GROSSMANN: Ja, diese Entwicklung merkt man deutlich.

BJ: Eher Designer oder eher kommerziellere Marken?


GROSSMANN: Der Trend nach Höherwerti- gem ist generell vorhanden, sowohl was das höherwertige Material als auch das höher- wertigere Design angeht. Wenn dem Kunden etwas gefällt, dann kauft er es sich. Nach dem Lockdown haben wir einen gewissen Nach- holbedarf festgestellt und waren überrascht, wie schnell die Erholung eingesetzt hatte. Stark waren Anlässe wie Hochzeiten und run- de Geburtstage.

BJ: Gibt es Budget-Verschiebungen?

Die Konsumlust scheint vorhanden und Mitbewerberbranchen können teilweise nicht aktiv sein. GROSSMANN: Das wäre auch unsere Vermutung. Urlaub oder große Feste mussten aus- fallen. Da bleibt für einen tollen Schmuck- kauf mehr übrig. Sicherlich spielt auch die Angst vor Geldentwertung eine Rolle, so dass viele Konsumenten von ihrem Ersparten gern noch etwas Schönes gönnen wollen.

BJ: Schmuck als Wertanlage?


GROSSMANN: Schmuck wird bei mir sicherlich nicht gekauft, um ihn dann in den Tresor zu legen. Aber die Kunden wollen sich jetzt was gönnen. Geld ist gerade vorhanden und es könnte ja mal weniger wert sein.

BJ: Wie haben sich die Online-Verkäufe entwickelt?


GROSSMANN: Während des ersten Lockdown haben wir unseren Webshop ausgebaut. Wir zeigen im Shop ausschließlich Produkte, die wir tatsächlich im Geschäft auf Lager haben. Deswegen habe ich Lieferanten kontaktiert und gefragt, ob wir einige ihrer Stücke in den Webshop stellen sollen. Dieses Angebot haben einige angenommen und uns die Produkte geschickt.

BJ: Wie wurde im Lockdown online ge- shoppt?

GROSSMANN: Wir haben in dieser Phase on- line deutlich mehr verkauft. Die Preisstruk- tur hat sich allerdings nicht geändert.

BJ: Hat Corona gezeigt, was gute Partner- schaft ausmacht?


GROSSMANN: Ja. Es gab zwar keine Enttäuschung unter den Lieferanten. Unterm Strich haben wir mit allen Herstellern unsere gute Beziehung behalten. Aber Corona hat uns gezeigt, wer die wahren Freunde unter den Lieferanten sind.

BJ: Werden Sie sich aufgrund der Corona- Erfahrungen stärker auf Ihre Freunde fokussieren?

GROSSMANN: Unser Geschäftskonzept wird sich nicht ändern. Aber wir merken natürlich, dass wir dort lieber einkaufen, wo es eben toll funktioniert und auch in den schwierigen Ta- gen gut funktioniert hat. Wir sind eher bereit dort zu ordern, wo wir gemerkt haben, dass es ein Geben und ein Nehmen gibt.

BJ: Gibt es Kriterien oder Minimalanforderungen, die Sie an Ihre Lieferanten stellen?

GROSSMANN: Was uns wichtig ist: Chemie und Produkt müssen stimmen! Sonst wird es nichts mit einer guten Zusammenarbeit. Wir achten besonders darauf, dass wir unver- wechselbare Stücke haben. Wir wollen keine Kopie der Kopie haben.

BJ: Wie fällt Ihr B2B-Fazit der bisherigen Corona-Zeit aus?


GROSSMANN: Das Fazit fällt positiv aus. Man hat wieder mehr miteinander gesprochen. Man hatte Zeit, seine Hausaufgaben zu erledi- gen. Ich hoffe auf einen kleinen Kreativschub. Auch wir haben den Lockdown genutzt für einen Umbau. Ende Januar hatten wir begon- nen und sind Anfang Mai fertig geworden, was trotz Handwerkermangel vollkommen in Ord- nung war. Nun haben wir ein neues Konzept umgesetzt und uns neu erfunden. Corona hat uns in diesem Punkt etwas Luft verschafft.

Eva Grossmann - Premium Juwelier
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