Interview mit Chagai Goldstoff: Der Fachhandel ist das Fundament von Blush

Chagai GOLDSTOFF. Der CEO und Gründer von Blush spricht zum 20-Jahr-Jubiläum über 585er-Gold, Fachhandel, Labordiamanten und die nächsten Schritte in Deutschland. © Blush

Was bleibt nach zwei Jahrzehnten Blush? Für Chagai Goldstoff vor allem eine klare Erkenntnis: Eine Marke muss nicht nur gefallen, sondern beim Juwelier funktionieren. Im Gespräch mit Blickpunkt·Juwelier erklärt der CEO und Gründer, warum aus dem ersten Ansatz eine tragfähige Erfolgsformel wurde, welche Rolle 585er-Gold und Labordiamanten spielen und warum der Fachhandel für Blush die wichtigste Basis bleibt.



Blickpunkt•Juwelier: Herr Goldstoff, Blush feiert 20-Jahr-Jubiläum. Was ist rückblickend die wichtigste Erkenntnis aus dieser Entwicklung?

Chagai Goldstoff: Eine Kollektion ist erst dann erfolgreich, wenn sie nicht nur eingekauft, sondern auch verkauft wird. Genau das mussten wir am Anfang lernen. Blush war damals groß, farbig und modisch gedacht. Der Einstieg bei den Juwelieren funktionierte, aber der Durchverkauf blieb aus. Erst als wir zu einfacheren, klassischeren und tragbareren Designs zurückkehrten, entstand die Formel, die Blush heute trägt. Für uns war das ein sehr wichtiger Moment, weil wir verstanden haben: Eine Marke muss im Alltag der Verbraucherinnen funktionieren und gleichzeitig für den Händler kalkulierbar bleiben.

BPJ: Also war der erste Fehlversuch am Ende notwendig?

CG: Im Rückblick ja. Ohne diese Erfahrung hätten wir die Marke wahrscheinlich nicht so klar entwickeln können. Wir mussten verstehen, was Verbraucherinnen wirklich tragen wollen. Blush ist heute keine laute Fashionmarke, sondern eine Goldschmuckmarke für echte Momente. Schmuck wird nicht grundlos gekauft. Er steht für Erinnerungen, Beziehungen, kleine Belohnungen und große Lebensereignisse. Genau deshalb muss er nicht nur schön aussehen, sondern auch emotional verständlich sein.

BPJ: Welche Rolle spielt dabei der deutsche Fachhandel?

CG: Deutschland ist ein großer, professioneller und anspruchsvoller Markt. Der Vorteil ist, dass 585er-Gold hier verstanden wird. Der Nachteil ist, dass man sich Vertrauen erarbeiten muss. Deutschland kann man nicht nebenbei machen. Man braucht gute Partner, lokales Marketing, PR und Menschen, die den Markt verstehen. Für uns ist der Fachhandel dabei das Fundament. Wir wollen nicht nur Türen öffnen, sondern langfristig mit den richtigen Juwelieren wachsen. Das braucht Geduld, Verlässlichkeit und den Willen, den Markt wirklich ernst zu nehmen.

BPJ: Was macht Blush für Juweliere wirtschaftlich interessant?

CG: Am Ende zählt nicht nur die erste Marge auf dem Papier. Entscheidend ist, was nach einer Saison tatsächlich übrig bleibt. Wenn Ware liegen bleibt, Kapital bindet oder später stark reduziert werden muss, hilft eine hohe Anfangsmarge wenig. Wir wollen unseren Partnern helfen, mit einem Sortiment zu arbeiten, das sich dreht. Dazu gehören Bestandsmanagement, Austauschmöglichkeiten, klare Präsentation, Verpackung, Marketing und ein gutes B2B Portal. Der Händler soll mit Blush nicht allein gelassen werden.

BPJ: Der Goldpreis setzt viele Sortimente unter Druck. Wie reagiert Blush darauf?

CG: Mehr Disziplin. Wir haben uns bewusst dazu entschieden: Blush bleibt 585er-Gold. Gleichzeitig wurden die Kollektionen schmaler und die unteren Preispunkte weniger. Mit Blush Lab Diamonds können wir zusätzlich Schmuck anbieten, der optisch stärker wirkt und in einer erreichbaren Preislage bleibt.

BPJ: Wie sollen Händler Labordiamanten im Geschäft einordnen?

CG: Wichtig ist, dass es nicht um ein Entweder oder geht. Bei Blush kann der Verbraucher zwischen Zirkonia, Labordiamant und Naturdiamant wählen. Für uns sind Labordiamanten keine Abwertung des Naturdiamanten, sondern eine Aufwertung aus dem Zirkonia Bereich.

BPJ: Was braucht ein Juwelier heute von einer Marke?

CG: Nicht nur Ware. Eine Marke muss dem Händler helfen, erfolgreich zu verkaufen. Es geht um Bestandsmanagement, Austauschmöglichkeiten, Marketing, Verpackung, ein gutes B2B Portal und eine verlässliche Betreuung. Entscheidend ist nicht nur die Anfangsmarge, sondern was am Ende einer Saison tatsächlich übrig bleibt.

BPJ: In Amsterdam testet Blush aktuell einen Pop-up-Store. Müssen Juweliere Sorge vor einem Blush Monostore haben?

CG: Nein. Der Pop-up-Store ist für uns vor allem ein Lernort. Wir wollen besser verstehen, wie Verbraucherinnen Schmuck sehen, kombinieren und kaufen. Es geht um Styling, Community und darum, neue Ideen zu testen. Aber unsere wichtigste Basis bleibt der Juwelier.

Markenprofil

Blush

Blush

BLUSH Blush ist eine 14Kt Goldschmuckmarke, die für ihre eleganten Klassiker bekannt ist; einfache, schöne Stücke, die wertschätzen. Für uns ist die Verbindung alles. Sie ist es, die unserem Leben...

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