Leo Wittwer: 100 Prozent für den Juwelier

Warum Leo Wittwer zu 100 % auf den Juwelier setzt: „Dort, wo die Chemie stimmt, da stimmen auch die Umsätze.“

Warum Leo Wittwer zu 100 % auf den Juwelier setzt: „Dort, wo die Chemie stimmt, da stimmen auch die Umsätze.“

Sie sind beide kompromisslos. Der eine, Juwelier Kerner, verkauft kein Silber mehr. Der andere, Leo Wittwer, stellt zu 100 % in Birkenfeld bei Pforzheim her und fokussiert sich voll auf den Juweliereinzelhandel. Das passt – seit nunmehr sieben Jahren arbeiten beide zusammen. Auf dieser Seite stellt sich Frank Maier, Inhaber von Leo Wittwer, den Fragen von „Blickpunkt Juwelier“.



Blickpunkt Juwelier: Können Sie dem Corona-Jahr 2020 etwas Positives abgewinnen?

Frank Maier: Das vergangene Jahr hat viele Herausforderungen mit sich gebracht, aber auch viele Chancen aufgezeigt. Die Ausgangsperspektiven waren für alle gleich. Egal, welches Land und welche Branche, für alle gelten die neuen Voraussetzungen, und jeder muss sich überlegen, was für ihn wichtig ist.

BJ: Sind Schmuck und Uhren mit dieser Krise unwichtiger geworden?

Maier: Absolut nicht. Im Gegenteil. Die Kunden haben mehr Zeit, sich auf die wesentlichen, die wichtigen Dinge zu konzentrieren. Der Boost, die Alltags-Hetzte ist etwas herausgenommen. Corona hat die Fokussierung auf Werte vorangetrieben. Gut für uns.

BJ: Was sind für den Juwelier die richtigen Instrumente in dieser außergewöhnlichen Zeit?

Maier: Am Beispiel von Juwelier Kerner aus Ulm (Anmerkung Redaktion: siehe Interview nächste Doppelseite) lässt sich dies gut zeigen. Wir arbeiten seit sieben Jahren miteinander, die Kooperation ist beständig gewachsen und hat sich intensiviert. Für Juwelier Kerner stehen zwei Punkte im Zentrum: Zuverlässigkeit und hohe Qualität, die er benötigt, um den hohen Ansprüchen seiner Kunden gerecht zu werden.

Ich glaube, Corona hat den Fokus nochmals deutlicher auf den Konsumenten gelegt. Der Juwelier, der einen engen Kontakt zu seinen Kunden hat und diesen pflegt, der fährt auch in der derzeitigen Situation gut. Rainer Merath von Juwelier Kerner hat dies verstanden. Er steht für seine Kunden bereit, zeigt, erklärt, und erhält Wertschätzung und letztlich Aufträge.

BJ: Sehen Sie sich als Dienstleister für den Juwelier?

Maier: Auch. Wir stellen uns auf zwei Säulen auf. Auf der einen Seite sind wir die internationale Marke Leo Wittwer, auf der anderen Seite liefern wir dem Facheinzelhandel mit der White Label-Kollektion Ware und Konzepte einschließlich Marketing für individuelle Eigenmarken.

Frank Maier: „Wir stehen für Loyalität. Deswegen unterstützen wir den Fachhandel auch in schwierigen Zeiten, und zwar zu 100 Prozent.“
Frank Maier: „Wir stehen für Loyalität. Deswegen unterstützen wir den Fachhandel auch in schwierigen Zeiten, und zwar zu 100 Prozent.“

BJ: Andere Marken verabschieden sich vom Einzelhandel. Warum intensivieren Sie Ihr Engagement in dieser Richtung?

Maier: Wir stehen für Loyalität. Für uns hat Loyalität die höchste Priorität. Dies bedeutet, dass wir den Fachhandel auch in diesen schwierigen Zeiten unterstützen – und zwar zu 100 Prozent. Wir machen nicht links oder rechts irgendwelche anderen Dinge.

BJ: Zum Beispiel den Direktvertrieb.

Maier: Richtig. Bei uns gibt es keinen eigenen Onlineshop, selbst unsere Events, beispielsweise mit dem „Feinschmecker“, werden immer gemeinsam mit unseren Juwelieren veranstaltet, die wiederum ihre besten Kunden mitbringen.

BJ: Nach welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Fachhandelspartner aus?

Maier: Wir distribuieren nicht mit der Gießkanne, eben weil wir Loyalität suchen. Eigentlich ist es ganz einfach: Dort, wo die Chemie zu 100 Prozent stimmt, da stimmen auch die Umsätze. Dort wo Offenheit, Augenhöhe, Transparenz gelebt werden, dort passt es.

BJ: Welche Art von Juwelier passt zu Ihnen?

Maier: Früher hätte man vielleicht mit dem Markenumfeld argumentiert. Heute brauchen wir Händler, die in erster Linie Offenheit mitbringen. Es spielt keine Rolle, ob sie wie bei Juwelier Kerner hochwertige Uhrenmanufakturen führen. Wir haben Kunden, die keine einzige gute Uhrenmarke führen und trotzdem fantastische Kunden haben und grandiose Umsätze mit uns tätigen.

BJ: Dann ist heute nicht mehr entscheidend, welche Marken der Juwelier führt, sondern welche Kunden er hat?

Maier: Ja. Dies ist ganz wichtig. Was will der Konsument? Wer diese Frage beantworten kann, wer seine Kunden kennt, wer vernetzt ist, der hat die besten Voraussetzungen. Und wenn er dann noch Lieferanten hat, die ihm das Leben leichter machen, dann stellt sich Erfolg auch in herausfordernden Zeiten ein.

BJ: Würde Leo Wittwer auch zum klassischen Goldschmied passen?

Maier: Es kann funktionieren, muss aber nicht. Entscheidend ist, wo die Stärken des Geschäftes liegen. Wenn der Goldschmied unsere Ware sinnvoll einsetzen kann, dann kann es Erfolg geben. Wichtig ist mir, dass es nach oben geht. Schmuck und Uhren müssen wertig sein. Gold muss 18 Karat sein. Platin ist wichtig. Diamanten sind wichtig. Die Mitarbeiter müssen hervorragend geschult sein, damit die Beratung top gelingen kann. Ob diese Leistungen von einem Juwelier oder von einem Goldschmied kommen, ist vollkommen nebensächlich. Wir haben in kleinen Ortschaften Kunden, die unfassbar hohe Durchschnittspreise realisieren. Warum? Weil es vor Ort stimmt und die Zusammenarbeit mit passenden Lieferanten intensiv ist.

BJ: Haben die „Leo-Wittwer-Versteher“ ein besseres Jahr 2020 gehabt, als diejenigen, die die Marke nebenher haben laufen lassen?

Maier: Aber sicher. Wer unsere Arbeit wertschätzt, ist erfolgreicher. Aber auch wir haben das Jahr 2020, in dem wir 100 Jahre alt geworden sind, intensiv genutzt. Das Jahr hat uns kreativ beflügelt, weswegen wir mit einer State-of-the-Art-Website und frischer Gesamtästhetik einen ganz neuen Markenauftritt für unsere Marke entwickelt haben.

BJ: Kennen Sie Juweliere, die sich auf Schmuck spezialisieren, die ein Upgrade realisieren und trotzdem nicht erfolgreich sind?

Maier: Nein. Da fällt mir kein Beispiel ein. Jeder Juwelier, der die Entwicklung nach oben genommen hat, hat dies gemeinsam mit seinen Kunden geschafft.

Eines ist klar: Das Kapital, die Stärke des Juweliers ist die Beziehung zu seinen Kunden. Das kann ihm niemand nehmen, und das ist das, was derzeit zählt. Die Kunden suchen persönliche Ansprache, Service, Freundlichkeit, Ehrlichkeit – alles Instrumente, die ein Facheinzelhändler hervorragend spielen kann. Große Filialisten sind vielleicht bei der Marke oder im Touristengeschäft stark, inhabergeführte Juweliere in der persönlichen Beziehung zu ihren Stammkunden.

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