Der Rückgang des Hypes verschiebt den Fokus auf Beratung, Sortimentskompetenz und langfristige Kundenbeziehungen. © Rolex
Nach Jahren außergewöhnlicher Nachfrage kehrt der Luxusuhrenmarkt in ein strukturierteres Umfeld zurück. Verfügbarkeiten nehmen zu, Preise stabilisieren sich und Kaufmotive verändern sich. Einschätzungen aus der Branche, unter anderem vom Bundesverband Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien, zeigen, worauf es jetzt ankommt.
Vom Ausnahmezustand zur Marktrealität
Die extremen Marktbedingungen der vergangenen Jahre mit langen Wartelisten und erheblichen Preisaufschlägen sind weitgehend überwunden. Modelle von Rolex, Tudor oder Omega sind heute vielerorts wieder schneller verfügbar. Auch im High End Segment bei Patek Philippe und Audemars Piguet haben sich spekulative Preisspitzen abgebaut. Der Markt folgt wieder stärker der realen Nachfrage statt kurzfristiger Verknappungslogik. Aus Sicht des BVSU ist diese Entwicklung kein Krisensignal, sondern eine Normalisierung. Die Branche bewege sich wieder in einem stabileren Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage.
Zweitmarkt verliert an Zugkraft
Parallel zur besseren Verfügbarkeit im Erstverkauf hat der Zweitmarkt an Dynamik eingebüßt. Während Onlineplattformen wie Chrono24 während der Pandemie eine zentrale Rolle spielten, verlagert sich das Geschäft wieder stärker in den stationären Handel. Laut Einschätzung aus dem BVSU-Umfeld wird weniger Ware rein spekulativ aufgekauft als noch vor einigen Jahren. Das bedeutet eine gestärkte Rolle im direkten Kundenkontakt und eine höhere Relevanz von Beratung und Vertrauen.

Generation Z verändert Stil und Markenpräferenzen
Ein wesentlicher Treiber des Wandels ist der Generationenwechsel. Jüngere Käufer setzen andere Schwerpunkte als frühere Zielgruppen. Sportliche Stahluhren mit maximaler Präsenz verlieren an Dominanz, während kleinere, elegantere Modelle stärker gefragt sind. Dresswatches gewinnen an Bedeutung. Besonders sichtbar ist diese Entwicklung bei Cartier, dessen Nachfrage über alle Altersgruppen hinweg wächst. Gleichzeitig behaupten sich Marken wie IWC oder Jaeger-LeCoultre mit klaren Linien und uhrmacherischer Glaubwürdigkeit.
Unterschiedliche Dynamiken je Preissegment
Die aktuelle Zurückhaltung betrifft vor allem den mittleren Luxusbereich zwischen eintausend und fünftausend Euro. In höheren Preislagen bleibt die Nachfrage vergleichsweise stabil. Hersteller wie A. Lange & Söhne oder Glashütte Original sind weniger von kurzfristigen Schwankungen betroffen, da ihre Kundschaft stärker aus Überzeugung kauft. Der BVSU ordnet Luxusuhren insgesamt als Special Interest Markt ein, der zwar mengenmäßig begrenzt ist, aber hohe Umsätze generiert.
Globale Faktoren wirken dämpfend
Neben Konsumverhalten beeinflussen auch politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen den Markt. Der chinesische Absatzmarkt hat für europäische Luxusmarken an Bedeutung verloren, was das globale Angebot erhöht. Gleichzeitig sorgen geopolitische Unsicherheiten dafür, dass Konsumenten insbesondere im unteren Luxussegment zurückhaltender agieren. Marken wie Breitling oder TAG Heuer reagieren darauf mit klareren Kollektionsstrukturen und stärkerer Fokussierung auf Nutzung und Alltagstauglichkeit.
Profil statt Austauschbarkeit
Mit der Marktberuhigung wächst der Wunsch nach Individualität. Konsumenten reagieren sensibel auf gestalterische Beliebigkeit. Gerade kleinere und unabhängige Marken profitieren davon. Beispiele sind NOMOS Glashütte, MeisterSinger, Mühle-Glashütte oder Botta. Diese Marken lassen sich erklären, bieten klare Inhalte und ein nachvollziehbares Preis Leistungs Verhältnis. Genau hier sieht auch der BVSU Chancen für den Fachhandel. (Quelle: Fashionnetwork.de)
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