Luxusuhren: Sekundärmarkt wächst 36 Prozent und misst Erfolg über Liquidität

Luxusuhren Sekundärmarkt Infografik Report

EveryWatch stützt die Analyse auf eine globale Datensammlung zu 60 führenden Uhrenmarken, mehr als 1.100 professionellen Händlern und Resale Marktplätzen sowie über 500 Auktionshäusern. © EveryWatch

2025 war für den weltweiten Sekundärmarkt kein weiteres Jahr der bloßen Nachbeben nach dem Preispeak 2021 bis 2022. Laut dem Market Movements Report von EveryWatch markiert das Jahr einen strukturellen Wendepunkt. Performance wurde weniger über Preissteigerungen definiert, sondern über Liquidität, Umschlaggeschwindigkeit und die Fähigkeit, Angebot in reale Transaktionen zu verwandeln. Der Zweitmarkt wird damit nicht mehr nur als Spiegel des Primärmarkts beschrieben, sondern als eigenständiger Mechanismus für Preisfindung und Nachfragebildung.



Wachstum kommt aus dem Handel

Der globale Sekundärmarkt erreichte 2025 ein Transaktionsvolumen von 16,73 Milliarden US Dollar, plus 36,4 Prozent im Jahresvergleich. Den größten Anteil trugen Dealer und Marktplätze mit 15,65 Milliarden US Dollar bei, plus 38,3 Prozent. Auktionen lagen bei 1,09 Milliarden US Dollar, plus 14 Prozent. Wachstum fand damit vor allem in Kanälen statt, die Marken historisch weniger direkt steuern.

Preis stabil, Liquidität bleibt hoch

Across the board stabilisierten sich Preise. EveryWatch beziffert die Veränderung der Median Verkaufspreise über die Top 60 Marken auf rund plus 2 Prozent, Median Angebotspreise auf rund plus 5 Prozent. Gleichzeitig blieb die Transaktionsgeschwindigkeit robust. Median Days on Market lagen zum Jahresende bei rund 61 Tagen. Auffällig ist jedoch der Long Tail: Das mediane Angebotsalter lag bei rund 199 Tagen, während der Durchschnitt bei rund 149 Tagen lag. Das deutet auf selektive Nachfrage hin, bei der Kernreferenzen drehen, während Randsegmente liegen bleiben.

Konzentration auf wenige Marken nimmt weiter zu

Die Wertschöpfung konzentriert sich weiter auf Rolex, Patek Philippe und Audemars Piguet. Rolex erzielte 2025 im Sekundärmarkt 5,67 Milliarden US Dollar, plus 35,4 Prozent, und hält damit rund 36,8 Prozent Marktanteil nach Sales Value. Patek Philippe folgt mit 2,239 Milliarden US Dollar, plus 40,7 Prozent. Audemars Piguet wächst am dynamischsten auf 1,558 Milliarden US Dollar, plus 60,8 Prozent. Auf Modellebene dominieren laut Report nicht Halo Pieces, sondern breite Referenzfamilien. Rolex Datejust steht bei 1,273 Milliarden US Dollar, dicht gefolgt von Rolex Daytona mit 1,264 Milliarden US Dollar. Danach folgen Audemars Piguet Royal Oak mit 936,8 Millionen US Dollar und Patek Philippe Nautilus mit 808,5 Millionen US Dollar.

Independents: Wachstum ja, aber selektiv

Independent Watchmaking wächst, aber nicht flächendeckend. Total Value Sold für Independents lag laut Report bei rund 407,9 Millionen US Dollar, plus 25,6 Prozent. Innerhalb der Gruppe dominiert F.P. Journe mit 179,0 Millionen US Dollar, plus 32,7 Prozent. Die Turnover Rate liegt bei 77,36 Prozent, die medianen Days on Market bei 36 Tagen. EveryWatch hebt hier einen wichtigen Punkt hervor: Eine Uhr mit 150.000 US Dollar Medianpreis war leichter zu verkaufen als eine 3.500 US Dollar Uhr. Liquidität ist damit kein reines Preisphänomen, sondern ein Vertrauens und Nachfragephänomen.

Weitere stark performende Independents im Ranking sind H. Moser and Cie., De Bethune, MB and F sowie Urwerk. Gleichzeitig zeigen einzelne Ultra Independents starke Medianpreis Volatilität, was bei niedrigen Stückzahlen stark vom Transaktionsmix abhängt.

Certified Pre Owned: vom Testballon zum Steuerungsinstrument

Einen der stärksten strukturellen Impulse sieht der Report im Certified Pre Owned Geschäft. Rolex CPO erzielte 2025 einen Gesamtumsatz von rund 590 Millionen US Dollar, plus 204 Prozent, und machte damit etwa 11 Prozent des gesamten Rolex Sekundärmarktes aus. Führende Retailer nach Value Sold waren Bucherer und Tourneau mit 127 Millionen US Dollar sowie Watches of Switzerland mit 80 Millionen US Dollar, gefolgt von der 1916 Company mit 63 Millionen US Dollar.

Besonders relevant für Branchenkenner ist der operative Mechanismus, den EveryWatch beschreibt: Retailer verknüpfen Zweitmarktliquidität mit Primärmarktanreizen. Kunden, die CPO verkaufen oder kaufen, werden mit besseren Primärmarkt Zuteilungen belohnt. Das erhöht Supply Rückfluss, beschleunigt Turnover und bindet Kunden an das Händlernetz. CPO wird damit zum Instrument, um Marktpreise nicht nur zu beobachten, sondern die Liquidität aktiv zu strukturieren.

Luxusuhren Sekundärmarkt Infografik
2025 war ein Jahr, in dem der Zweitmarkt als zentrale Preisinstanz der Branche funktionierte. © EveryWatch

Regionen: Asien treibt Stückzahlen, Europa stabilisiert Werte

Regional bleibt Europa eine der beiden Säulen nach Umsatz. Europa generierte 6,66 Milliarden US Dollar Value Sold, plus 30,4 Prozent, bei 668.881 verkauften Uhren. Nordamerika lag bei 6,31 Milliarden US Dollar, plus 29,5 Prozent, bei höherem Medianpreis von 8.000 US Dollar.

Der auffälligste Sprung kommt aus Asien. Value Sold steigt auf 1,88 Milliarden US Dollar, plus 128 Prozent, bei 222.504 verkauften Uhren, plus 62,6 Prozent. Der Medianpreis ist mit 2.817 US Dollar niedriger, die Geschwindigkeit mit 29 Tagen Days on Market am höchsten. Der Report deutet das als Breitenwachstum über zugänglichere Preispunkte und hohe Transaktionsfrequenz.

Fazit: 2025 bestätigt den Sekundärmarkt als zentrale Preisinstanz der Branche. Die Sieger des Jahres waren jene Marken und Kanäle, die Liquidität erzeugen: hoher Turnover, kurze Verkaufszeiten und verlässliche Transaktionsfrequenz. Preisstabilität ersetzt den Hype, Marktstruktur ersetzt Spekulation.

Teilen
Keine Kommentare

Hinterlassen Sie uns einen Kommentar

Verwandte Themen

Ähnliche Themen

VORTEILSCLUB IST MEHR

Profitieren Sie jetzt von neuen Benefits: Aktionsplan für das ganze Jahr, BPJ-Zeitungsbezug, Reader’s Lounge, B2B-Kommunikation und noch viel MEHR!

SIND SIE SCHON REGISTRIERT ?

Registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie von allen Inhalten in voller Länge, exklusiven News und Insights, die es NUR im geschützten Bereich für Branchen-TeilnehmerInnen gibt.