Rabatte und Preisaktionen im Einzelhandel unter Druck

Viele Sonderangebote in Gefahr- Einzelhandel fordert Änderung der Preisangaben-Richtlinie

Die neue Auslegung der Preisangaben-Richtlinie könnte dazu führen, dass Rabattaktionen im Einzelhandel seltener werden. © Freepik

Preisaktionen gehören für viele Händler zu den wichtigsten Instrumenten im Wettbewerb. Doch neue rechtliche Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene könnten künftig dazu führen, dass Sonderangebote deutlich seltener werden. Darauf weist eine aktuelle Studie des Institut für Handelsforschung (IFH Köln) hin, die im Auftrag des Handelsverband Deutschland (HDE) erstellt wurde.



Ausgangspunkt ist ein Urteil des Europäischer Gerichtshof zur Auslegung der europäischen Preisangaben-Richtlinie. Demnach ist Preiswerbung mit Rabatten faktisch nur noch dann zulässig, wenn der beworbene Aktionspreis unter dem niedrigsten Preis liegt, der innerhalb der letzten 30 Tage verlangt wurde.

Rabatte nur noch alle 30 Tage?

In Deutschland gilt diese Regel bereits seit der letzten Novelle der Preisangaben-Verordnung. Händler müssen bei der Werbung mit Preisnachlässen den niedrigsten Preis der vergangenen 30 Tage als Referenz angeben. Das EuGH-Urteil verschärft nun die praktische Anwendung dieser Regel. „In der Praxis kann und darf ein Händler dasselbe Produkt nur noch alle 30 Tage mit einem günstigen Preis bewerben“, erklärt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Für den Einzelhandel bedeutet das eine deutliche Einschränkung der bisherigen Aktionspraxis. Viele Produkte wurden bislang deutlich häufiger rabattiert und beworben, als es die neue Auslegung zulässt.

Studie sieht negative Folgen für Wettbewerb

Die Untersuchung des IFH Köln kommt zu dem Ergebnis, dass die neue Rechtslage sowohl für Händler als auch für Verbraucher spürbare Auswirkungen haben könnte. Preisaktionen fördern nach Ansicht der Studienautoren den Wettbewerb, erleichtern Preisvergleiche und sorgen für günstigere Einkaufsmöglichkeiten. „Preisaktionen im Einzelhandel intensivieren den Wettbewerb, fördern Preisvergleiche und tragen zur Verbraucherwohlfahrt bei“, so Genth. Sonderangebote seien daher nicht nur kurzfristige Verkaufsinstrumente, sondern hätten auch langfristige Bedeutung für attraktive Preise im Markt.

Viele Sonderangebote in Gefahr Einzelhandel fordert Änderung der PreisangabenRichtlinie
Nach aktueller Rechtslage muss bei Preiswerbung der niedrigste Preis der vergangenen 30 Tage als Referenz angegeben werden. © Freepik

Forderung nach Anpassung der EU-Regeln

Der HDE fordert deshalb Änderungen an der europäischen Preisangaben-Richtlinie. Nach Einschätzung des Verbandes könnte die aktuelle Regelung zu weniger Preisaktionen und damit zu geringerer Wettbewerbsintensität führen. „Die EU hat mit der neuen Regulierung den Wettbewerb und die Verbraucherinteressen vollkommen aus den Augen verloren“, kritisiert Genth. Der Handelsverband appelliert daher an die Politik, die Vorgaben auf europäischer Ebene zu überarbeiten und die Preisangaben-Richtlinie entsprechend anzupassen. Aus Sicht des Handels sollte Preiswerbung weiterhin flexibel möglich sein, um Wettbewerb und Angebotsvielfalt im Einzelhandel zu erhalten.

Bedeutung auch für den Fachhandel

Auch für den stationären Fachhandel können die neuen Vorgaben relevant werden. Preisaktionen sind ein wichtiges Instrument, um Frequenz zu erzeugen, Lagerbestände zu steuern oder saisonale Nachfrage zu bedienen.

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