Jérôme Lambert steht seit 2024 erneut an der Spitze von Jaeger-LeCoultre und gilt laut Branchenberichten als treibende Kraft hinter einem möglichen Management-Buyout der Manufaktur. © Jaeger-LeCoultre
Die Gerüchte um einen möglichen Verkauf von Jaeger-LeCoultre verdichten sich. Nach der Veräußerung von Baume & Mercier Anfang 2026 berichten mehrere spezialisierte Branchenmedien über Verhandlungen zu einem Management-Buyout der traditionsreichen Manufaktur aus dem Vallée de Joux. Laut Business Montres, WatchPro und dem Branchenblog Miss Tweed sondiert CEO Jérôme Lambert gemeinsam mit Investoren eine Übernahme. Die Bewertung soll über einer Milliarde Schweizer Franken liegen. Eine mögliche Ankündigung könnte laut Zonebourse bereits im Frühjahr 2026 erfolgen. (Quellen: Business Montres, WatchPro, Miss Tweed, Zonebourse; Bericht von Siems Luckwaldt)
Die Rückkehr Lamberts an die Spitze der Marke Ende 2024 erhält damit eine neue Lesart. Der frühere Richemont-CEO hatte Jaeger-LeCoultre bereits von 2002 bis 2013 geführt. Was zunächst als überraschende Personalentscheidung galt, könnte sich nun als Vorbereitung auf einen möglichen Eigentümerwechsel erweisen. (Quelle: Bericht Siems Luckwaldt)
Der wirtschaftliche Kontext liefert eine klare Erklärung für den Handlungsdruck. Laut Morgan Stanley und Luxeconsult sank der Umsatz von Jaeger-LeCoultre von rund 650 Millionen Schweizer Franken im Jahr 2019 auf etwa 524 Millionen Franken im Jahr 2024. Gleichzeitig fiel die Produktionsmenge von rund 110000 auf 79000 Uhren. Im Ranking der größten Schweizer Marken rutschte die Manufaktur von Platz zehn auf Platz vierzehn. (Quelle: Morgan Stanley und Luxeconsult)
Marktverschiebung zugunsten Umsatztreiber und Big Four
Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung auf Konzernebene. Die Sparte Specialist Watchmakers von Richemont erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 bei 3,28 Milliarden Euro Umsatz lediglich 175 Millionen Euro operativen Gewinn. Die Marge sank damit von 15,2 Prozent auf 5,3 Prozent innerhalb eines Jahres. Gleichzeitig erwirtschaftet die Schmucksparte mit Cartier und Van Cleef & Arpels weiterhin operative Margen von über 31 Prozent. (Quelle: Bericht Siems Luckwaldt)
Der Verkauf von Baume & Mercier an die italienische Damiani-Gruppe Anfang 2026 gilt als möglicher Vorläufer eines größeren Konzernumbaus. Parallel verschiebt sich die Struktur des Schweizer Uhrenmarktes deutlich zugunsten der „Big Four“. Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet und Richard Mille vereinen laut Morgan Stanley und Luxeconsult inzwischen rund 47 Prozent des Exportwerts der Branche, gegenüber 37 Prozent im Jahr 2019. Rolex allein kommt auf rund 10,6 Milliarden Franken Umsatz und etwa 32 Prozent Marktanteil. (Quelle: Morgan Stanley und Luxeconsult)
Reverso Hybris Artistica Calibre 179: Die Reverso-Kollektion funktioniert geschlechterübergreifend, doch die Preise liegen deutlich über z.B. Cartier. // Master Ultra Thin Uhrwerk: Die sportliche Master-Kollektion ist preislich sehr hoch angesetzt und soll laut Branchenkenner technisch nicht abliefern. © Jaeger Le-Coultre
Branchenreaktionen kritisieren Verkmarktung
Am Wochenende wurde das Thema intensiv im Uhrenforum Watchlounge diskutiert. Mehrere Stimmen sehen bei Jaeger-LeCoultre weniger ein operatives als ein Marken- und Marketingproblem. Im Vergleich zu IWC unter Georges Kern habe es der Marke über Jahre nicht geschafft, ihre emotionale Strahlkraft zu stärken. Ein Eigentümerwechsel allein würde diese Herausforderung nicht lösen. (Quelle: Watchlounge Forum, Diskussion)
Auch die historische Rolle der Manufaktur wurde thematisiert. Früher war Jaeger-LeCoultre stark als Kaliberlieferant für andere Marken positioniert. Dieses B2B-Geschäft habe jedoch an Bedeutung verloren, da viele Marken heute eigene Werke entwickeln. Gleichzeitig fehle es im Endkundengeschäft an klarer Positionierung, stringenter Kollektionenstruktur und sichtbarem Marketing. Einige Diskussionsteilnehmer argumentieren daher, dass jeder Marketing-Euro für Jaeger-LeCoultre im Konzern indirekt Konkurrenz zu Cartier oder anderen Richemont-Marken darstellt und eine Abspaltung strategisch nachvollziehbar sein könnte. (Quelle: Watchlounge Forum)
Fazit: Ob es tatsächlich zu einem Buyout kommt, bleibt offen. Die wirtschaftlichen Kennzahlen, der Verkauf von Baume & Mercier und die Marktverschiebung liefern jedoch eine nachvollziehbare Logik. Ein Verkauf von Jaeger-LeCoultre wäre einer der größten Einschnitte in Richemonts Uhrensparte seit Jahrzehnten und könnte ein weiterer Schritt hin zu einer stärkeren Fokussierung auf das profitable Schmuckgeschäft sein.











