Richemont zeigt, warum Schmuck jetzt stärker zieht als Uhren

Der Luxusmarkt steht weiter unter Druck. © Diamond on Call | KI-generiert

Der Luxusmarkt steht weiter unter Druck. Unsichere Märkte, Währungseffekte und eine verhaltenere Nachfrage treffen auch große Konzerne. Die aktuellen Richemont Zahlen zeigen jedoch, dass hochwertiger Schmuck weiterhin zu den robustesten Bereichen im Luxusgeschäft zählt.



Für Juweliere ist diese Entwicklung relevant, weil sie zeigt, wo im Markt derzeit noch Dynamik entsteht. Schmuck bleibt nicht nur ein Sortiment, sondern kann für den Fachhandel ein strategisches Geschäftsfeld sein.

Schmuck trägt das Wachstum

Richemont erzielte im Geschäftsjahr 2025/26 einen Umsatz von 22,42 Milliarden Euro. Der ausgewiesene Jahresgewinn stieg um 27 Prozent auf 3,48 Milliarden Euro. Besonders stark entwickelten sich die Jewellery Maisons des Konzerns. Cartier, Van Cleef & Arpels, Buccellati und Vhernier kamen gemeinsam auf 16,54 Milliarden Euro Umsatz. Das entspricht einem Plus von 8 Prozent zu tatsächlichen Wechselkursen und 14 Prozent zu konstanten Wechselkursen.

Damit bestätigt Richemont eine zentrale Entwicklung: Schmuck verkauft sich im Luxussegment nicht allein über Materialwert. Entscheidend sind Marke, Design, Geschichte, Vertrauen und emotionale Bindung. Gerade diese Verbindung macht hochwertige Schmuckkollektionen auch in einem schwierigen Umfeld stabil.

Uhren stehen stärker unter Druck

Anders zeigt sich die Lage bei den Specialist Watchmakers von Richemont. Die Uhrensparte erzielte 3,15 Milliarden Euro Umsatz. Zu tatsächlichen Wechselkursen bedeutet das ein Minus von 4 Prozent. Die operative Marge lag bei 3,4 Prozent.

Für Juweliere ist das kein Argument gegen Uhren. Es zeigt aber, dass das Uhrengeschäft stärker über Beratung, Service, Ankauf, Vintage, Garantie und Fachkompetenz geführt werden muss. Bekannte Markennamen allein reichen immer weniger aus, wenn große Gruppen ihre Vertriebswege enger steuern und den direkten Kontakt zum Endkunden ausbauen.

Was bedeutet das für den Fachhandel?

Für den Fachhandel liegt die wichtigste Erkenntnis in der Gewichtung. Schmuck darf im Geschäft nicht nur mitlaufen. Er muss sichtbar, erklärbar und wirtschaftlich geführt werden.

Ein Juwelier kann Cartier oder Van Cleef & Arpels nicht kopieren. Er kann aber aus deren Stärke lernen. Erfolgreicher Schmuckverkauf entsteht durch klare Sortimentsführung, emotionale Beratung, Wiedererkennbarkeit und eine nachvollziehbare Geschichte am Point of Sale.

Gerade in einer Zeit, in der Uhrenmarken selektiver werden, kann Schmuck für den Fachhandel zu einem Stabilitätsanker werden. Entscheidend ist, ob Juweliere Schmuck als strategisches Geschäftsfeld verstehen oder weiterhin nur als ergänzendes Sortiment behandeln.

Die Frage an die Branche

Die Richemont Zahlen liefern keine einfache Botschaft nach dem Motto Schmuck gut, Uhren schlecht. Sie zeigen aber, dass Schmuck mit starker Positionierung und hoher emotionaler Bindung auch in einem schwierigen Marktumfeld robust bleibt.

Für Juweliere stellt sich deshalb die zentrale Frage: Wird Schmuck im eigenen Geschäft bereits strategisch genug geführt?

Was ist eure Meinung?

Was ist eure Meinung? Ist Schmuck derzeit der stärkere Wachstumstreiber für den Fachhandel? Oder sind die Richemont Zahlen vor allem ein Sonderfall, weil Cartier und Van Cleef & Arpels mit einer Markenstärke arbeiten, die im klassischen Juweliergeschäft kaum vergleichbar ist?

Diskutiert mit uns auf LinkedIn oder schreibt uns eure Meinung an die Redaktion von BlickPUNKT·Juwelier.

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