Vier Marken kassieren 55 Prozent: Kippt der Schweizer Uhrenmarkt?

Rolex, Cartier, Patek, Omega: Vier Marken kontrollieren 55 Prozent. © KI-generiert

Der Schweizer Uhrenmarkt konzentriert sich immer stärker auf wenige große Gewinner. Laut dem aktuellen „Swiss Watcher“-Report von Morgan Stanley und LuxeConsult vereinen Rolex, Cartier, Patek Philippe und Omega inzwischen rund 55 Prozent des Marktwerts auf sich. Noch deutlicher zeigt sich die Verschiebung bei den unabhängigen Häusern: Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet und Richard Mille kommen zusammen bereits auf 49,1 Prozent Marktanteil. Für den Fachhandel bedeutet das: Begehrlichkeit und Wertschöpfung verlagern sich zunehmend an die Spitze.



Die Schweizer Uhrenindustrie wird polarisiert. Während zahlreiche Marken mit rückläufigen Umsätzen, hohen Kosten und vorsichtigeren Konsumenten kämpfen, gewinnen wenige Häuser weiter Marktanteile.

Besonders stark ist die Position der großen unabhängigen Marken. Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet und Richard Mille kontrollieren laut Morgan Stanley und LuxeConsult inzwischen zusammen 49,1 Prozent des Schweizer Uhrenmarktes. 2017 lag ihr Anteil noch bei rund 37 Prozent.

55 PROZENT FÜR VIER MARKEN

Noch deutlicher wird die Konzentration, wenn man die vier umsatzstärksten Marken betrachtet.

Rolex, Cartier, Patek Philippe und Omega stehen zusammen für rund 55 Prozent des Marktes, nach 52 Prozent im Vorjahr. Die restlichen Hunderte Schweizer Uhrenmarken teilen sich damit einen immer kleineren Teil der Wertschöpfung.

Rolex bleibt dabei mit weitem Abstand Marktführer. Für 2025 schätzt der Report den Umsatz der Marke auf rund 11 Milliarden Schweizer Franken. Cartier folgt mit rund 3,5 Milliarden Franken. Patek Philippe liegt bei etwa 2,5 Milliarden Franken, Audemars Piguet bei rund 2,6 Milliarden Franken.

CARTIER IST DIE GROSSE AUSNAHME

Bemerkenswert ist vor allem die Rolle von Cartier.

Während viele Marken großer börsennotierter Luxusgruppen an Marktanteil verlieren, gelingt es Cartier, weiter zuzulegen. Die Richemont-Marke kommt inzwischen auf einen Marktanteil von rund 8,7 Prozent und konnte ihren Umsatz 2025 laut den Schätzungen um etwa 10 Prozent steigern.

Damit ist Cartier die große Ausnahme in einem Markt, in dem vor allem unabhängige Häuser besonders stark abschneiden.

AUDEMARS PIGUET UND PATEK ÜBERHOLEN OMEGA

Auch innerhalb der Rangliste verschiebt sich einiges.

Audemars Piguet und Patek Philippe konnten 2025 an Omega vorbeiziehen. Patek Philippe kam laut den Schätzungen auf rund 2,5 Milliarden Franken Umsatz, Audemars Piguet auf etwa 2,6 Milliarden Franken. Omega lag bei rund 2,2 Milliarden Franken und verlor im Jahresvergleich Umsatz.

Damit zeigt sich, wie stark das Ultra-Luxussegment derzeit wächst.

WENIGER UHREN, MEHR WERT

Diese Entwicklung passt zu einem langfristigen Trend: Die Schweizer Industrie verkauft insgesamt weniger Uhren, erzielt aber einen immer größeren Teil des Werts mit sehr hochpreisigen Modellen.

Uhren mit einem Preis von mehr als 50.000 Schweizer Franken stehen inzwischen für rund 37 Prozent des Exportwerts, obwohl sie nur etwa 1,4 Prozent des Stückvolumens ausmachen. Gleichzeitig entfielen 2025 laut Morgan Stanley und LuxeConsult rund 89 Prozent des Branchenwachstums auf dieses Segment.

Für den Fachhandel ist das ein entscheidender Punkt: Premiumisierung bedeutet nicht einfach nur höhere Preise. Sie bedeutet auch, dass Marken mit starker Begehrlichkeit, klarer Identität und hoher Exklusivität einen immer größeren Teil des Umsatzes auf sich ziehen.

DIE MITTE GERÄT UNTER DRUCK

Während die Spitze wächst, geraten viele Marken im mittleren Segment stärker unter Druck.

Swatch Group verlor 2025 erneut Marktanteile. Auch Marken wie Longines, Tissot, TAG Heuer, Hublot oder Zenith mussten laut dem Report teilweise Umsatzrückgänge hinnehmen.

Das verändert auch die Sortimentsfrage für Juweliere. Markenbekanntheit allein reicht immer weniger. Entscheidend wird, ob eine Marke Begehrlichkeit erzeugt, Preissetzungsmacht besitzt und langfristig Frequenz und Nachfrage in den Handel bringt.

WAS DAS FÜR DEN FACHHANDEL BEDEUTET

Für Juweliere wird der Markt damit anspruchsvoller.

Auf der einen Seite gewinnen wenige starke Marken immer mehr Gewicht. Auf der anderen Seite müssen Händler ihr übriges Sortiment umso klarer positionieren und erklären.

Die Zahlen zeigen: Der Schweizer Uhrenmarkt wächst nicht mehr breit, sondern vor allem an der Spitze. Für den Fachhandel bedeutet das, Markenwelten schärfer auszuwählen und stärker darauf zu achten, wo echte Nachfrage, Begehrlichkeit und Wertschöpfung entstehen.

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