Swatch-Führung in Zeiten knapper Margen: Wer nach Nick Hayek kommt

Swatch Nachfolge Kissling, Hayek, Aeschlimann

Drei Namen, ein Konzern: Breguet-CEO Gregory Kissling, Neffe Marc Hayek (Blancpain-CEO) und Omega-CEO Raynald Aeschlimann könnten die Führung übernehmen. © Breguet/ Blancpain/ Omega/ Swatch / KI generated

Nach unserem Beitrag „Wer führt Swatch aus der Überkapazität?“ verdichtet sich die Debatte um die Nachfolge von Swatch Group CEO Nick Hayek weiter. Schlechte Geschäftszahlen für 2025, ein überraschend optimistischer Ausblick auf 2026 und die wachsende Rolle einzelner Konzernmanager verschieben die Gewichte. Die Frage lautet nicht mehr, ob ein Übergang vorbereitet wird, sondern wer ihn tragen kann.



Die von der Handelszeitung veröffentlichten Zahlen zeichnen ein klares Bild. 2025 war für Swatch ein schwieriges Jahr. Der Umsatz sank um 5,9 Prozent auf 6,28 Milliarden Franken. Der EBIT brach von 304 auf 135 Millionen Franken ein, die operative Marge fiel auf 2,1 Prozent. Der Reingewinn lag bei lediglich 25 Millionen Franken und damit rund 90 Prozent unter dem Vorjahr. Gleichzeitig meldet der Konzern ein sehr positives Momentum im zweiten Halbjahr 2025, das sich laut Unternehmensangaben im Januar 2026 fortgesetzt habe. Für das laufende Jahr stellt Swatch steigende Umsätze, höhere Volumina und eine deutliche Verbesserung der Profitabilität in Aussicht. Die Börse reagierte mit Kursgewinnen, auch wenn die Aktie langfristig weiterhin auf dem Niveau von vor rund 15 Jahren notiert.

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Stabilität um jeden Preis

Auffällig bleibt der Umgang mit Kapazitäten. Swatch verzichtete 2025 bewusst auf Kurzarbeit und Entlassungen. Der Personalbestand reduzierte sich lediglich um 2,1 Prozent durch natürliche Fluktuation. Ende des Jahres beschäftigte der Konzern 31.796 Mitarbeitende. Nick Hayek hält damit an industrieller Substanz fest, um bei anziehender Nachfrage sofort liefern zu können. Für Investoren ist das kostenintensiv. Für einen möglichen Nachfolger bedeutet es jedoch, dass keine kurzfristigen Einschnitte vorweggenommen wurden.

Swatch Nick Hayek Nachfolge
Nick Hayek, Patriarch der Swatch Group, vor einer der wichtigsten Entscheidungen seiner Amtszeit. © Wikipedia/ KI

Gregory Kissling rückt stärker ins Bild

In unserem ersten Beitrag haben wir Omega-CEO Raynald Aeschlimann als den operativ stärksten internen Kandidaten beschrieben. Daran hat sich nichts geändert. Omega bleibt der wichtigste Ergebnislieferant der Gruppe. Ohne Omega wäre die Swatch Group wirtschaftlich kaum zu stabilisieren.

Neu ist jedoch die Dynamik rund um Breguet-CEO Gregory Kissling. Seit seinem Wechsel von Omega zu Breguet hat die Marke spürbar an Sichtbarkeit gewonnen. Branchenbeobachter nehmen Breguet wieder wahr, sowohl kommunikativ als auch produktseitig. In einem Konzern, der seine Luxusmarken lange unter Wert geführt hat, ist das kein kleiner Erfolg. Kissling verkörpert damit etwas, das Swatch derzeit fehlt: die glaubwürdige Revitalisierung einer historischen Hochprestigemarke. Sollte sich der positive Trend bei Breguet fortsetzen, wird es zunehmend schwieriger, ihn nur als Randnotiz der Nachfolgedebatte zu behandeln.

Gleichzeitig bleibt das interne Machtgefüge heikel. Aeschlimann zu übergehen, würde bedeuten, dem wichtigsten Gewinnträger des Konzerns einen Zögling vorzuziehen. Für ein patronal geführtes Familienunternehmen ist das ein riskanter Schritt.

Marc Hayek zwischen Verantwortung und Erwartung

Unverändert im Raum steht Marc Hayek. Der Neffe von Nick Hayek, Sohn von Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek, sitzt seit 2024 im Verwaltungsrat und verantwortet u.A. auch die Luxusmarke Blancpain. In unserem ersten Beitrag haben wir die Skepsis vieler Marktteilnehmer benannt. Leistung müsse sich messen lassen, nicht der Name. Marc Hayek selbst tritt öffentlich zurückhaltend auf. Nick Hayek betont, man dränge ihn zu nichts. Gleichwohl bleibt er Teil der Gleichung. Solange die Familie Hayek über rund 44 Prozent der Stimmrechte verfügt, wird eine rein technokratische Lösung kaum durchsetzbar sein. Für den Kapitalmarkt ist entscheidend, ob die von Marc Hayek verantworteten Marken an Profil und wirtschaftlicher Relevanz gewinnen.

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Hier nicht erwähnt: Auch Sylvain Dolla könnte als Hayek-Nachfolger gehandelt werden. Er prägt als CEO von Tissot die technologische Ausrichtung der Marke und steht für Innovation im mittleren Preissegment der Swatch Group. © Freepik/ KI generated

Was sich verändert hat

Die Frage ist also weniger, ob Nick Hayek die operative Führung abgibt, sondern wann und unter welchen Vorzeichen. Die Zahlen aus 2025 zeigen die Dringlichkeit. Der Ausblick auf 2026 liefert die Gelegenheit. Zwischen Raynald Aeschlimann als stabilisierendem Operateur und Gregory Kissling als aufstrebendem Luxusmanager verdichtet sich die Debatte.

Quellen: Handelszeitung, Finanz und Wirtschaft, CH Media, AIR Capital, LuxeConsult, LinkedIn Oliver R. Müller.

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