
ATELIER ICH: mit dem Ankauf von Altgold legt der Juwelier die Grundlage zum eigenen Atelier, in dem individuelle Stücke für den modernen Kunden entstehen. © BPJ/ KI
Der Trend zu Sekundärgold bietet eine große Chance für den Juwelier, nämlich den direkten Kontakt zwischen der eigenen Produktion und den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden.
Große Marken machen es vor: Prada bringt seit 2022 die Linie „Prada Eternal Gold“ heraus, die nach eigener Aussage „erste nachhaltige Fine Jewelry-Kollektion einer globalen Luxusbrand, die zu 100 % aus zertifiziertem Recyclinggold besteht“. Doch wo Prada sich in Sachen Nachhaltigkeit hervortut, hat der Juwelier etwas, das ihn ganz individuell hervorhebt: die Nahbarkeit. Denn wenn der Kunde sein Altgold direkt zum Juwelier bringen kann, der daraus das Material für die eigene Kollektion gewinnt und neue Kreationen erschafft, kann man sich kaum ein stärkeres Storytelling wünschen. Viele Menschen haben das Bedürfnis nach besonderen Schmuckstücken mit Mehrwert – ästhetisch, moralisch oder ideell. Gleichzeitig haben viele daheim noch alte Schmuckstücke, die nicht mehr getragen werden, aber aus hochwertigen Materialien bestehen. Mit dem Gang zum Juwelier mit integriertem Atelier können aus der Weiterverwertung dieser Materialien nachhaltige neue Stücke entstehen, die die Geschichte einer neuen Generation erzählen. Denn nicht zu vergessen ist, dass Gen Z und Millennials 2025 55 % des Gesamtmarktes ausmachen werden – die Wünsche und Bedürfnisse der jungen Kunden sind also maßgeblich für die Zukunft.

Individualität punktet
Der Juwelier hat nun die Chance, mit der jungen Generation erneut in den Dialog zu treten. Das direkte Gespräch hat wieder an Wert gewonnen, ebenso der persönliche Touch. Schon seit längerem zeichnet sich die Tendenz zur Abwendung von der „Stangenware“ ab. Die junge Generation sucht nach Möglichkeiten, sich vom Mainstream abzuwenden und der Wunsch nach Unikaten steht im Fokus. Der Markt des ungetragenen Schmucks ist unendlich, Juweliere treten mit der Initiative von 100 % Goldrichtig und Atelier ICH gezielt und selbstbewusst auf – denn nur der Juwelier kann Seriosität in allen Schritten garantieren.
Stichwort „Meaningful Brands“
Kunden suchen heute nicht mehr nur nach dem besten Angebot. Sonderrabatte und Aktionen mögen kurzfristig attraktiv wirken, tun jedoch nicht viel für die langfristige Kundenbindung. Dabei tendieren Konsumenten heute viele eher dazu, mit Marken und Anbietern längerfristige „Beziehungen“ einzugehen – wenn das Image stimmt. Denn wie in einer Beziehung zwischen zwei Menschen möchte sich auch der Kunde sicher sein, dass die moralischen Schwerpunkte der Brand, auf die er sich einlässt, den eigenen Werten entspricht. Die Überzeugung, dass Konsum ein Spiegel der eigenen Werte ist und der Umgang mit Ressourcen heute weniger denn je zu einer Life-Style-Entscheidung wird, ist nicht neu. Dagegen hat sich aber ein weiterer Aspekt in die öffentliche Wahrnehmung geschlichen: Die Verantwortung der Marken und Anbieter. In den letzten Jahren hat ein Shift stattgefunden, der die Verantwortung für Nachhaltigkeit und Ressourcenbewusstsein nicht mehr allein auf den Schultern der Konsumenten ruhen lässt. Vielmehr verlangen bis zu 73 % der Konsumenten weltweit die Ansicht, dass Marken zum Wohle der Gesellschaft und des Planeten handeln müssen – besser jetzt als später.
Die „Meaningful Brands“ Studie der Havas Group wird seit 2009 durchgeführt und beschäftigt sich damit, wie Marken die Gesellschaft nachhaltig positiv beeinflussen können. Als „meaningful“ gilt eine Marke, wenn sie alle drei Säulen der Markenwirkung erfüllt – persönliche, funktionale und kollektive Benefits. Das bedeutet also Marken, die das individuelle Leben verbessern, Qualität und Kundenservice garantieren und nicht zuletzt Werte für Gesellschaft und Umwelt vertreten. Die Studie beschäftigt sich mit großen Marken, nichtsdestotrotz wenden Konsumenten dieselben Metriken auch auf kleinere Anbieter an. Ein Fokus auf Nachhaltigkeit und ein bewusstes Transportieren von Werten kommt bei den Konsumenten an, die dann auch eher bereit sind, sich auf eine neue Beziehung einzulassen –schließlich sehnen sich laut Studie 66 % aller Befragten nach sinnstiftenden Markenerlebnissen.

Atelier Ich im Fokus
Was bedeutet nun Atelier ICH und welche Chancen bieten sich dem Juwelier? Der viel zitierte und angerufene Unique Selling Point (USP) mag zum Buzzword verkommen sein, doch ganz vom Tisch fegen lässt es sich dann doch nicht. Heute muss sich jeder Fachhändler die Frage stellen. Womit kann ich punkten, was setzt mich ab? Vor allem kleinere Fachhändler und Juweliere müssen sich häufig gegen große Marken oder Ketten durchsetzen. Eine Möglichkeit ist hier das White Label. Vor kurzem brachte Blickpunkt·Juwelier den großen Themenkomplex „Juwelier ICH“ zur Sprache. Die Möglichkeit, ein eigenes Design in Auftrag zu geben oder als festes Sortiment zu bestellen, wird bereits von vielen großen Herstellern wie Bedra oder KOOS angeboten.
Der Ankauf von Sekundärgold ist nun eine Möglichkeit, neben den White- oder Private-Label-Angeboten auch ganz gezielt Manufaktur und Handwerkstradition in den Fokus zu rücken. Nicht alle wollen Teil einer „Schauwerkstätte“ sein, aber der Trend bei den Kunden geht klar in Richtung Nachvollziehbarkeit und Transparenz – das amerikanische Marktforschungsinstitut „Label Insight“ stellte bei einer Befragung fest, dass ganze 94 % der Teilnehmer einer Marke treu bleiben, wenn diese konsequent transparent agiert. Diese Zahl spricht Bände und genau hier liegt auch das Potenzial für einen Juwelier mit einem eigenen Atelier – in Kombination mit dem Ankauf von Sekundärgold.

Vom Ankauf zur Weiterverarbeitung
Das Versprechen „Ihre Geschichte geht weiter“ lässt Kunden direkt an der Weiterverarbeitung ihres Altgoldes teilnehmen, das der Juwelier im Laden ankauft, um es dann im Atelier ICH zu einem neuen Schmuckstück weiterzuverarbeiten. Diese persönliche Bindung spricht besonders Kunden an, die sich bei ihren Käufen Nachhaltigkeit wünschen und diese auch weiterhin aktiv leben möchten. Die Welt tendiert zum Zynismus, gleichzeitig steigt das Bedürfnis nach authentischen und bedeutungsvollen Erfahrungen. Die Gelegenheit, einem alten, ungetragenen Schmuckstück neues Leben einzuhauchen, ist deshalb nicht nur attraktiv für Kunden, die umweltbewusst leben wollen, sondern auch für jene, die auf der Suche nach Werten sind, die sich über lange Jahre hin erhalten lassen. Lassen Sie sich die Gelegenheit nicht entgehen, Teil einer emotionalen Reise zu sein, nachhaltig und mit Mehrwert für Ihre Kunden – und mit attraktiven Gewinnmargen für Sie.
Der Vorteil: Die langfristige Planung mit Ankauf und Weiterverarbeitung zeigt Ihren Kunden, dass Ihr Nachhaltigkeitsgedanke mehr als nur eine Phase ist – potenzielle Greenwashingvorwürfe sind sofort ausgehebelt.

Die unmittelbaren Vorteile für den Juwelier
Die Einführung eines eigenen Ateliers erfordert nicht unbedingt eine In-House-Werkstatt oder fest angestellte Goldschmiede. Freie Dienstleister und Goldschmiede können mit der Anfertigung beauftragt werden und sogar das Design kann außer Haus entstehen. Das Unikat steht nicht zwangsläufig im Fokus, vielmehr kann der Juwelier mit einer eigenen Designserie punkten und so seine Position als Anbieter von kraftvollen und individuellen Designs stärken. Durch das Atelier kann sich der Juwelier weiterentwickeln – es ist die Chance auf ein zusätzliches Angebot, ohne sich komplett neu zu erfinden.
Auch die Wahrnehmung bei den Kunden kann so gesteigert werden. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Begegnungstag mit den Handwerkern hinter den Schmuckstücken? Öffnen Sie die hauseigene Werkstatt oder laden Sie Ihre externen Goldschmiede ein, ihre Kunst direkt vor Ort unter Beweis zu stellen. Die „offene Küche“ im Restaurantbetrieb hat sich bewährt – warum nicht also auch hier Ihren Kunden die Möglichkeit zur Begegnung bieten.