TAG Heuer ohne CEO: Antoine Pin verlässt LVMH kurz vor der Watch Week

Antoine Pin CEO TAG Heuer Rücktritt

Antoine Pin leitete TAG Heuer seit 2024 und verlässt den LVMH-Konzern überraschend kurz vor der Watch Week 2026. © Watchpro/ Shutterstock

Blickpunkt·Juwelier hat bereits vor einigen Tagen über einen möglichen Rücktritt von Antoine Pin berichtet. Nun ist der Abgang des TAG Heuer CEOs offiziell bestätigt. Der überraschende Zeitpunkt kurz vor der LVMH Watch Week, die heute beginnt, wirft ein Schlaglicht auf die strukturellen Herausforderungen der LVMH-Uhrensparte und die wachsenden Erwartungen an Führung sowie Performance und Stabilität.



TAG Heuer muss überraschend einen Führungswechsel verkraften. LVMH bestätigte Mitte Januar 2026, dass Antoine Pin den Konzern verlässt. Der Manager werde, so die offizielle Mitteilung, „ein neues Kapitel in seiner Karriere beginnen“. Ein Nachfolger wurde zunächst nicht benannt. Damit tritt TAG Heuer bei der heute unmittelbar bevorstehenden LVMH Watch Week in Mailand ohne amtierenden CEO auf.

Der Zeitpunkt sorgt in der Branche für Aufmerksamkeit. Die Watch Week gilt als eines der wichtigsten Schaufenster für die neun Uhren-Maisons des Konzerns, darunter TAG Heuer, Hublot, Zenith, Bulgari sowie mehrere Haute-Horlogerie-Marken aus La Fabrique du Temps. LVMH erklärte zum Abgang lediglich: „Wir danken Antoine Pin für seinen Beitrag und wünschen ihm viel Erfolg bei seinen zukünftigen Projekten.“

Gerüchte schon länger präsent

Branchenmedien hatten den Schritt bereits Anfang Januar antizipiert. Mehrere Berichte verwiesen auf strategische Differenzen innerhalb der Gruppe. Eine offizielle Bestätigung blieb zunächst aus, was die Unsicherheit verstärkte. Dass Pin den Konzern verlässt, überrascht viele Marktbeobachter. Der Manager war mehr als zwei Jahrzehnte für LVMH tätig, unter anderem in leitender Funktion bei Bulgari, wo er von 2019 bis 2024 die Uhrensparte verantwortete. Antoine Pin galt als analytisch, strukturiert und teamorientiert.

TAG Heuer als offizieller Zeitnehmer der Formel 1: Hohe globale Sichtbarkeit, aber auch erhebliche Investitionen. © TAG Heuer/ Reddit

Schwieriges Marktumfeld belastet die Uhrensparte

Der Führungswechsel fällt in eine Phase zunehmenden Drucks auf die Uhren- und Schmuckdivision von LVMH. Im ersten Halbjahr 2025 ging der Umsatz in diesem Geschäftsbereich leicht zurück, während der operative Gewinn deutlich stärker nachgab. Nach Konzernangaben sanken die Umsätze im Bereich Watches & Jewelry um rund ein Prozent, der Gewinn reduzierte sich zweistellig. Bereits 2024 hatte LVMH in dieser Sparte einen Gewinnrückgang von knapp 30 Prozent ausgewiesen. Hinzu kommen hohe Investitionen, insbesondere bei TAG Heuer. Der Einstieg als offizieller Zeitnehmer der Formel 1 hat die Markenpräsenz deutlich erhöht, belastet jedoch kurzfristig die Ergebnisrechnung. Gleichzeitig ist der Markt für mechanische Uhren insgesamt von einer schwächeren Nachfrage geprägt.

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Führungswechsel als Teil größerer Unruhe

Pins Abgang ist kein Einzelfall. Seit dem Rückzug von Jean-Claude Biver aus der operativen Führung im Jahr 2018 hat die LVMH-Uhrensparte mehrere Umstrukturierungen erlebt. Führungsrollen wurden neu zugeschnitten, Verantwortlichkeiten verschoben und Marken mehrfach neu ausgerichtet. In den vergangenen Jahren wechselten unter anderem Julien Tornare von Zenith zu TAG Heuer und später zu Hublot, während Frédéric Arnault zunächst TAG Heuer führte und später die Uhrenaktivitäten des Konzerns verantwortete, bevor er 2025 zu Loro Piana wechselte. Beobachter sprechen inzwischen von einer Phase erhöhter Volatilität in der Führung der LVMH-Uhrenmarken.

Fragen bleiben offen

Noch ist unklar, wie LVMH die Nachfolge bei TAG Heuer lösen wird. Die Marke ist die volumenstärkste Uhrenmarke des Konzerns und damit ein zentraler Baustein der Uhrenstrategie. Gleichzeitig steht sie vor der Herausforderung, sich in einem schwierigen Marktumfeld klar zu positionieren und wieder Wachstum zu generieren. Antoine Pin hatte zuletzt öffentlich betont, dass Marken nicht allein auf Marktbewegungen reagieren dürften. In einem Interview sagte er sinngemäß, es gehe darum, selbst Impulse zu setzen und Begehrlichkeit zu schaffen, unabhängig vom Preisniveau. (Quellen: WatchPro Interview mit Antoine Pin, Dezember 2025, Business Montres, Januar 2026, LVMH Jahresberichte)

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