Abschied von Juwelier Paul mit fachkundiger Begleitung von Alexander Schmidt

Carola und Reinhard Paul Juwelier Paul Nürnberg

Carola & Reinhard Paul schließen Juwelier Paul in Nürnberg dauerhaft. © Juwelier Paul

Blickpunkt·Juwelier sprach mit Carola Paul, Inhaberin des traditionsreichen Hauses Juwelier Paul in Nürnberg. Nach fast vier Jahrzehnten Firmengeschichte hat sie das Geschäft aus freien Stücken geschlossen. Im Interview spricht sie über Verantwortung ohne Nachfolge, über persönliche Entscheidungsprozesse und über die Frage, wie ein solcher Schritt professionell umgesetzt werden kann. Dabei erläutert sie auch, warum sie sich in dieser Phase bewusst für die Zusammenarbeit mit Alexander Schmidt entschieden hat, der sie beim Abschluss des Unternehmens über den gesamten Prozess hinweg begleitet hat.



Mehr als ein Jahrhundert gelebte Fachhandelsgeschichte endet nicht leise, sondern bewusst. Als Carola Paul die Entscheidung traf, Juwelier Paul in Nürnberg zu schließen, war ihr klar, dass dieser Schritt professionelle Begleitung braucht. Mit Alexander Schmidt holte sie einen erfahrenen Spezialisten an ihre Seite, der sie durch den gesamten Prozess des Räumungsverkaufs führte – strukturiert, diskret und mit der nötigen Distanz.

Denn Juwelier Paul war mehr als ein Fachgeschäft. Gegründet im Jahr 1898, stand das Haus über Generationen hinweg für handwerkliche Präzision, Sachverstand und familiäre Verantwortung. Die Entscheidung zur Schließung fiel nicht aus wirtschaftlichem Druck, sondern aus Überzeugung. Im Gespräch mit Blickpunkt Juwelier schildert Carola Paul, warum sie diesen Schritt bewusst gegangen ist – und welche Rolle die externe Begleitung durch Alexander Schmidt dabei spielte.

BLICKPUNKT·JUWELIER: Frau Paul, was war der Beweggrund, diesen Schritt zu gehen?

CAROLA PAUL: Relativ simpel auf den Punkt gebracht: Wenn man keinen Nachwuchs hat und weiß, dass es familiär keinen Nachfolger geben wird, beginnt man, über die eigene Zukunft nachzudenken. In unserer Branche gibt es viele, die diesen Gedanken erst mit 60 zulassen. Ich habe für mich früher begonnen zu überlegen, wo die Reise in meinem Leben hingehen soll. Irgendwann kam ich zu dem Punkt, an dem klar war: Ich kann in 20 Jahren zusperren oder jetzt. Und ich habe mich für jetzt entschieden.

BPJ: Was hat Sie dazu bewegt, lieber jetzt als in 20 Jahren zu schließen?

PAUL: Diese Frage hat mir bisher noch niemand gestellt. Irgendwann steht grundsätzlich die Frage im Raum, was man mit seinem Leben noch machen oder auch nicht mehr machen möchte. Ich bin Mitte 40 und habe bewusst eine Vogelperspektive auf mein eigenes Leben eingenommen. Ich hatte einfach Lust, noch einmal etwas anderes und Neues zu machen, unabhängig davon, wie genau das aussehen wird.

BPJ: Sie hätten also weitermachen können?

PAUL: Natürlich. Die betriebswirtschaftliche Sicherheit und ein gesundes Unternehmen haben mir erst die Freiheit gegeben, diese Überlegung überhaupt zuzulassen. Wäre das Geschäft in Schräglage gewesen oder hätte es mich dauerhaft stark belastet, ist man viel mehr im eigenen Alltag gefangen und schafft es kaum, nach außen zu schauen. Vielleicht bin ich einfach ein Charakter, der sich nicht mehr darin gesehen hat, weitere 20 Jahre lang das Gleiche zu tun.

Juwelier Paul Nürnberg Geschäft geschlossen
TRADITIONSHAUS. Über Jahrzehnte war das Geschäft in der Kaiserstraße 42 eine feste Adresse für individuellen Schmuck und fundierten Sachverstand. Generationen von Kundinnen und Kunden verbanden mit Juwelier Paul persönliche Beratung, handwerkliche Qualität und eine klare Haltung. Heute sind die Türen geschlossen, die Geschichte bleibt. © Juwelier Paul

Der oft zitierte Satz »Handel ist Wandel« trifft es ganz gut.

Carola & Reinhard Paul, Juwelier Paul

BPJ: War auch die private Situation ein Faktor?

PAUL: Vielleicht. Wenn man mal gedacht hat, man kriegt Kinder, und es stellt sich nicht ein, dann fragt man sich irgendwann: Was mache ich jetzt mit meinem Leben? Diese Frage drängt sich irgendwann auf – mit 20, vielleicht mit 40, vielleicht mit 50 oder 60. Bei mir war es jetzt so weit. In dieser Phase wurde mir bewusst, dass die Entscheidung zur Schließung nicht nur eine unternehmerische ist. Sie war sehr persönlich. Und genau deshalb war klar, dass ich diesen Schritt nicht allein gehen kann und Unterstützung brauche.

BPJ: Nürnberg ist ein schwieriger Standort. Hat das eine Rolle gespielt?

PAUL: Nein. Leerstände waren nie mein Thema, auch Stadtentwicklung nicht. Leerstände hat es immer gegeben und wird es immer geben. Geschäfte füllen sich mal schneller, mal langsamer. Städte sind im Wandel, genauso wie der Handel. Der oft zitierte Satz „Handel ist Wandel“ trifft es ganz gut. Das hat mich nie gestresst. So wie wir aufgestellt waren, waren wir zukunftsfähig. Ich bin überzeugt, dass der individuelle Handel Zukunft hat, auch und gerade mit Unikaten.

BPJ: Wie hätte es mit Paul weitergehen können?

PAUL: In den letzten Jahren habe ich das Sortiment bewusst gestrafft. Ich habe mich klar von Einstiegssegmenten getrennt und akzeptiert, dass man nicht jede Preislage bedienen kann. Das habe ich über Jahre hinweg konsequent umgesetzt. Aus diesem Grund hätte ich auf der Sortimentsseite keine Schwierigkeiten gesehen. Vom Profil her, vom Angebot, von der Individualität und auch mit der gehobenen Preislage wäre das Geschäft weitergelaufen.

Die größere Herausforderung wäre langfristig personeller Natur gewesen. Wir hatten ausschließlich sehr gute Verkäuferinnen, die jedoch bereits in Rente oder kurz davor waren. Es ist mir nicht gelungen, ausreichend Nachwuchs aufzubauen. Die jüngere Generation fühlt sich stärker von größeren Filialisten angezogen, die mit bekannten Markenprodukten arbeiten. Mir war dabei klar, dass es nicht um die Frage ging, ob das Geschäft grundsätzlich hätte weitergeführt werden können. Vielmehr habe ich mich damit beschäftigt, wie ein bewusster und sauberer Abschluss gestaltet werden kann. In dieser Phase habe ich mich erneut mit Herr Schmidt ausgetauscht, den ich bereits aus früheren Gesprächen kannte.

BPJ: Gab es Überlegungen, das Konzept zu verändern?

PAUL: Ja. Ich habe zwischenzeitlich überlegt, den Standort zu wechseln, andere und möglicherweise kleinere Flächen zu nutzen oder das Konzept so zu verändern, dass die Goldschmiede mit in den Verkaufsraum integriert wird. Für mich hätte es immer einen Weg gegeben, das Geschäft noch weitere 20 Jahre zu betreiben. Das wäre ohne grundlegende Schwierigkeiten möglich gewesen.

BPJ: Gab es etwas, das Sie rückblickend versäumt haben?

PAUL: Nein. Es gibt nichts, was ich als Versäumnis bezeichnen würde. Mein Vater hat sich über einige Jahre hinweg um bestimmte Bereiche weniger intensiv gekümmert, was den Mitbewerb gestärkt hat. Aber auch das würde ich nicht als Fehler werten. Sortimentpolitisch haben wir nichts versäumt. Im Gegenteil. Wir waren stets klar und richtig positioniert.

BPJ: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Alexander Schmidt?

PAUL: Ich habe ihn bereits vor vielen Jahren kontaktiert, als es um Überlegungen zu einem möglichen Standortwechsel ging. Wir führten damals ein sehr ehrliches und gutes Telefonat. Davon ist nichts nach außen gedrungen, was ich schon damals als bemerkenswert empfunden habe. Als ich Jahre später darüber nachdachte, wie ich den Abschluss des Geschäfts gestalten möchte, habe ich ihn erneut angerufen. Es war sofort ein Gespräch auf Augenhöhe, bei dem ich mich gut abgeholt gefühlt habe. Für mich war klar, dass ich in dieser Situation jemanden brauche, dem ich vertraue, mit dem ich offen sprechen kann und der versteht, dass es hier nicht um einen normalen Verkauf geht, sondern um den Abschluss eines Lebenswerks. Diese Rolle hat Herr Schmidt für mich übernommen.

BPJ: Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

PAUL: Es war kein Vergnügen. Ganz ehrlich gesagt wäre es ohne Unterstützung kaum möglich gewesen. Ich habe Marketing und Kommunikation studiert. Ich kann Konzepte entwickeln und mit Medien verhandeln. In dieser Phase war ich jedoch blockiert. Das lässt sich nicht vergleichen mit dem Verkauf eines Autos. Ich habe ein Lebenswerk aus der Familie beendet, dass meine Eltern aufgebaut haben, das ich übernehmen durfte und das ich zu meinem eigenen machen konnte. Gerade weil es sich nicht um einen normalen Verkaufsprozess, sondern um den Abschluss eines Lebenswerks handelte, war es für mich entscheidend, in dieser Phase nicht allein zu sein. Die Begleitung durch Herr Schmidt hat mir dabei die notwendige Unterstützung gegeben.

Alexander Schmidt Räumungsverkauf
Alexander Schmidt führt Gespräche auf Augenhöhe und holt dort ab, wo man Unterstützung braucht. © Alexander Schmidt

Die größere Herausforderung wäre langfristig personeller Natur gewesen.

Carola Paul, Juwelier Paul

BPJ: Sie hatten Unterstützung im Verkauf?

PAUL: Ja. Über Herrn Schmidt kam auch eine Mitarbeiterin zu uns, die für mich äußerst wertvoll war. Frau Bayerlein war sehr erfahren, ruhig und souverän. Sie hat Kundinnen und Kunden mit großer Ruhe und Selbstverständlichkeit zum Abschluss geführt. Gerade in dieser Phase war es für mich sehr hilfreich, dass Herr Schmidt nicht nur beratend an meiner Seite war, sondern auch ganz konkret mitgedacht und mitorganisiert hat. Das war für mich eine enorme Hilfe.

BPJ: Wie war der Start des Verkaufs?

PAUL: Damit hatte niemand gerechnet. Bereits in den ersten drei Tagen standen die Kundinnen und Kunden Schlange. Teilweise warteten sie über eine Stunde vor dem Geschäft, um überhaupt eintreten zu können. Am ersten Abend waren die Schaufenster vollständig leer. Wir haben sie anschließend noch zwei Stunden lang neu dekoriert.

BPJ: Was war das Erfolgsrezept?

PAUL: Es war der Mix aus Stammkundschaft, Schaufensterbeklebung und Laufkundschaft. Ich kann nicht sagen, welcher Faktor am besten funktioniert hat. Entscheidend waren die Menge und die Frequenz, die für entsprechende Bekanntheit gesorgt haben. Für mich war dabei wichtig, dass dieser Mix nicht spontan entstanden ist, sondern von Beginn an klar gedacht war. In der Zusammenarbeit mit Herr Schmidt habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, einen festen Rahmen zu haben und diesen konsequent einzuhalten, gerade in einer Phase, in der man selbst emotional stark gefordert ist. Das hat mir Sicherheit gegeben und den Ablauf insgesamt getragen.

BPJ: Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

PAUL: Ich habe viele Ideen. Die Übergabe der Räumlichkeiten hat sich um drei Monate verzögert, dadurch fehlt mir etwas Luft. Zunächst werde ich verreisen und zur Ruhe kommen. Danach werde ich weitersehen. Ich habe das Vertrauen, dass ich auf die Füße fallen werde.

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