Schweizer Uhrenmarken: Erste Erholungssignale, aber ungleich verteilt

Schweizer Uhren Rolex Patek Philippe Swatch Wirtschaft Zahlen

Markt nach dem Boom in der Bodenbildungsphase. © Freepik

Nach dem Rückgang seit 2024 mehren sich Hinweise auf eine Stabilisierung der Schweizer Uhrenindustrie. Doch die Entwicklung bleibt selektiv. Während einzelne Konzerne wie Richemont und Händler wie Watches of Switzerland wieder Wachstum melden, bestehen für den Fachhandel weiterhin wirtschaftliche Risiken.



Nach dem starken Nachfragezyklus von 2021 bis 2023 kühlte sich der Markt für Schweizer Uhren ab 2024 spürbar ab. Vor allem die schwächere Nachfrage aus China und eine Verschiebung der Ausgaben wohlhabender Kunden belasteten das Geschäft. Aktuell verdichten sich die Hinweise, dass der Tiefpunkt überschritten sein könnte. Von einer breiten Erholung kann jedoch noch nicht gesprochen werden.

Erste positive Signale von Herstellern

Der Richemont Konzern meldete zuletzt steigende Umsätze in seiner spezialisierten Uhrensparte. Besonders Cartier profitiert laut Unternehmen von Nachfrageimpulsen der Generation Z. Auch die Swatch Group zeigt sich vorsichtig optimistisch. CEO Nick Hayek stellte für 2026 wieder stärkeres Wachstum in Aussicht, nachdem sich das Geschäft in der zweiten Jahreshälfte 2025 stabilisiert hatte.

Im Hochpreissegment zeigt sich ein bekanntes Bild. Laut Morgan Stanley und LuxeConsult konnten die vier größten unabhängigen Marken – Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet und Richard Mille – 2025 Marktanteile gewinnen. Rolex verzeichnete zwar einen Stückrückgang um zwei Prozent auf rund 1,1 Millionen Uhren, steigerte jedoch den Verkaufswert um vier Prozent durch höhere Durchschnittspreise. Das bestätigt den Trend vom Volumen zum Wertwachstum.

Handel bestätigt robuste Nachfrage

Ein wichtiges Signal kommt aus dem Retail. Die Watches of Switzerland Group hat ihre Wachstumsprognose für das Geschäftsjahr 2026 von sechs bis zehn Prozent auf neun bis elf Prozent angehoben. Auf Basis eines Vorjahresumsatzes von rund 1,93 Milliarden Euro (umgerechnet aus 1,65 Milliarden Pfund) würde der Konzern nun etwa 2,10 bis 2,14 Milliarden Euro erreichen. CEO Brian Duffy betonte: „Es ist besonders erfreulich, diese Ergebnisse trotz eines ungewöhnlich volatilen Geschäftsumfelds zu erzielen.“ Das Unternehmen berichtet weiterhin von einer Nachfrage nach führenden Luxusmarken, die das Angebot in Großbritannien und den USA übersteigt.

Watches of Switzerland Boutique
Watches of Switerland meldet wieder vorsichtiges Wachstum, bleiben aber im volatilen Umfeld. © Watches of Switzerland

China bleibt der Schlüsselmarkt

Für die weitere Entwicklung richtet sich der Blick vor allem auf China. Die Exporte nach China und Hongkong legten im Januar wieder zu (Neujahrsfest). Laut Vontobel liegt die bereinigte Nachfrage im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Allerdings erfolgt die Verbesserung von einer niedrigen Basis. Die kommenden Quartale bleiben entscheidend.

Fachhandel zwischen Stabilisierung und Druck

Julie Palmer von BTG Advisory ordnet ein: „Wenn die Konsumausgaben weiter sinken, könnten Verbraucher dem Sparen Priorität einräumen. Hochwertige Uhren und Schmuck erweisen sich jedoch häufig als widerstandsfähig.“ Gleichzeitig sieht sie zunehmenden Konsolidierungsdruck im Handel, da kleinere Juweliere steigende Kosten und die Vertikalisierung der Marken schwerer abfedern können als große Gruppen.

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