Schluss mit Mittelmaß? Richemont trennt sich von Baume & Mercier

Der Verkauf von Baume & Mercier zeigt, wie der Konzern sein Portfolio auf High-End-Luxus und Preissetzungsmacht ausrichtet.© KI generated

Richemont zieht eine klare Linie im Uhrengeschäft. Mit dem Verkauf von Baume & Mercier an Damiani endet für die 196 Jahre alte Uhrenmarke ein langes Kapitel innerhalb des Schweizer Luxuskonzerns.



Baume & Mercier gehörte seit 1988 zu Richemont. Der Deal mit Damiani wurde bereits im Januar unterzeichnet und nun im Juli abgeschlossen. Damit übernimmt die italienische Schmuckgruppe die vollständige Kontrolle über eine Marke, die fast vier Jahrzehnte Teil des Richemont-Portfolios war.

Was Richemont nicht mehr braucht

Der Verkauf ist mehr als eine Portfolio-Bereinigung. Er zeigt, wohin Richemont seine Luxusstrategie entwickelt. Baume & Mercier stand lange für zugänglichen Luxus, also für hochwertige Schweizer Uhren in einem vergleichsweise erreichbaren Preisbereich.

Doch genau dieses Segment steht derzeit stärker unter Druck. Es lebt stärker von Volumen, Sichtbarkeit und Preis-Leistungs-Verhältnis als von extremer Preissetzungsmacht. Für einen Konzern, der mit Cartier, Van Cleef & Arpels, Buccellati und Vacheron Constantin am oberen Ende des Luxusmarktes stark wächst, passt dieses Profil immer weniger ins Bild.

Schmuck bleibt der Wachstumsmotor bei Richemont. © KI generated

Schmuck bleibt der Wachstumstreiber

Richemont zeigt aktuell besonders deutlich, wo die eigene Stärke liegt. Der Konzern profitiert vor allem vom Schmuckgeschäft. Die Jewellery Maisons wachsen stark und liefern hohe Margen. Auch der Konzerngewinn entwickelte sich zuletzt deutlich positiv.

Die Botschaft ist klar: Richemont konzentriert sich auf Marken, die höchste Preise durchsetzen können und gleichzeitig weltweit Begehrlichkeit erzeugen. Cartier ist dabei das beste Beispiel. Die Marke verbindet Ikonen, Schmuckkompetenz, internationale Strahlkraft und enorme Preissetzungsmacht.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Abschied von Baume & Mercier konsequent. Richemont entscheidet sich nicht gegen Uhrmacherei, sondern gegen ein Segment, das weniger gut zur neuen Luxuslogik passt.

Weg vom zugänglichen Luxus

Der Markt verändert sich. Einsteiger-Luxus war lange ein wichtiger Einstieg für Kunden, die sich der Welt hochwertiger Uhren nähern wollten. Doch heute wird gerade die Mitte schwieriger.

Viele Kunden sparen entweder an Ausgaben, oder sie gehen direkt in Richtung besonders starker Marken. Wer im oberen Luxussegment kaufen kann, sucht klare Namen, Wertstabilität, Exklusivität und emotionale Strahlkraft. Genau dort liegt Richemonts Schwerpunkt.

Baume & Mercier war eine traditionsreiche Marke, aber nicht der Wachstumsmotor, den Richemont für die nächste Phase braucht.

Für Damiani eine Chance

Für Damiani sieht die Rechnung anders aus. Die italienische Gruppe übernimmt mit Baume & Mercier eine historische Schweizer Uhrenmarke mit großem Namen und langer Geschichte.

Was bei Richemont möglicherweise zu wenig Fokus bekam, kann bei Damiani stärker in den Mittelpunkt rücken. Eine Heritage-Marke kann unter neuer Führung an Profil gewinnen, wenn sie gezielter geführt, klarer positioniert und stärker betreut wird.

Für Damiani ist Baume & Mercier daher kein Randthema, sondern eine Chance, das eigene Luxusportfolio um eine traditionsreiche Uhrenmarke zu erweitern.

BAUME & MERCIER. Mit der Übernahme durch Damiani beginnt für das traditionsreiche Schweizer Uhrenhaus ein neues Kapitel. © Baume & Mercier

Was das für den Fachhandel bedeutet

Für Juweliere zeigt dieser Schritt, wie stark sich die Branche neu sortiert. Marken im mittleren und zugänglichen Luxussegment müssen ihre Relevanz noch klarer beweisen. Geschichte allein reicht nicht mehr. Entscheidend ist, ob eine Marke im Verkauf Begehrlichkeit, Marge und Frequenz schafft.

Gleichzeitig bleibt das Potenzial groß, wenn eine Marke klar geführt wird. Baume & Mercier hat Tradition, Schweizer Herkunft und Wiedererkennbarkeit. Unter Damiani könnte daraus eine neue Chance entstehen, wenn Positionierung und Handelspartner überzeugend eingebunden werden.

Was ist eure Meinung?

War der Verkauf von Baume & Mercier ein logischer Schritt von Richemont oder könnte Damiani der Marke genau den Fokus geben, den sie zuletzt gebraucht hat?

Diskutiert mit uns auf LinkedIn oder schreibt der Redaktion von BlickPUNKT·Juwelier eure Einschätzung. Wir sind gespannt auf eure Meinung.

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