Grüne Lieferketten für Smaragde, Rubine, Saphire & Co.

Dr. Sebnem Duzgun (Leiterin des Instituts für Bergbautechnik an der Colorado School of Minin), Dr. Nicole Smith (Assistenzprofessorin und Projektleiterin), John W. Ford Sr. (CEO der AGTA, Kimberly Collins (Vorstandsmitglied der AGTA) und Jenna White (Doktorandin und Projektleiterin) © AGTA

Dr. Sebnem Duzgun (Leiterin des Instituts für Bergbautechnik an der Colorado School of Minin), Dr. Nicole Smith (Assistenzprofessorin und Projektleiterin), John W. Ford Sr. (CEO der AGTA, Kimberly Collins (Vorstandsmitglied der AGTA) und Jenna White (Doktorandin und Projektleiterin) © AGTA

Die American Gem Trade Association und die Colorado School of Mines starten ein Forschungsprojekt zu den ESC-Kriterien bei der Förderung von Farbedelsteinen.



Woher kommt der Edelstein und welche ökologischen und ethischen Standards wurden bei seiner Gewinnung und Weiterverarbeitung eingehalten? Auf diese Fragen wollen die für Nachhaltigkeitsthemen immer sensibleren Kunden heute möglichst detaillierte und überprüfbare Antworten und auch der gesetzliche Druck auf die Unternehmen – Stichwort EU Lieferkettengesetz – steigt.

Große Herausforderung

Die Lieferkette nach den ESC-Kriterien zu gestaltet, kontrollieren und dokumentieren ist in der Schmuckindustrie aber auf Grund der hohen Komplexität besonders schwierig. Zwar gibt es mittlerweile eine Reihe von Responsible Mining-Initiativen und für Diamanten zudem den Kimberley Process, doch die betreffen nur bestimmte Abschnitte der Lieferkette oder einzelne Rohstoffe und die Standards beruhen in der Regel auf freiwilliger Basis und werden auch nur unzureichend kontrolliert.

„Die Richtlinien, die für die verantwortungsvolle Beschaffung von Diamanten und Edelmetallen entwickelt wurden, sind nicht für die Lieferkette von Farbedelsteinen geeignet”, sagt John W. Ford Sr., CEO der American Gem Trade Association (AGTA), dem Verband des US-amerikanischen Schmuckhandels.

Smaragde aus dem Kagem-Mine in Sambia haben eine gut dokumentierte Herkunft, bei rund 80% aller Farbedelsteine ist sie aber noch mehr oder weniger intransparent. © Gemfields Group
Smaragde aus dem Kagem-Mine in Sambia haben eine gut dokumentierte Herkunft, bei rund 80% aller Farbedelsteine ist sie aber noch mehr oder weniger intransparent. © Gemfields Group

Minenfeld für ESC-Kriterien

Während Gold und Diamanten zum größten Teil im industriellen Rahmen gefördert werden, stammen rund 80 Prozent der weltweit geförderten Farbedelsteine aus dem kleingewerblichen Bergbau. Und dieser Sektor schneidet, den wenigen verlässlichen Daten zu Folge, in Sachen Umweltschutz und Einhaltung der Menschenrechte besonders schlecht ab und ist zudem stark von organisierter Kriminalität und bewaffneten Konflikten betroffen.

Dieses komplexes Problemfeld will die AGTA gemeinsam mit der Colorado School of Mines, einer der führenden geowissenschaftlichen Forschungseinrichtungen, aufräumen und hat das Projekt Transparent and Traceable Gemstone Supply Chains Initiative gestartet. „Unser Ziel ist es, die Transparenz und Rückverfolgbarkeit innerhalb der internationalen Bergbaugemeinschaft zu verbessern und die besten Praktiken an den Standorten weltweit zu ermitteln und festigen“, erklärt der AGTA-CEO.

„Wir wollen, dass die AGTA-Mitglieder über klare Best Practices für eine transparente und rückverfolgbare Lieferkette für Farbsteine verfügen”, ergänzt Kimberly Collins, AGTA-Vorstandsvorsitzende und Inhaberin von Kimberly Collins Colored Gems.

Die Schmuckkäufer fordern immer mehr Transparenz und die kommt auch den Menschen am Beginn der Lieferkette zu Gute. © Colorado School of Mining
Die Schmuckkäufer fordern immer mehr Transparenz und die kommt auch den Menschen am Beginn der Lieferkette zu Gute. © Colorado School of Mining

Wissenschaftliche Basis

Als Forschungsfeld hat man sich für die afrikanischen Staaten Kenia, Tansania, Madagaskar und Nigeria sowie Sri Lanka entschieden, einige der wichtigsten Herkunftsländer von Farbedelsteinen. Die Vorbereitungen für das Projekt starten bereits diesen März. Die Erhebung ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Daten in den Minenbetrieben vor Ort soll bis November abgeschlossen sein. Der abschließende Bericht wird Details zu mindestens zehn der wichtigsten Farbedelsteinen, darunter Smaragde, Rubine, Saphire, Tansanite oder Tsavorite umfassen und voraussichtlich im Frühling 2024 präsentiert. Für die Zukunft ist geplant, die „Transparent and Traceable Gemstone Supply Chains”-Initiative auf Fördergebiete in Südamerika und Asien auszuweiten.

Die wissenschaftliche Leitung des Projekts liegt bei Nicole Smith, Assistenzprofessorin für Bergbautechnik, und der Doktorandin Jenna White. Smith ist Kulturanthropologin und hat Forschungen über Tansanit-Händler in Tansania und Goldlieferketten in Peru durchgeführt. White ist eine erfahrene Forscherin mit 16 Jahren Erfahrung im Bereich der sozialen Verantwortung von Unternehmen und der internationalen Entwicklung, mit Schwerpunkt auf Umwelt- und Menschenrechten. Außerdem arbeitet sie an ihrem Abschluss als Diplom-Gemologin.

Ziel des Forschungsprojektes ist es, dass Farbedelsteine künftig nicht nur mit ihrer Schönheit, sondern auch bei der Nachhaltigkeit glänzen. © Shutterstock
Ziel des Forschungsprojektes ist es, dass Farbedelsteine künftig nicht nur mit ihrer Schönheit, sondern auch bei der Nachhaltigkeit glänzen. © Shutterstock
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