Lifestyle bleibt wichtig: Die Armbanduhr als Fashion-Accessoire

Lifestyle Uhren Fachhandel

Trendsetter mit Mehrwert: Wie der Fachhandel nachhaltig vom Zusammenspiel aus Technik, Design und Storytelling profitiert. © BPJ

Die Zeit zeigen Uhren nach wie vor an, aber das ist längst nicht mehr ihre wichtigste Funktion. Sie sind vor allem für die jungen Konsumenten, deren Präferenzen in der Branche zunehmend an Bedeutung gewinnen, ein sehr beliebtes modisches Accessoire, mit dem der persönliche Stil unterstrichen und der Garderobe der letzte Schliff verpasst wird.  Für den Fachhandel bleibt das Lifestyle-Segment wichtig und wird wahrscheinlich noch an Relevanz gewinnen.



Wie entwickelt sich der Uhrenmarkt? Auf welche Strategien setzen die Hersteller? Was sind die großen Branchentrends? Welche Marken, Modelle und Designs stehen bei den Konsumenten hoch im Kurs?  Welche Faktoren beeinflussen die Kaufentscheidung und  welche Rolle spielen dabei Alter und Geschlecht der Käufer? Mit der Beantwortung dieser und ähnlicher Fragen beschäftigen sich renommierte Beratungsunternehmen von Luxe Consult über Bain & Co und Deloitte bis Mc Kinsey seit vielen Jahren regelmäßig und akribisch. Ein umfassendes Bild liefern die Reports aber trotzdem nicht, denn sie beleuchten in der Regel nur zwei Teilaspekte, nämlich die Schweizer Marken sowie den Luxussektor. Beide haben zwar eine hohe Relevanz, aber bekanntlich ist die Uhrenwelt deutlich vielfältiger und größer. Swiss Made ist nicht immer gleichbedeutend mit Luxus, sondern steht in vielen Fällen auch für Marken im Mittelpreis- und Einsteigersegment. Uhren Made in Germany haben zu Recht einen guten Ruf – sowohl bei anspruchsvollen und zahlungskräftigen Kunden als auch bei solchen mit kleineren Budgets, und gleiches gilt für die japanischen Marken. Und dann gibt es noch die Gruppe der Fashion- bzw. Lifestyle-Uhren. Auch diese ist sehr heterogen und reicht von günstigen Quarz-Modellen bis zur feinen und entsprechend kostspieligen Haute Horlogerie.

Ein Segment mit vielen…

Man kann die Thematik durchaus mit einem Eisberg vergleichen. Die bekannten Swiss Made- und Luxus-Brands, allen voran Rolex, sind nur die Spitze.  Zu wissen, wie diese beschaffen ist und wohin sie treibt, ist zwar durchaus hilfreich, aber für die Navigation durch unsicheres Gewässer (angesichts der derzeitigen geopolitischen Lage ein durchaus zutreffender Vergleich) spielen die unter der Wasserlinie liegenden Eismassen eine entscheidende Rolle.

.. verschiedenen Facetten

Das Gros der Uhrenmarken mag  nach der Definition der großen Beratungsunternehmen nicht in der Luxusliga spielen, das Thema Luxus spielt aber dennoch eine durchaus wichtige Rolle. Denn Luxus ist keine fixe Größe, sondern relativ.. Es existiert kein klar festgelegter Betrag am Preisschild, ab dem ein Produkt generell als luxuriös wahrgenommen wird.  Verschiedene Konsumentenbefragungen haben gezeigt, dass die Mehrheit der Deutschen für eine Uhr maximal € 1,500,- auszugeben bereit ist. Deutlich niedriger, nämlich bei € 500,-, lag die Preisschwelle als das Allensbach Institut heuer die Deutschen befragt hatte, ob sie in den nächsten ein bis zwei Jahren eine Luxusuhr kaufen wollen. Das zeigt, wie vage der Luxusbegriff ist und dass sich damit auch abseits der Highend-Liga operieren lässt.

Ein ganz aktuelles Beispiel dafür ist Aston Martin. Seit 2004 bietet die britische Nobel-Automarke auch Uhren und hatte dafür mit Schweizer Herstellern auf Augenhöhe, wie Jaeger-LeCoultre, Richard Mille, TAG Heuer und Girard-Perregaux, zusammen gearbeitet. Nachdem durch den Einstieg in die Formel1 die weltweite Fangemeinde stark gewachsen ist, war es nur logisch, auch die Uhrenlinie und damit den Zugang zum Aston Martin-Lifestyle breiter aufzustellen. Dafür hat man sich die Timex Group ins Boot geholt . Im Oktober wurde die erste Kollektion lanciert, die Quarz- und  Automatikmodelle im typischen Look der Marke umfasst und mit Preisen von deutlich unter € 1.000,- eine breite Käuferschicht anspricht.

Das luxuriöse Flair über Uhren breiter zugänglich zu machen, ist auch bei Fashionbrands ein beliebtes und erfolgreiches Konzept. Seit 2021 ist Philipp Plein über eine Partnerschaft mit der WorldTime Watches & Jewelry SA in diesem Segment aktiv und für Anfang 2026 haben die Modelabel Off White und DKNY in Zusammenarbeit mit dem Lizenzpartner TMS Group den Launch ihrer Uhrenkollektionen angekündigt.

Der Einstieg neuer Player ist ein Indiz dafür, dass das Lifestyle-Segment, auch wenn es ein wenig im Schatten der Luxus-Liga zu stehen scheint, weiterhin höchst relvant bleiben wird. Immerhin rund die Hälfte der globalen Umsätze entfallen auf die Marken, die im unteren und mittleren Preisbereich positioniert sind und damit die große Mehrheit der Uhrenkäufer ansprechen. Und während die Luxusmarken ihren Vertrieb zunehmend in die eigenen Hände nehmen und ihre Händlernetze straffen, gibt es bei den Lifestyle-Marken keine solche Tendenzen. Sie halten den Fachhändlern nicht nur die Treue, sondern intensivieren vielfach die Zusammenarbeit. Denn der Weg ins Herz der Uhrenkäufer und an deren Handgelenke führt, e-commerce-Boom hin oder her, nach wie vor über den stationären Handel. Über 60% der Konsumenten, die Deloitte für seine Swiss Watch Industry Study 2025 befragt hat, kaufen Uhren im Laden, wobei Multimarken-Geschäfte (38%) beliebter sind als Monobrand-Boutiquen (23%). 51% nennen das Anprobieren als Hauptgrund, 44% die Beratung und den persönlichen Kontakt.

Nachdem im Lifestyle-Sektor der Konkurrenzdruck für die Marken besonders sehr hoch ist und sich wirtschaftliche Krisen stärker auf die Kaufbereitschaft auswirken, spielt die Präzenz an dem Ort, an dem die Kaufentscheidungen fallen, eine besonders wichtige Rolle.

Lifestyle Uhren Juwelier
Am Point of Sale: Beratung, Storytelling und klare Sortimentsstruktur sichern den Erfolg im Lifestyle-Uhrensegment. © BPJ

Auf der Höhe der Zeit

Wie das konkret aussieht, wo Wachstumspotenziale liegen und auf welche Trends und Maßnahmen man im kommenden Jahr fokussiert, hat BPJ bei zwei führenden Playern des Lifestyle-Segements in Erfahrung gebracht.

„Mit Citizen und BULOVA sind wir gut aufgestellt. Beide Marken – insbesondere BULOVA – haben noch großes Potential, das es auszuschöpfen gilt“, erklärt Karsten Isermann, Sales Director der Citizen Watch Europe G.m.b.H. „Bereits im Januar 2026 halten wir für unsere Partner ca. 30 Neuheiten in der Einstiegspreislage der Automatikuhren und der ECO-Dive Familie bereit. Auf der Inhorgenta werden wir dann sehr interessante Neuheiten der TSUYOSA Kollektion präsentieren sowie Jubiläumsmodelle für den 50. Geburtstag von ECO-DRIVE ankündigen können.“ Außerdem wird man auf der Messe auch einen Ausblick auf das gesamte Jahr bieten. „Unsere Partner sollen wissen, worauf und in welcher Größenordnung sie sich freuen dürfen. Das erleichtert die Planung und sichert entsprechende und notwendige Verfügbarkeit an Neuheiten in der 2. Jahreshälfte.“ +

Die große Stärke von Citizen sieht Issermann darin, dass das Unternehmen zu den wenigen Herstellern zählt, die vom Gehäuse über die Werke, Zeiger und Zifferblätter alle Komponenten inhouse fertigt und damit unabhägig von Zulieferern ist. Ein wichtiger Vorteil, wenn es darum geht, Markttrends rasch aufzugreifen. „Der Run auf farbenfrohe, mechanische Uhren ist nicht mehr so groß wie noch vor zwei Jahren. Wir können darauf reagieren, indem wir das Nachhaltigkeitskonzept der Eco-Drive Familie wieder stärker betonen“, nennt er ein konkretes Beispiel. Für den Fachhandel sei es angesichts der aktuellen Marktlage wichtig sich noch stärker als bisher zu positionieren. „Ein signifikanter Modetrend ist derzeit für mich nicht erkennbar. Stattdessen wird auf verlässliche und bekannte Werte und Marken gesetzt. Die jüngere Generation hat in den letzten Jahren die mechanische Uhr für sich entdeckt. Als traditioneller Uhrenhersteller haben wir davon profitiert -genauso wie unsere Partner, die den Weg mitgegangen sind. Daher bleibt es kurzfristig wichtig, Schwerpunkte im Sortiment zu setzen und besser Tiefe als Breite zu präsentieren“, lautet sein Rat. „Wachstum sehen wir vor allem im gut positionierten Lifestyle-Segment zwischen Einstiegs- und mittlerem Preispunkt. Juweliere profitieren von Marken, die emotional aufgeladen sind und eine klare Zielgruppe ansprechen. Zusätzliche Impulse entstehen durch Events, Social-Media-Aktivitäten und markenbezogene Storytelling-Konzepte. Entscheidend ist die konsequente Umsetzung am POS“, erklärt Robert Grasmeier von Time and More, dem Vertriebspartner zahlreicher bekannter Marken wie Philipp Plein, Adidas, Aston Martin, Swiss Alpine Military oder Roamer Switzerland. „Für den Fachhandel wird es immer wichtiger, Marken nicht nur zu führen, sondern erlebbar zu machen. Klare Preislagen, verständliche Kollektionen und eine saubere Warenrotation sind entscheidend für nachhaltigen Erfolg. Wir  unterstützen Juweliere mit markenspezifischen Konzepten, Schulungen und POS-Unterlagen. Ziel ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe.“

Time and More Aston Martin Uhren
Vom Asphalt ans Handgelenk: Aston Martin verbindet Automobil-Design mit feiner Uhrmacherkunst und markantem Schmuckdesign. © Time and More

Verschiedene Konzepte

Die Markenagenda folgt dabei einer klaren Linie aus stärkerer visueller Wiedererkennbarkeit, reduzierten Kollektionen und klar definierten Preislagen. Philipp Plein setzt auf ausdrucksstarke Designs und limitierte Highlights, Aston Martin steht für sportliche Eleganz und technische Präzision. GUESS fokussiert sich 2026 stärker auf modische Aktualität, schnelle Kollektionswechsel und hohe Wiedererkennbarkeit, während Adidas mit sportivem Lifestyle, klarer Funktionalität und starker Markenbekanntheit punktet. „Alle Marken investieren verstärkt in Storytelling und internationale Markenstärke – das schafft Orientierung und messbare Abverkaufsimpulse für den Fachhandel“, erläutert Grasmeier und gibt auch gleich eine Trendprognose: „Der Uhrenkauf wird zunehmend von Lifestyle-Aspekten geprägt. Kunden suchen Individualität, modische Akzente und eine klare Markenidentität. Auffällige Designs, Farben und starke Gehäuseformen gewinnen weiter an Bedeutung. Die Uhr bleibt ein Accessoire mit emotionalem Mehrwert.“

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