Wie abhängig ist Richemont von Cartier wirklich?

Ein Blick auf die jüngsten Geschäftszahlen zeigt: Nicht alle Marken tragen gleichermaßen zum Erfolg des Konzerns bei. © CartierI KI-generiert

Während viele Luxusmarken mit einer schwächeren Nachfrage kämpfen, spielt sich bei Richemont eine bemerkenswerte Entwicklung ab. Eine Sparte des Schweizer Luxuskonzerns läuft so erfolgreich, dass sie inzwischen mehr Gewinn erwirtschaftet als der gesamte Konzern zusammen. Was steckt dahinter – und was bedeutet das für den Fachhandel?



Wer an Richemont denkt, denkt an große Namen wie Cartier, Van Cleef & Arpels, IWC oder Jaeger-LeCoultre. Doch ein Blick auf die jüngsten Geschäftszahlen zeigt: Nicht alle Marken tragen gleichermaßen zum Erfolg des Konzerns bei.
Tatsächlich stammt der Löwenanteil des Gewinns aus dem Schmuckgeschäft. Cartier und Van Cleef & Arpels erwirtschafteten im vergangenen Geschäftsjahr gemeinsam rund 16,5 Milliarden Euro Umsatz und erzielten dabei eine operative Marge von rund 30 Prozent. Das entspricht einem Gewinn von etwa fünf Milliarden Euro – mehr, als der gesamte Richemont-Konzern unter dem Strich erwirtschaftete.

Warum Kunden immer wieder zu Cartier greifen

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Cartier gehört zu den wenigen Luxusmarken, die über Generationen hinweg Produkte geschaffen haben, die heute fast Kultstatus genießen.
Ob die Tank-Uhr aus dem Jahr 1917 oder das berühmte Love-Armband – viele dieser Designs haben sich über Jahrzehnte kaum verändert und zählen bis heute zu den Bestsellern. Kunden betreten die Boutiquen oft mit einem konkreten Wunschprodukt im Kopf.
Diese enorme Markenstärke ermöglicht es Cartier sogar, Preise anzuheben, ohne die Nachfrage zu bremsen. Ein Luxus, von dem viele andere Marken derzeit nur träumen können.

Nicht jede Sparte glänzt

Während das Schmuckgeschäft neue Rekorde aufstellt, sieht die Lage in anderen Bereichen deutlich nüchterner aus. Das Uhrensegment stagniert seit Jahren und arbeitet nur mit vergleichsweise niedrigen Margen. Auch die Modesparte bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Besonders kostspielig entwickelte sich das Online-Geschäft. Nach jahrelangen Verlusten trennte sich Richemont von großen Teilen seiner E-Commerce-Aktivitäten – ein Schritt, der den Konzern Milliarden kostete.

Was bedeutet das für den Fachhandel?

Die Zahlen zeigen vor allem eines: Kunden investieren derzeit besonders dort, wo Marken über Jahrzehnte hinweg Begehrlichkeit, Wiedererkennbarkeit und emotionale Bindung aufgebaut haben.
Für den Fachhandel könnte das ein wichtiger Hinweis sein. Zeitlose Schmuckkollektionen, starke Markengeschichten und ikonische Produkte scheinen aktuell widerstandsfähiger gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen zu sein als viele andere Luxussegmente. Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig es ist, Kunden nicht nur ein Produkt, sondern auch dessen Geschichte und Bedeutung zu vermitteln.

Ob sich dieser Trend langfristig fortsetzt, bleibt abzuwarten. Die aktuellen Richemont-Zahlen zeigen jedoch eindrucksvoll, welche Kraft starke Schmuckmarken heute noch entfalten können.

Was ist eure Meinung?

Sind Schmuckmarken derzeit tatsächlich der stärkere Wachstumstreiber im Luxussegment? Oder handelt es sich bei Richemont um einen Sonderfall, weil Cartier und Van Cleef & Arpels über eine außergewöhnliche Markenstärke verfügen, die nur schwer zu vergleichen ist?
Diskutiert mit uns auf LinkedIn oder schreibt der Redaktion von BlickPUNKT·Juwelier eure Einschätzung. Wir sind gespannt auf eure Meinung.
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