Kommentar zur Apple Watch 6: Hart für Fossil & Co.

Zur neuen Apple Watch Series 6 kommentiert Ulrich Voß, Chefredakteur „Blickpunkt Juwelier“.


Typisch Apple: Bei der Vorstellung der neuen, mittlerweile sechsten Generation der Uhr gab es keine echten Innovationen – und trotzdem wird auch dieses Mal die Community nicht enttäuscht sein.

Die wichtigste technische Neuerung der Apple Watch Series 6 ist die Messung der Sauerstoffsättigung im Blut – bei Garmin ist dies ein alter Hut und in den beim Juwelier verkauften Modellen Fenix oder Marq längst Standard. Auch weitere Neuerungen wie beispielsweise ein besser ablesbares Display oder ein Silikon-Uhrenarmband ohne Verschluss reißen nicht vom Hocker. Zumal ein verschlussloses Armband erst in der Praxis zeigen wird können, ob es sinnvoll ist. Schließlich benötigt man genau für hochsensible Messungen wie der Sauerstoffsättigung oder der Sauerstoffaufnahme (VO2max) eine eng anliegende Uhr. Ein echter Schwachpunkt der Apple Watch im Vergleich zum Mitbewerb wurde dagegen nicht beseitigt. Die Akkulaufzeit wird unverändert mit rund 18 Stunden angegeben. Lediglich die Aufladezeit soll verkürzt sein und einige Workouts sollen weniger Strom verbrauchen. Es bleibt aber beim allabendlichen Aufladen – was das Schlaftracking wieder futsch macht.

Trotzdem aber unterstreicht die Funktion der Sauerstoffsättigung die generelle Entwicklung der Apple-Watch von einer Lifestyle- hin zu einer Fitness- und Gesundheitsuhr. Spannend wird die Frage sein, ob Apple versuchen wird, diese Funktion der Sauerstoffsättigungsmessung medizinisch zugelassen zu bekommen. Ein ähnlicher Erfolg ist dem Tech-Unternehmen bereits bei zwei weiteren Anwendungen der Apple Watch 4 gelungen. Seit März 2019 sind die beiden Apps zur Überwachung auf Vorhofflimmern und EKG-Aufzeichnung in Europa als Medizinprodukte zugelassen. Sollte dies auch bei der Sauerstoffsättigung gelingen, ergeben sich ganz neue Absatzmöglichkeiten für die Uhr, denn bisher kann die Sättigungsmessung nur mit sündteuren Pulsoxymetern gemessen werden, die man von der Krankenversicherung für den Alltagsgebrauch geliehen bekommt.

Aus kommerzieller Sicht wird die Einführung der günstigeren SE-Version relevant werden. Hier können sich Fashionanbieter wie Fossil warm anziehen. Zur Erinnerung: Denn bereits kurz vor (!) der Premiere der ersten Fossil Q-Modelle im November 2017 wurden die weltweiten Verkaufspreise um rund 20 % gesenkt – angeblich weil der Preisunterschied zur Apple Watch zu gering war. Mit der neuen SE-Version kostet der Einstieg in die smarte Welt der Apple-Uhren weniger als 300 Euro! Dies darf getrost als Angriff auf Fossil & Co. gesehen werden.

Auch kann man davon ausgehen, dass die Schere der Preisgestaltung bei Apple weiter aufgehen wird. Das Beispiel Garmin zeigt, wie erfolgreich der Weg in höhere Preisbereiche sein kann. Mittlerweile sind die Durchschnittsverkaufspreise von Garmin-Uhren bei Exklusivhändlern bei über 1.000 Euro angekommen. Die Luft nach oben wird also nicht dünner. Es ist davon auszugehen, dass es künftig auch exklusive Apple-Versionen für mehr als 515,65 Euro geben wird – nur eben nicht beim Juwelier.

Mehr zur neuen Apple Watch Series 6 lesen Sie in unserem News-Bericht.

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