Massive Kritik an Hirsch

Juweliere üben massive Kritik am Uhrenarmband-Hersteller Hirsch. Neben Kollektionsveränderungen geht es auch um den Direktvertrieb.

Zahlreiche Juweliere sind sauer auf ihren Uhrenarmband-Lieferanten Hirsch. Die Kritik auf der Facebook-Gruppe von „Blickpunkt Juwelier“ entzündet sich am neuen Schnellwechselsystem. Im Kern geht es aber um die Frage, ob Hirsch weiterhin zum Fachhandel steht oder den Direktvertrieb favorisiert.


Stein des Anstoßes ist das neue Anstoßsystem „Quick-Release“ von Hirsch. Ein Juwelier der Facebook-Gruppe von „Blickpunkt Juwelier“ fragte seine Kollegen, ob er denn der einzige sei, der Probleme mit dem Selbstwechsel-Mechanismus habe. Die Reaktionen der Kollegen kamen schnell, zahlreich und weiteten sich immer mehr aus. Stand heute stehen auf der „Guthaben-Seite“ von Hirsch zwei Punkte, auf der Gegenseite ein Vielfaches mehr. Die Redaktion von „Blickpunkt Juwelier“ hat die Punkte ausgewertet und die Firma Hirsch um Antworten gebeten.

Auf der „Positiv-Seite“ der Kommentare stehen vor allem zwei Punkte. Zum einen wird die Qualität ausdrücklich gelobt. Mehrere Juweliere berichteten von wenigen Problemen in teils jahrzehntelanger Zusammenarbeit. Hirsch ist Weltmarktführer bei hochwertigen Uhrenarmbändern. Das Unternehmen aus dem österreichischen Klagenfurt, man kann getrost von Manufaktur sprechen, entwickelt und produziert ausschließlich in Klagenfurt und hat somit die komplette Kontrolle in allen Qualitätsangelegenheiten.

Zweiter Punkt, der ausdrücklich gelobt wird, ist der Außendienst. Er würde sich nach „besten Kräften“ bemühen, schreibt ein Juwelier. Ein anderer berichtet von großer Kulanz bei Problemen. Der Punkt „Außendienst“ wird allerdings auch negativ bewertet. Zahlreiche Juweliere berichten davon, keinen Besuch des Außendienstes mehr zu bekommen. Ein Händler berichtet, dass sein Außendienstler nur nach Bedarf komme, man solle online bestellen.

Weitere Kritikpunkte sind der aktuelle Aufreger, das Hirsch Quick-Release-System, mit dem zahlreiche neue Bänder ausgestattet sind. Die Juweliere bemängeln, dass die Ansätze nicht immer passen und die Stege dann kaum zu wechseln seien. Probleme bereiten vor allem Spezial-Ansätze, beispielsweise bei eng anliegenden Gehäusen oder gebogenen Federstegen. Hier könne man die mit einem Noppen versehenen Stege nicht oder nur schwer herausbekommen.

Bemängelt wird auch die Preisauszeichnung. Nach Angaben der Juweliere sind die Bänder nicht mehr einzeln an der Ware ausgezeichnet, sondern es gibt ein Preisblatt. Weiter wird bemängelt, dass es vor allem bei Damenbändern einige Längen nur in L gibt, das Anfertigen einer M-Größe sehr teuer sei. Insgesamt, so äußerten sich zahlreiche Juweliere, würden die Preise permanent steigen, die Margen für die Händler aber sinken.

Neben den Kritikpunkten am Produkt bringt einige Juweliere die neue Unternehmensstruktur auf die Palme. Nach unbestätigten Berichten eines Insiders zieht sich CEO Robert Hirsch immer weiter aus dem Unternehmen zurück und überlässt die Geschäfte seinen beiden Söhnen Nikolaus und Matthäus. Nikolaus Hirsch ist zuständig für Marketing und Verkauf, sein um ein Jahr jüngerer Bruder Matthäus kümmert sich um Produktion und Logistik. Was die Juweliere erzürnt: Die junge Generation habe nur den Direktvertrieb im Auge und vernachlässige den Juwelier. Schon allein das große Engagement bei der Umstellung der Kollektion auf die Quick-Release-Bänder spreche dafür, wird vermutet. Erste Reaktionen würde man schon am P.O.S. merken, schreiben einige Juweliere. Zum einen lasse die Zahl der verkauften Bänder nach, was diese Juweliere auf den Direktvertrieb zurückführen. Zum anderen berichten Juweliere von Kunden, die ihre Bänder im Netz gekauft und dann erst gemerkt hätten, dass sie nicht passen und nun für die Montage zum Juwelier kommen. Zahlreiche Juweliere berichteten, dass sie ihren Unmut gegenüber Hirsch kundgetan hätten, aber nichts passiert sei. Ein Mitglied der Facebook-Community hofft nun, dass die Konversation mit derzeit mehr als 50 Beiträgen auch von der Geschäftsleitung der Firma Hirsch wahrgenommen wird.

„Blickpunkt Juwelier“ hat sich mit Fragen über die geplante Zusammenarbeit mit dem Fachhandel an die Firma Hirsch gewandt. Wir bleiben dran!

 

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