Rolex lässt die Muskeln spielen

Premium-Juweliere mit großem Uhrenanteil haben es derzeit nicht leicht. Auch Rolex zeigt sich stark. Foto: Baselworld 2019

Premium-Juweliere mit großem Uhrenanteil haben es derzeit nicht leicht. Auch Rolex zeigt sich stark. Foto: Baselworld 2019

Zahlreiche Uhrenlieferanten verschärfen den Ton zum Juwelier. Selbst Primus Rolex ist daran nicht unbeteiligt. Ein Kommentar von Ulrich Voß, Chefredakteur von „Blickpunkt Juwelier“.


Premium-Juwelier müsste man sein! Wer die Berichterstattung unserer Serie „Premium – echte Partnerschaft“ liest, könnte den Eindruck bekommen, dass oben alles gut ist. Millionäre gibt es weiterhin, und da sie derzeit nicht auf Reisen, in die Oper oder auf Feste gehen können, profitiert der Premium-Juwelier – trotz Lockdown.


Also alles gut für den Premium-Juwelier? Ja und Nein, lautet die Antwort. Denn unsere „Premium“-Berichterstattung bezieht sich lediglich auf den Schmucksektor, auf das, was den Juwelier als „Juwelen“-Spezialisten ausmacht. Und hier geht es dem Handel in der Tat weiterhin vergleichsweise gut. Zwar hört man vereinzelt Stimmen, die von schlecht gelaunten Millionären berichten, denen es ans Eingemachte geht. Doch unterm Strich sind die Juweliere mit den Schmuckumsätzen zufrieden, sie haben Perspektive und können auch Preissteigerungen einiger Schmuckmarken verkraften, die im Schatten der Goldpreisentwicklung derzeit erhoben werden.

Bei den Uhren allerdings wird mit härteren Bandagen gekämpft. Es scheint, als ob die Marken derzeit versuchen, den Kuchen neu zu verteilen. Breitling schlägt eine härtere Gangart an. TAG Heuer kündigt auch gute Adressen und selbst Rolex lässt die Muskeln spielen. Die Marke will an jedem P.O.S. eine repräsentative Anzahl an Uhren sehen. Diese Modelle sollen immer vorhanden sein. Wir erinnern uns – Rolex, das ist genau die Marke, die vor kurzem noch flächendeckend vergriffen war. Nicht selten sah man Schaufenster mit extrem wenig Ware, vor allem wenigen Sportmodellen aus Stahl. Es gab auch schon Schaufenster mit Schildern „Unverkäufliches Ausstellungsexemplar“. Diese für den Konsumenten verwunderliche Situation soll sich nun ändern. Zwar gibt es für die einzelnen P.O.S. keine genau definierten Verpflichtungen für die Dekoration, allerdings soll das Fenster eine repräsentative Auswahl zeigen – also beispielsweise auch begehrte Stahlsportmodelle.

Bei jeder anderen Marke würde man sagen, dass es ein Versuch ist, dem Juwelier ein Lager aufzubrummen. Bei Rolex dagegen wird es eine langfristig angelegte Überlegung sein. So wie Patek Philippe die begehrtesten Bestseller aus Stahl aus der Kollektion nimmt, um den Fokus stärker auf komplizierte Edelmetalluhren zu legen und einer image-verändernde Entwicklung entgegenzusteuern, so wird auch Rolex mit der Situation der leeren Schaufenster nicht zufrieden sein. Der Konzessionär muss wieder auffüllen und einen Querschnitt der Kollektion zeigen. Für die Marke ist dies gut. Dort wo Rolex draufsteht, sollte auch Rolex zu sehen sein.

Wie man dieses Vorgehen nennen könnte? Letztlich ist es eine Hilfestellung für den Juwelier. Seine zentrale Aufgabe als Uhrenhändler ist es, eine interessante und verfügbare Produktauswahl vor Ort zu zeigen. Rolex stellt dies sicher, indem viele Modelle immer lagernd vorhanden sein müssen und erst verkauft werden dürfen, wenn ein zweites Modell im Geschäft ist. Ergo: Mit seiner doppelten Lagerführung holt Rolex seine Handelspartner zurück ins Spiel.

Auf Nachfragen von „Blickpunkt Juwelier“ bei einigen Rolex-Konzessionären zeigt sich ein gespaltenes Bild. Die einen Juweliere müssen schlucken und suchen Zwischenfinanzierungen für die großen Pakete aus Köln. Wer kann schon eben schnell mal eine mitunter hohe sechsstellige Summe aufbringen? Die anderen freuen sich, endlich ein Lager aufbauen zu können und eine insgesamt konstantere Liefersituation zu haben. In Zeiten, in denen es auf der Bank keine Zinsen gibt, wird es wohl kein besseres Invest geben.

Auf der anderen Seite wird man den Eindruck nicht los, dass die Zahl der Rolex-P.O.S. in Deutschland kleiner wird. Kappelmeier, Kühn, Kittel, Winnebeck mussten das Logo abnehmen, dem Vernehmen nach ist aktuell ein großer Name dazugekommen. Fakt ist, die Leerstände in den großen Städten sorgen auch bei den Luxusmarken für Diskussionen. Das Erscheinungsbild muss topp sein! Rolex sorgt dafür. Gut so. Aber: Die großen Marken werden sich groß zeigen und die kleineren verdrängen.

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