TRAURING-BUSINESS 2020: Deutlich gestiegener Durchschnittspreis bei Eheringen

In einer jüngst vom Blickpunkt Juwelier durchgeführten Umfrage bei Trauringherstellern und Einzelhändlern im deutschsprachigen Raum kamen erstaunlich verblüffende Ergebnisse zu Tage.


Stellt man die Frage nach dem Durchschnittspreis für ein Paar Eheringe, so ist eine erstaunliche Entwicklung zu erkennen. Vor Kurzem lag der Durchschnittspreis für das Paar Trauringe bei ca. 900 Euro, 2020 hingegen entwickelte sich dieser deutlich nach oben. Das verblüffende Ergebnis: Mittlerweile wird der Durchschnittspreis mit 1.450 Euro angegeben. Eine kräftige Steigerung des Preisniveaus, die unter anderem, aber nicht nur, auf den gestiegenen Goldpreis zurück zu führen ist.

Blickpunkt Juwelier hat sich mit Trauringprofi Wolfgang Fischer von Fischer Trauringe über die aktuelle Marktsituation unterhalten und aufschlussreiche Antworten erhalten.

Wolfgang Fischer

BPJ: Wo sehen Sie derzeit die Gründe für den gestiegenen Durchschnittspreis und begünstigen Ihrer Meinung nach Umstände, wie z.B. der Wegfall von „Mitkonkurrenten“ im Hochzeitsbudget (Brautkleid, Catering, Hochzeitsreise, etc.), dass Kunden dazu bereit sind, mehr Geld für Trauringe auszugeben?

Wolfgang Fischer: „Es gibt verschiedene Einflussfaktoren, die den Durchschnittspreis momentan steigen lassen. Der aktuelle Goldpreis ist natürlich ein wichtiger Grund (…). Es lassen sich jedoch auch die Auswirkungen erkennen, die die Corona-Zeit gerade mit sich bringt: Wenn Hochzeitsfeste nicht bzw. nur in kleinem Rahmen stattfinden dürfen und die Reise in die Flitterwochen in diesem Jahr abgesagt wird, dann kommt ein Teil des frei gewordenen Budgets den Trauringen zu Gute. Aber ganz abgesehen von diesen Gründen findet bei den Brautpaaren langsam ein Umdenken statt. Eheringe werden (hoffentlich) ein ganzes Leben am Finger getragen, wohingegen das Brautkleid nach nur einem Tag wieder im Schrank verschwindet. Den Trauringen wird wieder mehr Wert beigemessen.“

BPJ: Kann der Juwelier etwas dafür, dass der Durchschnittspreis bei Trauringen gestiegen ist, oder liegt dies rein am gestiegenen Goldpreis?

Wolfgang Fischer: „Der Juwelier kann in den meisten Fällen „etwas dafür“, wenn es um den Verkauf von Trauringen geht. Als guter Berater bzw. Verkäufer kann er durchaus beeinflussen, mit welchen Ringen ein Brautpaar nach Hause geht. Wenn es ihm beispielsweise gelingt, seinen Kunden klarzumachen, dass sie das Feingold bei 18 Karat „günstiger“ einkaufen, als in Ringen aus 14 Karat. Überhaupt schafft es ein sehr guter Verkäufer mit den richtigen Argumenten meist höherwertiger zu verkaufen.“

BPJ: Wie lässt sich die „Komfortzone“ mit dem hohen Preisniveau für Juweliere halten? Wie kann es gelingen, die Preise hoch zu halten, wenn z.B. wieder Reisen und Feiern stattfinden können?

Wolfgang Fischer: „Auch nach der Corona-Pandemie wird der Durchschnittspreis von Trauringen nicht gleich wieder signifikant sinken. Es hängt viel vom Juwelier ab und wie gut es ihm gelingt die Erwartungen des Brautpaares, z.B. auf einen Erlebniskauf, zu bedienen. Durch gute Beratungsgespräche (siehe Antwort 2) kann der Juwelier immer ein gewisses Preisniveau bei Trauringen erzielen. Dies ist natürlich an Voraussetzungen geknüpft wie unter anderem die Expertise mit Trauringen. Wir bieten unseren Juwelieren regelmäßige Schulungen an, um sich zu Themen wie Material und Technik, Verkauf und Marketing oder auch digitale Tools (z.B. Konfischerator) weiterzubilden und auf dem neuesten Stand zu halten. Momentan finden unsere Seminare aus gegebenem Anlass nicht statt, aber sobald es die Corona-Maßnahmen wieder zulassen, dürfen unsere Partner wieder auf unsere Seminare zählen.“

BPJ: Was empfehlen Sie Ihren Juwelieren für 2021, um im Markt zu bestehen bzw. ihre Position auszubauen zu können? (Umbaumaßnahmen, Einkaufserlebnis, Konfischerator)

Wolfgang Fischer: „Die Patent-Lösung wird es leider nie geben! Aber es gibt einige Trends, vor denen wir nicht die Augen verschließen sollten. Damit meine ich z.B. das Thema Online. (…) es geht nicht darum, dass Juweliere plötzlich nur noch online verkaufen sollten. Hier geht es aber beispielsweise um einen guten Internetauftritt, der praktisch das zweite Schaufenster ist. (…) wie die Auslage im stationären Schaufenster, sollten für Interessenten einige wichtige Informationen verfügbar sein: aktuelle Öffnungszeiten und Kontaktmöglichkeiten, welche Produkte und Marken den Besucher erwarten, etc. Da wir wissen, dass viele Juweliere Verkäufer, Einkäufer, Personaler, Online-Fachmann usw. in Personal-Union sind, haben wir eine Lösung gefunden, um zumindest das Online-Thema für unsere Juwelierpartner zu vereinfachen. In Zusammenarbeit mit unserer Digital-Agentur ist ein umfangreiches Konzept entstanden, Juwelieren mit Fragestellungen im Online-Bereich bedürfnisorientiert Lösungen anzubieten. Ob es darum geht, eine Website von Grund auf neu zu kreieren, um Suchmaschinenoptimierung oder Google Ads, oder um Unterstützung in Sozialen Netzwerken – aus einem großen Portfolio kann genau die Leistung ausgewählt werden, die perfekt zum Bedarf des Juweliers passt.“

BPJ: Herr Fischer, vielen Dank für das Gespräch!

Im zweiten Teil des Interviews erfahren Sie was ein Konfigurator beim Verkauf von Eheringen bewirken kann.

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