Westwing eröffnet zehnten Store: Warum stationäre Präsenz wieder wichtiger wird

Westwing eröffnet in Frankfurt seinen zehnten Store in Deutschland. © Westwing Group SE

Als Westwing 2011 startete, stand das Unternehmen beispielhaft für den Aufstieg des E-Commerce. Heute, 15 Jahre später, investiert der Münchner Einrichtungshändler ausgerechnet in stationäre Verkaufsflächen. Mit Frankfurt eröffnet Westwing seinen zehnten Store in Deutschland. Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der viele Händler ihre Filialnetze neu bewerten. Warum also zusätzliche Fläche statt weiterer Konzentration auf das Onlinegeschäft?



Wer derzeit durch deutsche Innenstädte geht, erkennt zwei Entwicklungen gleichzeitig. Einerseits verschwinden bekannte Handelsketten aus guten Lagen oder reduzieren ihre Präsenz. Andererseits entstehen an denselben Standorten neue Konzepte, die weniger als klassische Verkaufsflächen funktionieren, sondern stärker als Orte für Markenpräsenz und Kundenerlebnis.

Westwing zählt zu jenen Unternehmen, die diesen Weg verfolgen. Der neue Store in Frankfurt befindet sich an der Ecke Kaiserstraße und Neue Mainzer Straße, nur wenige Schritte vom Willy-Brandt-Platz entfernt. Auf mehr als 300 Quadratmetern zeigt das Unternehmen ausgewählte Teile seines Sortiments aus Möbeln, Wohnaccessoires und Dekorationsartikeln.

Oft geht es darum, Produkte erlebbar zu machen und Vertrauen in die Marke aufzubauen. © Westwing Group SE

Der Showroom ersetzt nicht den Onlineshop

Interessant ist dabei weniger die Eröffnung selbst als die Funktion, die solche Standorte inzwischen übernehmen. Noch vor einigen Jahren wurden stationäre Geschäfte und Onlinehandel häufig als Gegensätze betrachtet. Entweder kaufte der Kunde im Laden oder im Internet. Diese klare Trennung gibt es heute kaum noch.

Viele Kunden beginnen ihre Suche online, möchten Produkte vor einer Kaufentscheidung aber sehen, anfassen oder vergleichen. Gerade bei Möbeln und Einrichtung ist dieser Punkt besonders wichtig. Stoffe wirken auf einem Bildschirm anders als im Raum. Farben verändern sich je nach Licht. Größenverhältnisse lassen sich oft erst vor Ort richtig einschätzen.

Für Händler bedeutet das: Der Store muss nicht das gesamte Sortiment abbilden. Oft geht es darum, Produkte erlebbar zu machen und Vertrauen in die Marke aufzubauen. Der eigentliche Kauf kann anschließend weiterhin online erfolgen.

Warum Frankfurt für Westwing interessant ist

Dass Westwing Frankfurt als weiteren Standort wählt, ist nachvollziehbar. Die Stadt zählt zu den kaufkraftstarken Märkten in Deutschland und verfügt über ein internationales Publikum. Gleichzeitig ist der Wettbewerb um attraktive Innenstadtlagen hoch.

Für Marken im gehobenen Einrichtungssegment bleibt Frankfurt deshalb ein relevanter Standort. Dort treffen Berufspendler, internationale Fachkräfte und eine vergleichsweise einkommensstarke Kundschaft aufeinander.

„Frankfurts internationaler Charakter, die ausgeprägte Affinität zu Design und die Bedeutung als führender Wirtschaftsstandort machen die Stadt zu einem äußerst attraktiven Standort für Westwing“, sagt CEO Andreas Hoerning.

Frankfurt ist dabei nicht die einzige Erweiterung des Unternehmens. Westwing baut seit einiger Zeit sowohl sein Filialnetz als auch seine internationale Präsenz aus. Erst Anfang des Jahres erschloss der Münchner Händler mit Großbritannien seinen 23. europäischen Markt und wagte damit den Schritt in den zweitgrößten Online-Home-&-Living-Markt Europas.

Westwing erweitert damit seine stationäre Präsenz im Home-&-Living-Segment. © Westwing Group SE

Der Handel sucht neue Rollen für die Fläche

Westwing steht mit dieser Entwicklung nicht allein. In vielen Branchen verändert sich derzeit die Rolle stationärer Flächen. Verkaufsräume werden kleiner, stärker kuratiert und zunehmend als Kontaktpunkte zwischen Marke und Kundschaft verstanden.

Die klassische Logik, möglichst viele Produkte auf möglichst vielen Quadratmetern zu präsentieren, verliert an Bedeutung. Stattdessen gewinnen Beratung, Produktinszenierung, Service und Markenerlebnis an Gewicht.

Ob dieses Modell langfristig aufgeht, wird sich zeigen. Fest steht jedoch: Die Vorstellung, dass erfolgreiche Onlinehändler auf stationäre Präsenz verzichten müssen, gehört zunehmend der Vergangenheit an. Die Eröffnung in Frankfurt ist dafür ein weiteres Beispiel.

Wenn Omnichannel zur Logistikfrage wird

Die stärkere Verbindung von Onlinehandel und stationärer Präsenz stellt Händler zugleich vor neue Anforderungen in Logistik, Warenverfügbarkeit und Lieferkettensteuerung. Wie digitale Plattformen helfen können, Lieferanten, Bestellungen und Transportprozesse transparenter zu vernetzen, zeigt Tesisquare beim Procurement Summit 2026 in Hamburg.

Dort präsentiert Martin Gebel, Sales Country Manager DACH bei Tesisquare, im Rahmen der Matterhorn Masterclasses den Vortrag „Supply-Chain Orchestrierung für mehr Transparenz und optimierte Prozesse“. Im Mittelpunkt steht unter anderem die Westwing Success Story. Der Home-&-Living-Anbieter setzt auf die Tesisquare Supply Chain Management Platform, um Lieferanten, Bestellungen und Transportprozesse besser zu vernetzen und die Inbound-Lieferkette transparenter, effizienter und skalierbarer zu steuern.

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