Wie tickt’s in der Schweizer Uhrenindustrie?

Bereits zum zehnten Mal informiert Deloitte in einer umfassenden Studie über die Situation der Schweizer Uhrenindustrie. © Swiss Watch Industry Study 2023

Wie geht es der Schweizer Uhrenindustrie? Diese Frage stellt sich Deloitte jährlich in einer umfassenden Studie – und wirft verschiedene Blickwinkel auf die Branche. Heute im Fokus: Die Zahlen und Ausblick ins nächste Jahr.



Bereits zum zehnten Mal erschien die umfassende Deloitte-Studie, die sich mit der Entwicklung der Schweizer Uhrenindustrie beschäftigt. Darin werden verschiedene Aspekte beleuchtet – von allgemeinen Zahlen über Trends und Entwicklungen bis hin zu speziellen Themen wie „pre owned”, Technologie & Innovation, Nachhaltigkeit oder die Situation mit den Zulieferern der Uhrenindustrie. Wir präsentieren Ihnen immer wieder verschiedene Aspekte – heute im Fokus: Die Zahlen.


Wie geht’s nach dem Rekordjahr 2022 weiter?

Die Schweizer Uhrenindustrie hatte ein beeindruckendes Jahr 2022. Die Exportzahlen stiegen auf ein Rekord-Hoch von 24,8 Millionen CHF, was einem 14 prozentigen Wachstum zu Vor-Corona-Zeiten (2019) von 21,7 Millionen CHF entspricht. Es war das erste Jahr, das an eine normale Entwicklung ohne Pandemie anschließen konnte. Zwar schwächten anhaltende Lockdowns (in China inkl. Shanghai) die chinesische Wirtschaft noch und die Post-Pandemie-Erholung ging nur schleppend voran. Doch die Export-Zahlen und -Mengen haben sich stark entwickelt, auch dank der 2022 über eine Million Mal verkauften MoonSwatch.

2023 hat die Inflation weltweit viele Konsumenten getroffen, was eine Kerbe in der Kaufkraft hinterließ. Engpässe bei Lieferanten konnten großteils aufgelöst werden, der Schweizer Franke erholte sich gegenüber anderen Währungen (2 Prozent gegenüber dem US-Dollar, 3,5 Prozent gegenüber dem Euro). Dadurch erhöhen sich die Preise für Schweizer Uhren für internationale Käufer. Doch trotz alledem stiegen die Exportzahlen der ersten acht Monate des Jahres um 10,2 Prozent Umsatz und 9,2 Prozent Wert.

Trotz widriger Umstände konnten die Exportzahlen der Schweizer Uhrenindustrie in den ersten acht Monaten zulegen. © Deloitte Swiss Watch Industry Study 2023

Export-Märkte setzen Erfolgskurs fort

Ein Blick auf die Exportmärkte für die Schweizer Uhrenindustrie zeigt, dass die Top 10 Nationen ihre Erfolgskurve auch in den ersten acht Monaten des Jahres fortsetzen konnten. Top Abnehmer bleibt die USA mit einem Wert von beinahe 2,7 Milliarden CHF bis Ende August – was einem Wachstum von fast zehn Prozent zu 2022 entspricht. Auch China konnte mit einem Wachstum von 9,3 Prozent daran anschließen, die Exporte dorthin liegen allerdings immer noch um 7,5 Prozent im Vergleich zu 2021 zurück. Dafür holte Hong Kong kräftig auf und kann ein Plus von über 26 Prozent gegenüber 2022 aufweisen. Somit ist man dort beinahe am Vor-Corona-Level angekommen. Dem Wachstumstreiber Indien – immerhin ein Exportwert von 133,7 Millionen CHF wurde von Januar bis August 2023 dort erreicht – widmet die Studie ein eigenes Kapitel. Auch wir werden uns in einem gesonderten Beitrag damit beschäftigen. Soviel vorab: Indien scheint der nächste große Clou im Uhrenbusiness zu werden.

Die Top 10 der Exportmärkte scheinen gesetzt – und konnten sich gut erholen bzw. an Vor-Corona-Zeiten aufschließen. © Swiss Watch Industry Study 2023

Welche Hebel werden wichtig?

Was bedeuten diese Zahlen nun für die nächsten zwölf Monate? Wo setzen Marken und Zulieferer an? Bei den Marken ergibt sich laut Deloitte Studie folgendes Bild der Top 5 Prioritäten fürs nächste Jahr: Neue Produkte vorstellen (73 Prozent), die Omnichannel-Strategie erarbeiten oder ausbauen (45 Prozent), organisches Wachstum (45 Prozent), Investitionen in Nachhaltigkeit (43 Prozent), Verkaufskanäle optimieren (39 Prozent).

Währenddessen fokussieren sich Zulieferer auf folgende Punkte: erhöhte Kapitalausgaben (50 Prozent), erhöhen der Produktkapazitäten in der Schweiz (44 Prozent), neue Produkte vorstellen (28 Prozent), Mitarbeiterzahl in der Schweiz erhöhen (28 Prozent), Cashflow erhöhen (28 Prozent).

Dabei zeigt sich, dass Marken, deren Haupt-Preissegment unter 5.000 CHF liegt, einen weitaus stärkeren Fokus auf neue Produkte legen, als ihre höherpreisigen Mitbewerber. Denn geringere Margen und dem Ansteigen der Kosten in Produktion und Materialien, ist eine höhere Anzahl an Produkten der einzige Weg, um Wachstum zu erreichen. Neuvorstellungen, limitierte Editionen und Kooparationen stehen dabei im Fokus. Im Mittelpreissegment (5.000 – 15.000 CHF) und High-End-Preissegment (über 15.000 CHF) liegt die Priorisierung im Erhöhen der Produktionskapazitäten in der Schweiz. Das zeigt auch die Tatsache, dass Null Prozent der Befragten einen großen Wert auf den Ausbau der Produktionskapazitäten im Ausland legen. „Swiss Made” soll also noch wichtiger werden.

Ausblick

Vor einem Jahr zeigten sich die Führungskräfte der Schweizer Uhrenindustrie vorsichtig optimistisch im Hinblick auf die Entwicklung für die Schweizer Wirtschaft und deren Haupt-Exportländer. Heute, ein Jahr später, gibt es wiederum Optimismus für die Schweizer Branche und deren Exportmärkte, allerdings zeigt sich, dass die Hersteller weniger zuversichtlich in die Zukunft blicken, als noch 2022. Zwar erwarten 60 Prozent für die Schweizer Wirtschaft einen positiven oder sehr positiven Ausblick, auch in der Uhrenindustrie sind es gesamt 49 Prozent, die ein gutes Jahr erwarten. Doch auch ein Viertel sieht ein negatives oder sogar sehr negatives Jahr aus die Uhrenindustrie zukommen.

Wie sieht der wirtschaftliche Ausblick für die nächsten zwölf Monate aus? Für die Gesamtökonomie des Landes besser, als für die Uhrenindustrie. © Swiss Watch Industry Study 2023

Auf den globalen Exportmärkten für die Uhrenindustrie zeigt sich in Sachen Ausblick ein sehr unterschiedliches Bild von Region zu Region. Wie bereits angekündigt, ist Indien mit einem erwarteten Wachstum bei Dreiviertel der Befragten eine absolute Wachstums-Hoffnung für die Uhrenbranche. Für China dagegen zeigt sich ein 50/50-Bild – 50 Prozent erwarten Wachstum, 50 Prozent Stagnation oder sogar Rückgang. Für den Westen mit Europa oder Nordamerika erwarten sich immerhin noch 48 bzw. 54 Prozent Wachstums-Chancen, für Südamerika und Afrika erwartet man sich nicht viel – eher Stagnation (67 bzw. 62 Prozent) oder Rückgang (beide 11 Prozent). Der Mittlere Osten sowie Hong Kong und die restlichen asiatischen Länder rufen noch Chancen in der Branche hervor. 76 bzw. 61 bzw. 77 Prozent glauben in diesen Regionen an einen Wachstum für die Schweizer Uhrenindustrie.

Welche Exportländer versprechen Wachstum für die Schweizer Uhrenindustrie? © Deloitte Swiss Watch Industry Study 2023
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