Galeria steht erneut unter Druck: Umsatzrückgang, Mietstundungen und eine angespannte Liquiditätslage erhöhen den Restrukturierungsdruck. © Galeria
Die Lage bei Galeria spitzt sich erneut zu. Nach der Insolvenz im Jahr 2024, der Schließung von neun Häusern und dem Neustart unter neuen Eigentümern steht die Warenhauskette wieder vor einer kritischen Bewährungsprobe. Offiziell ist keine neue Insolvenz angemeldet. Die jüngsten Ereignisse zeigen jedoch, dass die operative und finanzielle Stabilisierung deutlich schwieriger verläuft als erhofft.
Liquidität wird zur Schlüsselfrage
Nach Informationen der TextilWirtschaft soll Galeria im ersten Geschäftshalbjahr 2025/26 mehr als 100 Millionen Euro Umsatz gegenüber dem Vorjahr verloren haben. Auch der Rohertrag soll deutlich unter dem Vergleichswert gelegen sein. Für ein Geschäftsmodell mit hohen Fixkosten ist das besonders problematisch. Wenn Umsatz und Rohertrag gleichzeitig sinken, wird die Liquidität schnell zur entscheidenden Frage. Diese Liquiditätsfrage ist inzwischen öffentlich sichtbar. Galeria erhält nach eigenen Angaben einen neuen Kredit über 10 Millionen Euro vom Minderheitsgesellschafter Bain Capital. Geschäftsführer Tilo Hellenbock sprach gegenüber der dpa von starken Schwankungen der Liquiditätslage, zeigte sich aber zuversichtlich, dass sich die Situation wieder stabilisieren werde. (Quelle: Die Zeit)
Mietstundungen zeigen den Druck im Filialnetz
Gleichzeitig hat Galeria die Vermieter aller 83 Filialen um eine Stundung von Mietzahlungen gebeten. Nach Medienberichten sollten eigentlich im März und April fällige Zahlungen teilweise in den Herbst verschoben werden. Nicht alle Vermieter akzeptierten diese Lösung. In einzelnen Fällen sollen Zahlungen zunächst ausgeblieben sein. Damit kommt ein zweiter Risikofaktor hinzu: der Standortdruck. Bereits im März hatte Galeria angekündigt, für acht Standorte auslaufende Mietverträge neu zu verhandeln. Betroffen sind unter anderem Häuser in Berlin, Köln, München, Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. Sollten keine wirtschaftlich tragfähigen Vereinbarungen zustande kommen, sind weitere Schließungen möglich.

Umsatzverlust trifft ein Modell mit hohen Fixkosten
Galeria steht exemplarisch für die strukturelle Krise des klassischen Warenhauses. Das Problem liegt nicht nur in der Konjunktur oder in der Konsumzurückhaltung. Entscheidend ist die Frage, ob ein breit aufgestelltes Warenhaus mit austauschbaren Sortimenten, hoher Fläche und hohem Personalaufwand noch ein ausreichend klares Leistungsversprechen bietet. Onlinehandel, spezialisierte Händler, Discounter, Off-Price-Konzepte und starke Markenstores haben viele Funktionen des Warenhauses übernommen. Beratung, Sortimentstiefe und Erlebnis müssten deshalb die zentralen Argumente für den stationären Besuch sein. Hier aber entsteht bei vielen Warenhäusern ein Wahrnehmungsproblem: zu wenig Differenzierung, zu wenig Profil, zu wenig Grund, gerade dort zu kaufen.
Zusätzlichen Druck erzeugt die interne Kommunikation. Der Gesamtbetriebsrat forderte zuletzt Aufklärung über die Unternehmenslage und kritisierte, dass Beschäftigte viele Informationen offenbar zuerst aus der Presse erfahren hätten. Bei einem Unternehmen mit rund 12.000 Beschäftigten ist das nicht nur ein arbeitsrechtliches, sondern auch ein Vertrauenssignal. (Quelle: Die Welt)
Das Warenhausproblem reicht tiefer als Galeria
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Galeria kurzfristig noch einmal Zeit gewinnt. Der neue Kredit kann Liquidität überbrücken. Mietstundungen können Druck verschieben. Rabattaktionen können kurzfristig Ware drehen. Doch all das ersetzt kein tragfähiges Geschäftsmodell.
Galeria betreibt weiterhin 83 Filialen in Deutschland. Nach drei Insolvenzen innerhalb weniger Jahre und wiederholten Restrukturierungen wird nun sichtbar, wie eng der Spielraum geworden ist. Eine erneute Insolvenz ist derzeit nicht bestätigt. Das Risiko aber ist offensichtlich gestiegen. Entscheidend wird sein, ob Galeria schnell genug eine belastbare Antwort auf drei Fragen findet: Wie werden die Flächen profitabel? Wie wird die Liquidität gesichert? Und warum sollen Kunden das Warenhaus künftig wieder als relevanten Einkaufsort wahrnehmen?














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