Thierry Stern verteidigt die Patek Philippe-Übernahme von Beyer

Patek Philippe Übernahme Beyer Thierry Stern

Thierry Stern betont, Patek Philippe wolle dem Fachhandel nicht das Geschäft wegnehmen. Der Fall Zürich zeigt dennoch, wie stark Marken ihre wichtigsten Standorte kontrollieren wollen. © Chat GPT

Die Übernahme der Chronometrie Beyer durch Patek Philippe bleibt eines der auffälligsten Ereignisse im Uhrenfachhandel. Nachdem bereits bekannt war, dass das Zürcher Traditionshaus an der Bahnhofstrasse Ende 2026 seine Geschäftstätigkeit einstellt und ab Anfang 2027 als Patek Philippe Salon weitergeführt wird, hat sich Patek Philippe Präsident Thierry Stern nun in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung zu den Hintergründen geäußert. Die zentrale Botschaft: Patek Philippe wolle dem Fachhandel nicht das Geschäft entziehen.



Beyer selbst hatte die Nachfolgeregelung offiziell bestätigt: Patek Philippe übernimmt den Standort an der Zürcher Bahnhofstrasse und führt ihn ab Anfang 2027 als Monobrand Store weiter. Die Lösung sei von René Beyer bereits vor seinem Tod vorbereitet worden, auch weil es keine familieninterne Nachfolge gab. Bereits ab 2024 hatte Patek Philippe eine Minderheitsbeteiligung an der Beyer Chronometrie AG erworben.

Emotion und Strategie greifen ineinander

Im NZZ Interview beschreibt Patek Philippe Präsident Thierry Stern den Schritt als Mischung aus Gelegenheit und Logik. Beyer sei für ihn nicht irgendein Händler gewesen, sondern ein Haus, das der Familie Stern über Generationen eng verbunden war. Stern spricht sinngemäß davon, dass Beyer für Patek Philippe fast zur Familie gehört habe. Gleichzeitig macht er deutlich, dass Zürich für Patek Philippe ein zentraler Standort ist, möglicherweise sogar wichtiger als Genf.

Damit wird klar: Die Übernahme ist nicht nur sentimentale Nachfolgehilfe. Sie ist auch eine Standortentscheidung. Die Zürcher Bahnhofstrasse zählt zu den relevantesten Luxuslagen Europas. Für eine Marke wie Patek Philippe bedeutet ein eigener Salon dort mehr Kontrolle über Kundenerlebnis, Sortiment, Inszenierung und Markenführung.

Patek Philippe übernimmt Beyer Schweiz
Chronometrie Beyer an der Zürcher Bahnhofstrasse galt über Jahrzehnte als Referenz für hochwertigen Multibrandhandel. © Beyer

Kein Angriff auf den Fachhandel, aber mehr Eigenkontrolle

Besonders aufmerksam dürfte der Fachhandel Sterns Aussage gelesen haben, dass es nicht darum gehe, dem Handel das Geschäft wegzunehmen. Patek Philippe wolle nicht den Weg von Rolex mit Bucherer gehen und selbst zum Händler werden. Die Uhrmacherei bleibe der Kern des Unternehmens. Gleichzeitig betont Stern, dass sich Patek Philippe das Recht vorbehalte, Gelegenheiten zu nutzen.

Darin liegt nun die wirtschaftliche Ambivalenz. Formal bleibt Patek Philippe beim Fachhandel. Praktisch zeigt der Fall Zürich aber, dass herausragende Standorte künftig stärker direkt kontrolliert werden können. Eigene Salons und unabhängige Händler sollen laut Stern nebeneinander bestehen. In Zürich wird diese Koexistenz jedoch zur konkreten Standortfrage, weil Gübelin (heute in sechster Generation von Raphael Gübelin geführt) direkt gegenüber dem künftigen Patek Philippe Salon liegt. Über die weitere Zusammenarbeit mit Gübelin in Zürich, so Stern im NZZ Interview, werde noch gesprochen.

Für den Fachhandel ist das entscheidend: Nicht jede vertikale Bewegung muss eine generelle Abkehr vom Handel bedeuten. Aber sie kann in einzelnen Märkten sehr direkte Auswirkungen auf Konzessionen, Frequenz und Markenwahrnehmung haben.

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Warum die Lage für Patek Philippe anders ist

Stern verweist im Interview auch auf die besondere Marktposition von Patek Philippe. Die Manufaktur produziert laut seinen Angaben rund 75.000 Uhren pro Jahr und arbeitet praktisch an der Kapazitätsgrenze. Neue Märkte wie Indien seien deshalb kein Schwerpunkt, weil die Marke gar nicht genügend Uhren habe. Wachstum über Stückzahlen sei nicht das Ziel. Entscheidend seien Unabhängigkeit, eine starke Kollektion, der Durchschnittspreis und Kostendisziplin.

Diese Aussagen sind für Händler wichtig. Patek Philippe denkt nicht wie eine Volumenmarke. Wer nicht skalieren muss, kann Distribution selektiver steuern. Wer Nachfrageüberhang hat, kann stärker über Standorte, Kundenzugang und Markenerlebnis entscheiden. Das erhöht den Druck auf Händler, die in prestigeträchtigen Lagen auf Konzessionen angewiesen sind.

René Beyer übergab 2024 die Geschäftsleitung an seine Schwester Muriel Zahn-Beyer um einen reibungslosen Übergang und die Fortführung des Erbes zu gewährleisten. © Beyer/ Chat GPT

USA, Zölle und Preisdisziplin

Auch zur Marktlage äußerte sich Stern in der NZZ. Trotz geopolitischer Unsicherheiten, schwächerer Nachfrage in China und Zollthemen sieht er Patek Philippe stabil. Besonders die USA, Europa und Asien würden weiterhin gut laufen. Interessant ist die Preislogik: In den USA seien Endkundenpreise nicht wegen Zöllen erhöht worden. Stattdessen habe Patek Philippe laut Stern Händlermargen reduziert, um zollbedingte Effekte auszugleichen. Zudem seien weltweite Preiserhöhungen zum 1. Februar 2026 teilweise durch eine Senkung der US Zölle auf Schweizer Produkte kompensiert worden.

Für den Fachhandel steckt darin eine weitere Botschaft. In angespannten Märkten wird nicht nur über Verkaufspreise gesteuert, sondern auch über Margen. Das kann auch für Händler in Europa bedeuten, dass Markenstabilität zunehmend auf Kosten der Handelsspanne abgesichert wird.

Fazit: Stern nimmt dem Vorgang die Schärfe einer allgemeinen Vertriebsoffensive gegen den Handel. Gleichzeitig bestätigt seine Argumentation indirekt, dass Patek Philippe in Schlüsselstädten eigene Interessen konsequent wahrnimmt.

Quellenangaben: Neue Zürcher Zeitung, Andrea Martel: Interview mit Patek Philippe Präsident Thierry Stern, veröffentlicht am 22. April 2026. // Beyer Chronometrie AG: Offizielle Mitteilung zur Nachfolgeregelung und Weiterführung des Standorts als Patek Philippe Salon./. SJX Watches: Einordnung zur Übernahme der Beyer Chronometrie durch Patek Philippe und zur historischen Bedeutung des Hauses.

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