Loek Oprinsen: „Der Fachhandel ist für EBEL von zentraler Bedeutung!“

Ebel Loek Oprinsen Uhrenfachhandelsmarke

Loek Oprinsen sieht den Fachhandel für EBEL als unverzichtbar und betont die zentrale Rolle von Vertrauen, Loyalität und langfristiger Zusammenarbeit. © EBEL

Im mittleren Luxussegment verschieben sich derzeit die Kräfteverhältnisse im Fachhandel. Während sich einige Marken aus dem Multibrandgeschäft zurückziehen, entstehen neue Chancen für Anbieter wie EBEL. Die Marke setzt dabei gezielt auf ikonisches Design, stabile Partnerschaften und ein starkes Damenuhrensegment. Loek Oprinsen erläutert, wie sich EBEL aktuell positioniert und welche Perspektiven sich für den Fachhandel ergeben.



EBEL gehört zu den traditionsreichen Schweizer Uhrenmarken und ist seit Jahrzehnten eng mit dem deutschen Fachhandel verbunden. Die Marke bewegt sich im mittleren Luxussegment mit einem Schwerpunkt zwischen 2.000 und 6.000 Euro und verfügt über eine kontinuierliche Marktpräsenz von mehr als 50 Jahren in Deutschland. Charakteristisch sind ikonische Designlinien wie die EBEL Sport Classic mit ihrem hexagonalen Gehäuse inklusive 5 Lünetten-Schrauben und ihrem markanten Wellengliederarmband sowie die Kollektion 1911.

In den vergangenen Jahren hat EBEL seine Position im Fachhandel gezielt gestärkt und profitiert von strukturellen Veränderungen im Markt. Während sich zahlreiche Marken stärker auf eigene Boutiquen konzentrieren oder den Großhandel zurückfahren, nutzt EBEL die entstandenen Freiräume im Multibrandhandel. Gleichzeitig gewinnt das Segment der Damenuhren an Bedeutung, das für die Marke einen zentralen Umsatztreiber darstellt. Im Gespräch erläutert Loek Oprinsen, Managing Director ILP und bereits seit 20 Jahren mit EBEL verbunden, wie sich EBEL im aktuellen Marktumfeld positioniert, welche Rolle der Fachhandel künftig spielt und warum gerade das mittlere Preissegment neue Chancen bietet.

Blickpunkt·Juwelier: Obwohl EBEL eine Schweizer Marke ist, besteht seit vielen Jahren eine enge Verbindung zum deutschen Fachhandel. Wie entwickelt sich EBEL aktuell in Deutschland?

Loek Oprinsen: In den vergangenen zehn Jahren hat EBEL in Deutschland ein nachhaltiges, profitables Wachstum von etwa sieben bis acht Prozent pro Jahr erzielt. Im Corona-Jahr 2020 sind unsere Umsätze natürlich zurückgegangen, gefolgt von einem sehr starken Wachstum im Jahr 2021. Ähnliche Entwicklungen konnten wir im Zeitraum 2020 bis 2021 auch bei anderen Luxusuhrenmarken beobachten.

BPJ: Der Uhrenmarkt hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Wie beurteilen Sie diese Entwicklungen aus Sicht von EBEL?

LO: Aus unserer Sicht könnte die Situation kaum besser sein, und zwar aus zwei Gründen. Erstens führt der Rückzug vieler Marken aus dem Großhandelsvertrieb zugunsten eigener Retail-Strategien zu einem freien Raum, den wir mit EBEL gerne besetzen. Zweitens ist zu beobachten, dass sich viele Händler stärker auf Schmuck und damit auf weibliche Kundschaft konzentrieren. Auch das ist für uns ein Vorteil, da wir in Deutschland rund 80 Prozent unserer Uhren an Damen verkaufen. Eine EBEL Damenuhr, insbesondere die EBEL Sport Classic, ist ein Schmuckstück, an dem man die Zeit ablesen kann.

BPJ: In den vergangenen Jahren ist es Ihnen gelungen, mehrere bekannte Fachhändler wieder für EBEL zu gewinnen. Was macht die Marke heute für den Handel attraktiv?

LO: Wir verfügen über sehr wiedererkennbare, ikonische Designs, die sich seit fast 50 Jahren behaupten, wie etwa unsere EBEL Sport Classic mit ihrem hexagonalen Gehäuse und 5 Lünetten-Schrauben sowie ihrem markanten Wellengliederarmband. Die Kombination aus Kreativität und Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr stark. Der Handel nimmt unsere Investitionen in Marketing deutlich wahr. Unser Mediaplan ist präsent und sichtbar in führenden Mode-, Lifestyle- und People-Magazinen in Deutschland. Zudem unterstützen wir unsere Handelspartner mit einem sehr erfahrenen, stabilen und loyalen Team im Vertrieb und Marketing. Die Fluktuation ist bei uns sehr gering. Unsere Partner können sich in allen Bereichen auf uns verlassen.

BPJ: Was sind aktuell die stärksten Argumente für einen Händler, EBEL zu führen?

LO: Am Ende muss sich die Investition in EBEL für unsere Handelspartner rechnen, und das tut sie. Darüber hinaus bringt die Marke eine interessante weibliche Kundengruppe in die Geschäfte. Diese Kundinnen sind EBEL gegenüber sehr loyal und tragen die Marke in ihr persönliches Umfeld weiter. Das ist die beste Form von Marketing und für unsere Handelspartner eine sehr wertvolle Zielgruppe.

Ebel Modelle Neuheiten 2026
Qualität. Die Modelle von EBEL stehen für eine konstante Fertigungsqualität im mittleren Luxussegment. Für den Fachhandel bedeutet das verlässliche Produkte mit stabiler Nachfrage, klarer Positionierung und einer Preisstruktur, die nachhaltig wirtschaftliches Arbeiten ermöglicht. © EBEL

Der Fachhandel ist unser Sprachrohr zum Kunden und spielt eine entscheidende Rolle in unserer Vertriebskette.

Loek Oprinsen, Managing Director ILP, EBEL

BPJ: Unser Eindruck ist, dass EBEL im Schaufenster wieder stärker in die erste Reihe rückt. Würden Sie dem zustimmen?

LO: Vielen Dank für diese Beobachtung. Wie bereits erwähnt, freuen wir uns sehr, den Platz im Schaufenster einzunehmen, den andere Marken frei gemacht haben. Die Warenrotation mit unseren Handelspartnern ist gesund, sodass Händler bereit sind, uns ihre besten Flächen im Schaufenster zu geben.

BPJ: In den 1990er-Jahren galt EBEL für viele Fachhändler als Premiummarke im Fachhandel. Kehrt die Marke heute in diese Position zurück?

LO: EBEL bewegt sich im mittleren Segment der Luxusuhrenindustrie. Der durchschnittliche Verkaufspreis liegt etwas über 3.000 Euro. Die Marke wurde dabei stets als Premiummarke wahrgenommen, auch wenn sie sich innerhalb dieses Segments nach oben und unten bewegt hat. In den vergangenen zehn Jahren sehen wir eine klare Entwicklung hin zum oberen Bereich dieses mittleren Segments.

BPJ: Im Preisbereich zwischen etwa 2.000 und 5.000 Euro haben Händler nur noch wenige unabhängige Schweizer Marken zur Auswahl. Welche Rolle kann EBEL in diesem Segment spielen?

LO: Unser Sweet Spot im Verkaufspreis liegt zwischen 2.000 und 6.000 Euro. EBEL wird in diesem Segment weiterhin eine starke Rolle spielen und profitiert dabei von seiner durchgehenden Präsenz im deutschen Markt seit mehr als 50 Jahren.

BPJ: EBEL war traditionell sehr stark im Bereich der Damenuhren. Welche Bedeutung hat dieses Segment heute für die Marke?

LO: Etwa 80 Prozent aller in Deutschland verkauften Uhren sind Damenuhren, daher ist dieses Segment für uns von großer Bedeutung. Nach rund 25 Jahren eines starken Fokus auf mechanische Herrensportuhren ist zu beobachten, dass sich viele Händler von diesem teilweise gesättigten Segment wieder stärker in Richtung Damenuhren orientieren. Hier sehen wir sehr großes Potenzial.

BPJ: Damenuhren gelten in der Uhrenbranche oft als unterschätztes Segment. Wie beurteilen Sie das zukünftige Potenzial für EBEL?

LO: EBEL wurde von Eugène Blum und seiner Frau Lévy gegründet, deren Initialen den Namen EBEL bilden. Sie hat die kreative Gestaltung der Marke in den ersten Jahrzehnten maßgeblich geprägt, und ihr Einfluss ist bis heute im Design spürbar. Damenuhren werden für EBEL weiterhin eine zentrale Rolle spielen, gleichzeitig verlieren wir die Herren nicht aus dem Blick. In einigen Märkten liegt die Verteilung bereits bei etwa 50 zu 50 zwischen Damen und Herren. Auch in Deutschland sehen wir, dass das Herrensegment wächst und gleichzeitig vom Revival ikonischer Designs aus den 60er, 70er und 80er Jahren profitiert.

Ebel Uhren Fachhandel Juwelier
EBEL nutzt die strukturellen Veränderungen im Uhrenmarkt, um seine Position im mittleren Luxussegment und im Multibrandhandel weiter auszubauen. © EBEL

Am Ende muss sich die Investition in EBEL für unsere Handelspartner rechnen, und das tut sie.

Loek Oprinsen, Managing Director ILP, EBEL

BPJ: Viele Händler fühlten sich in der Vergangenheit stark an die Vorgaben großer Marken gebunden. Hat sich das Verhältnis zwischen Marken und Handel in den letzten Jahren verändert?

LO: Absolut. Ich bin seit 27 Jahren in der Luxusuhren- und Schmuckbranche tätig und habe diese Entwicklung sehr deutlich erlebt. In den ersten Jahren waren Beziehungen, Vertrauen, Respekt und eine langfristige Perspektive eher die Regel. Heute sind sie vielfach zur Ausnahme geworden. Marken, die börsennotierten Unternehmen gehören, müssen in erster Linie die Erwartungen ihrer Aktionäre erfüllen. Daran ist grundsätzlich nichts falsch, allerdings können bei Nichterreichen von Kennzahlen auch harte Maßnahmen folgen. Diese berücksichtigen oft nicht in erster Linie die Interessen des Handels.

BPJ: Gleichzeitig setzen viele Marken zunehmend auf eigene Boutiquen. Wie beurteilen Sie die zukünftige Rolle des Multibrand-Fachhandels?

LO: Solange Händler kreativ, innovativ und engagiert bleiben, wird es sowohl im Uhren- als auch im Schmucksegment ausreichend Chancen geben. Entscheidend ist, dass Händler ihre Kunden als Menschen sehen, die sich für Uhren oder Schmuck interessieren, und ihnen das anbieten, was wirklich zu ihnen passt. Weniger positiv sehe ich die Zukunft für Händler, die ihre Kunden als reine Umsatzträger betrachten und versuchen, ihnen Produkte zu verkaufen, bei denen sie selbst unter Druck stehen, bestimmte Zielvorgaben zu erfüllen. Ehrlichkeit zahlt sich langfristig aus.

BPJ: Welche Vorteile bietet das Multibrand-Modell aus Sicht von EBEL weiterhin?

LO: Dieser Vertriebsweg ist tief in der deutschen Handelskultur verankert, ganz anders als etwa in China. Kunden schätzen es, ehrlich beraten zu werden und die Freiheit zu haben, zwischen verschiedenen Marken zu wählen. Natürlich gibt es auch Kunden, die sich stark mit einer Marke identifizieren und gezielt das Boutique-Erlebnis suchen. Auch das hat seine Berechtigung, aber man kann nicht alle Kunden auf diese Weise erreichen.

BPJ: Was bedeutet Partnerschaft mit dem Fachhandel für EBEL konkret?

LO: Der Handel ist für uns von zentraler Bedeutung. Ohne unsere Partner würden wir nicht existieren. Sie bilden die Verbindung zwischen unserer Marke und den Kunden. Wir haben großen Respekt vor ihrer Leistung und ihrer Loyalität. Uns ist bewusst, dass es nicht nur darum geht, verkaufen zu können, sondern auch über fundiertes Wissen zu den verschiedenen Marken zu verfügen. Gleichzeitig sind mit dem Geschäft erhebliche Investitionen verbunden. Diese Investitionen in EBEL gilt es zu respektieren und gemeinsam mit unseren Teams bestmöglich zu nutzen.

BPJ: Welche Rolle sollte der Fachhandel künftig in der Vertriebsstrategie von EBEL spielen?

LO: Der Fachhandel ist unser Sprachrohr zum Kunden und spielt eine entscheidende Rolle in unserer Vertriebskette. Fachwissen, Begeisterung, Vertrauen, Loyalität und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit unserem Team sind zentrale Faktoren für unseren gemeinsamen Erfolg. In unserer Vertriebsstrategie ist der Fachhandel daher unverzichtbar.

BPJ: In den vergangenen Jahren wurden mehrere traditionelle Uhrenmarken von Handel und Konsumenten neu entdeckt. Profitiert EBEL von dieser wieder steigenden Wertschätzung für klassische Schweizer Uhrmacherkunst?

LO: Absolut. Es ist eine klare Tendenz zu erkennen, dass Konsumenten heute verstärkt nach echten Werten, Vertrauen und Verlässlichkeit suchen. Marken mit einer langen Geschichte und hoher Wiedererkennbarkeit, sowohl auf Produkt- als auch auf Markenebene, profitieren davon.

BPJ: Viele Händler berichten, dass das mittlere Luxussegment zunehmend unter Druck gerät, da Marken entweder im Preis steigen oder sich aus dem Markt zurückziehen. Entsteht daraus eine Chance für EBEL?

LO: Wir stellen uns gerne Herausforderungen. EBEL verfügt über sehr starke Wurzeln. Ein Segment, in dem man über Jahrzehnte tätig war, sollte man nicht vorschnell verlassen, nur weil es zeitweise schwieriger wird. Es geht darum, an die eigene Vision zu glauben und den eigenen Weg konsequent weiterzugehen. Das ist letztlich die Grundlage für nachhaltigen Erfolg.

Markenprofil

Ebel

Ebel

Ebel ist eine renommierte Schweizer Uhrenmarke, die 1911 von Eugène und Alice Blum in La Chaux-de-Fonds gegründet wurde. Bekannt für ihre elegante Designs und präzise Handwerkskunst, kombiniert Ebel Tradition mit...

Mehr lesen
Ebel Loek Oprinsen Uhrenfachhandelsmarke 2026

GESCHÜTZTER BRANCHENINSIDER-BEREICH

Als Brancheninsider lesen Sie weiter!
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos, um alle Inhalte, tägliche Branchen-News und Insider-Infos als erstes zu erhalten.

Sie sind bereits ein Branchen-Insider? Hier anmelden

Noch kein Branchen-Insider? Jetzt registrieren!

Registrierung

Registrieren Sie sich jetzt kostenlos,
besondere Inhalte – nur für besondere Insider!
IHRE VORTEILE
als BRANCHEN-INSIDER

Sichern Sie sich jetzt Ihre
Branchen-Poleposition!

Ihre Vorteile
als Branchen-Insider

Sichern Sie sich jetzt Ihre
Branchen-Poleposition!

Ohne Registrierung

für Besucher

Jetzt kostenlos registrieren und sofort den Artikel kostenfrei lesen!

Als Brancheninsider lesen Sie weiter!
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos, um alle Inhalte, tägliche Branchen-News und Insider-Infos als erstes zu erhalten.


FIRMEN-DATEN


LOGIN-DATEN

Datenschutzerklärung zeigen

Teilen
Keine Kommentare

Hinterlassen Sie uns einen Kommentar

Verwandte Themen

Ähnliche Themen

VORTEILSCLUB IST MEHR

Profitieren Sie jetzt von neuen Benefits: Aktionsplan für das ganze Jahr, BPJ-Zeitungsbezug, Reader’s Lounge, B2B-Kommunikation und noch viel MEHR!

SIND SIE SCHON REGISTRIERT ?

Registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie von allen Inhalten in voller Länge, exklusiven News und Insights, die es NUR im geschützten Bereich für Branchen-TeilnehmerInnen gibt.