Rückgrat bröckelt: Schlechte Nachrichten für die Innenstädte

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Steigende Leerstände prägen zunehmend das Bild vieler Innenstädte und verdeutlichen den anhaltenden Strukturwandel im Einzelhandel. © Freepik

Der stationäre Einzelhandel bleibt zentral für lebendige Innenstädte – verliert jedoch weiter an Fläche. Neue Zahlen des Handelsverbandes Deutschland zeigen, wie stark der Strukturwandel voranschreitet und welche Folgen das für Städte und Händler hat.



4.900 Geschäfte weniger im Jahr 2026

Der stationäre Einzelhandel in Deutschland steht weiter unter Druck. Laut aktueller Prognose des Handelsverbandes Deutschland werden im Jahr 2026 rund 4.900 Geschäfte verschwinden. Neueröffnungen sind in dieser Zahl bereits berücksichtigt. Damit setzt sich ein langfristiger Trend fort, der die Struktur der Innenstädte nachhaltig verändert. Vor zehn Jahren gab es noch rund 366.800 Geschäfte, bis Ende 2026 dürfte die Zahl auf etwa 296.600 sinken. HDE-Präsident Alexander von Preen warnt vor einer schleichenden Gewöhnung an diese Entwicklung: „Seit zehn Jahren verlieren wir in Deutschland jährlich mindestens 4.500 Geschäfte oder mehr. Für 2026 verheißt der Verlust von 4.900 Geschäften nichts Gutes.“

Leerstände als sichtbares Problem

Die Auswirkungen sind in vielen Innenstädten bereits deutlich sichtbar. Leerstände nehmen zu und verändern das Stadtbild spürbar. „Viele Innenstädte leiden heute schon sichtbar unter Leerständen. So kann und darf es nicht weitergehen“, so von Preen. Neben wirtschaftlichen Faktoren wie schwacher Konsum und steigenden Kosten sieht der HDE auch politischen Handlungsbedarf. Gefordert werden unter anderem Entlastungen bei Energiepreisen und Lohnnebenkosten sowie flexiblere Mietmodelle. „Leerstand nutzt niemandem“, betont von Preen.

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Die Entwicklung der Innenstädte bleibt eng an die Zukunftsfähigkeit des Einzelhandels gekoppelt. © Freepik

Einzelhandel als Stabilitätsfaktor

Gleichzeitig unterstreichen aktuelle Studiendaten die Bedeutung des Einzelhandels für funktionierende Innenstädte. 78 Prozent der Menschen fühlen sich laut HDE-Studie grundsätzlich sicher in deutschen Stadtzentren. Besonders hoch ist das Sicherheitsgefühl in Einzelhandelsgeschäften selbst: 90 Prozent der Befragten nehmen diese als sichere Orte wahr. „Lebendige Innenstädte werden als sicher wahrgenommen. Dabei spielt der Einzelhandel nachweislich die tragende Rolle“, so von Preen. Beleuchtete Schaufenster und präsentes Personal tragen maßgeblich zur Wahrnehmung von Sicherheit bei.

Negativer Einfluss durch Leerstand

Der Zusammenhang zwischen Leerstand und Sicherheitsgefühl ist dabei deutlich. 73 Prozent der Befragten sehen in leerstehenden Geschäften einen negativen Einfluss auf die Sicherheit, 68 Prozent sogar einen starken bis sehr starken Effekt. Gleichzeitig geben 27 Prozent an, dass sich ihr Sicherheitsgefühl in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert hat. Damit wird klar, dass der Rückgang des Einzelhandels nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Folgen hat.

Forderung nach strukturellen Maßnahmen

Der HDE fordert daher ein stärkeres Engagement von Politik und Kommunen. Neben wirtschaftlichen Entlastungen wird insbesondere eine aktivere Nutzung von Leerständen vorgeschlagen. Zwischenvermietungen und gezielte Förderprogramme für Gründer könnten dazu beitragen, neue Nutzungskonzepte zu etablieren und Innenstädte wieder zu beleben. „Einkaufen ist der Hauptgrund für einen Innenstadtbesuch. Wer sein Stadtzentrum vital erhalten will, braucht Geschäfte“, so von Preen.

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